Protest im Süßwarengeschäft
Von
tastifix
22.03.2026, 06:15 – geändert Montag 20.04.2026, 07:38
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
tastifix
22.03.2026, 06:15 – geändert Montag 20.04.2026, 07:38
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Weihnachten war vorbei, aber noch immer hockten im Süßwarengeschäft ´Schluckekrstube`die Nikoläuse auf den Regalen fast auf dem Schoß. Selbst für die größten Schleckermäuler unter den Menschen waren es zu viele gewesen.
„Tja ...“, meinten die Schokogesellen beleidigt."Missachtung nennt man das!“
Ein paar Tage später schleppten Verkäuferinnen Pakete mit Unmengen von Schokoladenosterhasen heran.
„Hääh?“
Was dann folgte, war wirklich furchtbar.
„Frau Maier, meinste nich auch, dat säh lustig aus, wenn wir die zwischen die Nikoläuse setzen?“
„Frau Müller, fasste mal mit an? Kaffeepause is später!“
Mürrisch unterbrach diese den Plausch mit der Kollegin, strich das Minikleid glatt, trippelte langsam wie eine Schnecke auf den Stöckelschuhen herzu und half tatsächlich. Rücksichtslos stopften die Beidenin in jede Lücke einen Hasen.
Fassungslos stierten die Nikoläuse auf die Hasen und umgekehrt.
„Das darf nicht wahr sein!?“
"Jetzt fehlen bloß noch die Pfingstochsen!"
„Was sucht Ihr denn noch hier?“. meckerten die Osterhasen.
"Und wieso seid Ihr jetzt schon hier?". gaben die Nikoläuse zurück. „Anscheinend haben die Menschen total den Üerblick verloren, wann wer von uns ... Sind die verrückt geworden?“. fragten sich dann alle.
Eindeutig waren die Menschen dem Umsatzknall erlegen. Skrupellos beleidigten sie die Nikolaus- und Osterhasenehre. Hauptsache, sie verdienten sich - auf dann ziemlich dreiste Weise - dumm und dämlich.
Die Empörung schlug hohe Wellen.
„Eine Frechheit!“, schimpften die Hasen.
„Unerhört so etwas!“, kam von den Nikoläusen.
Ein paar übrig gebliebene Engel versuchten den Frieden in der Schokoladenwelt zu retten:
„Ist doch gar nicht so schlimm. Die Kinder werden strahlen, weil sie nicht mehr so lange bis Ostern auf die Hasen warten müssen.“ Aber wenn sie glaubten, damit die Schokoladengesellschaft besänftigen zu können, irrten sie sich gewaltig. Immer wütender meckerten die Osterhasen herum:
„Müssen wir den Kindern in Zukunft etwa gar Überraschungseier mit Nikoläusen darin bringen?“
„Das wäre ja wohl das Letzte!!!“
„Wir werden uns wehren!“
„Und wie??“
„Wartet, bis die letzten Kunden verschwunden sind ...“, grummelte einer der Hasen. „Dann überlegen wir gemeinsam ...“
Er war der Fabrik ein wenig größer ausgefallen und deswegen wohl der Anführer der Langohrgesellschaft geworden.
Gegen Abend, als endlich Ruhe eingekehrt war, eröffnete jener Oberhase eine Nikolaus-Osterhasenkofnerenz mit den überaus klugen Worten:
„Uns muss unbedingt etwas einfallen!“
Immerhin dies war ihm dazu schon eingefallen. Alle dachten intensiv nach.
„Zerknittert Euer Schokoladenpapierkleid. Dann kauft Euch keiner mehr.“
„Nee, bringt nichts. Das reißen die ab und naschen weiter.“
„Die kriegen einen Denkzettel, den sie niemals wieder vergessen werden!“
Wütend schlackerte der Oberhase mit den Ohren.
Die Engel befürchteten etwas sehr Unheiliges und ermahnten pseudo-heilig:
„Ihr wollt die Menschen doch nicht etwa beißen?“
Und sahen die Hasen zur Strafe dafür bereits an den teuflischen Mistgabeln stecken.
„Nee, keine Sorge! - Denen vermasseln wir gründlich ihr Geschäft! Egal, was hinterher mit uns wird! Denn es geht ums Prinzip. Wir rächen uns. Ich hab auch schon die passende Idee!“
Während die Anderen noch verwirrt guckten, sprang der Oberhase vom Regal, flitzte durch den Gang davon, schlug einen Haken einmal nach rechts, dann zweimal nach links, stoppte in der Lebensmittelabteilung vor einem bestimmten Regal und grinste hämisch bis über beide Ohren.
„Na, denn los!“
Mir zwei riesigen Dosen bepackt hoppelte er wieder zurück. Seine Schokoladenkameraden und auch die Engel trauten den Augen nicht. Hastig flüsterte der Oberhase ihnen seinen Plan zu, der allen ausnehmend gut gefiel. Nur die Engel hielten sich zurück, denn als himmlische Wesen durften sie sich nichts Unhimmlisches zuschulden kommen lassen.
In den nächsten Minuten knisterte es laut auf dem Regal. Die Nikoläuse und die Osterhasen übten sich in regelrechten Gymnastikübungen, die Dosen leerten sich in Nullkommanix, danach knisterte es nochmals und darach kehrte wieder Ruhe ein. Der Oberhase hockte wieder auf seinem Platz und alles schien zu sein wie vordem.
Am darauffolgenden Morgen spurteten die Kunden in die Süßwarenabteilung.
„Mama, guck mal, noch so viele Nikoläuse und schon Osterhasen! Kaufst Du mir einen der Hasen?“
„Eigentlich ... Na gut!“
Strahlend biss das kleine Mädchen in die Schokolade, verzog das Gesicht und brüllte los:
„Mama, bääh, schmeckt das scheußlich!“
„Kind, was redest Du denn da?“
Die Mutter kostete:
„Iih!!“
Erbost marschierte sie zur Kasse.
„Unmöglich. So etwas überhaupt anzubieten! Probieren Sie mal!“
Immer mehr aufgebrachte Leute belagerten die Kasse, verlangten ihr Geld zurück und rauschten hinaus.
„Hier kaufen wir nie wieder!!“
Wenig später stand die Süßwarenabteilung verlassen dort und das Lebensmittelgeschäft ´Schluckerstube` dann bald vor dem Aus.
Denn Salz auf Schokolade schmeckt ekelhaft!!