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Rotkäppchen

Von Feierabend-Mitglied Donnerstag 17.09.2026, 17:51

Die Oma hatte es ihr geschenkt. Sie konnte all ihre blonden Haare drunter verstecken und es unterm Kinn mit zwei roten Schnüren zubinden. Und es war so rot wie die Schnüre. Oder war es umgekehrt? Sei es, wie es sei. Weil das Mädchen niemals ohne ihr rotes Käppchen aus dem Haus ging, nannte es alle Welt Rotkäppchen. Dass sie Siglinde hieß, wussten nicht mal die Brüder Grimm.
Eines Tages trug ihr die Mutter auf, einen Korb mit Kuchen (Abgeriebenem) und Wein (Dornfelder) zur Großmutter zu bringen.
Weil diese mitten im Wald wohnte, ermahnte das Mütterlein das Rotkäppchen, ja nicht vom Weg abzuweichen. Das versprach es.
Wie das aber so ist. Als das Mädchen den Waldweg entlang lief, trat der Wolf aus dem Wald heraus. Von seinem Schwager (der mit den sieben Geißlein) hatte er sich den Trick mit der Kreide abgeschaut. So flötete er dem Rotkäppchen etwas vor. Sie erzählte treuherzig, wohin sie wollte. Als der Wolf wusste, was er wissen wollte, überredete er das Mädchen, doch am Wegesrand ein Sträußchen Blümchen für das Großmütterchen zu pflücken.
Rotkäppchen definierte Wegesrand zum Weg zugehörig, weshalb sie der Mutter gegenüber keine Gewissensbisse verspürte und ein Sträußchen Blümchen pflückte.
Das verschaffte dem Wolf den nötigen Vorsprung. Er ging zum Häuschen, klopfte an und wurde hereingebeten.
Mit einem Haps verschlang er die Oma im Ganzen.
Wobei ich mich schon frage, wie das funktionieren soll. Vom Größenvergleich her. Aber, da es sich um ein Märchen handelt,will ich es mal gelten lassen.
Der Wolf verkleidete sich etwas, zog die Bettdecke bis unters Kinn und wartete.
Rotkäppchen kam mit Kuchen (Abgeriebenem) und Wein (Dornfelder) sowie dem Blumensträußchen herein.
Sie fragte die bekannten Fragen nach den Ohren, den Augen und dem Mund und wurde ebenfalls mit einem Haps verschlungen. Im Ganzen. Mitsamt Korb mit Kuchen (Abgeriebenem) und Wein (Dornfelder) und dem Blumensträußchen.
Der Wolf schlief ein.
Dem Jäger, der seinen Kontrollgang ging, fiel auf, dass die Oma ganz anders schnarchte, als gewöhnlich und er ging gucken.
Was er sah, gefiel ihm gar nicht.
Mit seinem französischen Taschenmesser der Marke Opinel schlitzte er dem schlafenden Wolf den Bauch auf und befreite Rotkäppchen, die Großmutter, sowie den Korb mit Kuchen (Abgeriebenem) und Wein (Dornfelder) und dem Blumensträußchen.
Dann tat er Wackersteine (was immer das sein soll) in des Wolfes Bauch und vernähte alles sorgfältig mit einer Kappnaht.
Als der Wolf erwachte, hatte er furchtbaren Durst, wollte aus dem Brünnlein trinken, fiel rein, kam wegen der Klamotten im Bauch nicht mehr raus und ertrank.
Oma kochte Kaffee für sich und den Jäger. Rotkäppchen kriegte Kakao. Dazu aßen sie den Kuchen.
Ach so, der Wein. Den hob Großmutter auf für Weihnachten.
Passt ja.

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