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Seelenkampf (1)

Von tastifix Dienstag 26.05.2026, 08:58

Die Geschichte spielt im Mittelalter ...

Am Rhieinufer ankert ein schweres Handelsschiff, dessen dunkle Konturen sich geheimnisvoll gegen den vom Vollmond erhellten Nachthimmel abzeichnen. An Deck stehen zwei Gestalten, der Besitzer des Schiffes Adam und sein Freund Tobias, beide Ehrenmänner im besten Alter.

Nachdem Adam Tobias die Führerkabine mit dem riesigen, imponierenden Steuerrad sowie die Mannschaftskajüten und auch den Lagerraum gezeigt hat, führt er ihn durch einen langen, schmalen Gang, der nur von wenigen Fackeln erhellt wird, auf seine Privatkabine im hinteren Teil des Schiffes zu. Auf den Wänden zucken bizarre Schatten, das Bodenholz knirscht unter ihren Schritten. Überhaupt herrscht eine eigentümlich bedrückende Atmosphäre, die sich als Zentnerlast auf Adams Gemüt und erst recht auf das seines Gastes legt. Die Unterhaltung verstummt, Adams Miene erstarrt zu einer Maske. Allein die Augen flackern unruhig. Tobias liest in Adams Gesicht. Ihm wird unheimlich, Furcht beschleicht ihn, die er nicht zu begründen vermag.

Die Hälfte des Weges liegt bereits hinter ihnen, als Adam plötzlich vor Panik kalkweißen Gesichtes verhält, die Hände zittern. s
„Irgendetwas ist hier, Adam, etwas stimmt nicht!?“, dringt Tobias in ihn.
Ihn bedrückt das ungute Gefühl, dass sie nicht mehr allein sind, sondern von allen Seiten beobachtet werden. Adam antwortet nicht. Er steht regungslos, seinen Blick mit weit aufgerissenen Augen auf die rechte Wand gerichtet.Tobias Blick folgt dem seines Freundes und heftet sich auf eine Tür, verbarrikadiert mit zwei mächtigen Holzbalken.
„Adam, was bedeutet das?“, flüstert er fast tonlos.
Von jeenr Tür strömt ihnen Eiseskälte entgegen. Tobias fröstelt es.
„Lass uns weitergehen!“, drängt er.
Er will fort, fliehen vor jenem unheimlichen Sog, der sie Beide unweigerlich dorthin zieht. Noch immer erhält er keine Erklärung. Dagegen bewegt sich Adam, wie eine Marionette von unsichtbarer Hand gezwungen, willenlos auf die Tür zu. Entsetzt reißt Tobias den Freund am Ärmel, will ihn zurückhalten.
„Adam, nein. Mir graust es ... Sie sind um uns, nicht wahr? Sie, die Dämonen aus der anderen Welt!?“
Diesmal bekommt er eine Antwort, jedoch in einer Weise, die so schrecklich ist, dass ihm der Atem stockt.

Stöhnend boxt Adam die beiden Holzbalken aus ihren Klammern, lässt sie willkürlich zu Boden krachen. Wie hypnotisiert stieren die beiden Männer hin, unfähig, doch noch die Flucht zu ergreifen und dadurch dem übermächtigen Einfluss des Unirdischen zu entgehen. Keines klaren Gedankens mehr fähig harren sie ihres Schicksals.
Wie von Geisterhand öffnet sich langsam die schwere Tür. Kein Knarren, kein Quietschen, nichts. Diese Lautlosigkeit, deren Grausamkeit die beiden Freunde lähmt, verdammt sie für diesen Augenblick zur Widerstandslosigkeit.
Mittlerweile steht der Eingang des Schreckens weit offen. Unsere beiden Freunde sehen nicht länger in schwärzliche, bedrohliche Düsternheit. Gräuliche Nebelschwaden wabern ihnen entgegen, versuchen sie einzuhüllen. Doch dabei alleun bleibt es nicht. In diesem Grau formen sich schemenhafte Gestalten, Körper Verstorbener, die sie aus leeren Augenhöhlen anhaltend durchbohrend fixieren. Aber, anstatt etwa einen Angriff zu starten, verbleiben sie im iHntergrund.

Plötzlich aber tritt eine der Schattengestalten vor. Sie bleibt nicht länger ein Schemen. Ein Mensch, eine alte Frau steht vor ihnen. Sie trägt edle Gesichtszüge und lächelt sanft. Die Männer vernehmen eine lieblicheStimme:
„Komm zu mir, mein Sohn. Und wir werden für immer vereint sein. Dich erwartet die Unsterblichkeit! - Koomm ... !!“
Die Stimme bohrt sich tiefer und tiefer in Adams Herz. Es ist die seiner Mutter, die ihn zu sich ruft in jene andere Welt. Doch der heuchlerische Singsang löst die Starre in Adams Seele., warnt ihn. Er emfindet wird den Atem des Bösen. Der ihm jedoch nichts anhaben kann, denn Adam ist ein Ehrenmann. Das Gute ist sein Schutzschild und auch das seines Freundes. Die Furcht aht keine Macht mehr über sie, egal, sie Von diesem Moment wird die Furcht sie nicht mehr in ihrem Bann halten, egal, was ihnen noch begegnen würde.
Inzwischen wagt sich das Geistwesen näher und setzt all seine dämonische Kraft ein, um diese zwei Menschen doch noch in seine Gewalt zu zwingen. Mit lieblichen Worten war es ihnen nicht beigekommen. Nun zeigt es sein wahres Gesicht, eine abscheuliche Fratze der Verlogenheit und grausame Krallenhände, die in ihrer Schrecklichkeit von etwas künden, von dem allein Adam Kenntnis hat. Ein Geheimnis, das er bis zu diesem Tag in seinem Herzen verschlossen hielt.

„Tobias, keine Sorge! Sie kann uns nichts. Wir sind zu stark. Uns schützen die Geister des Guten, warte ab!“
Durch Adams Worte aufgerüttelt, gelingt es Tobias, dem höllischen Einfluss ebenfalls zu widerstehen. Fragen zu stellen, ist es ihm noch unmöglich, aber die von Gott eingesetzte Macht des Vertrauens zu seinem Freund ist stärker als die dämonische Zauberkraft.
„Wir sind behütet!“, betont Adam.

Seine Mimik ist nicht länger die eines Gehetzten, sondern zeugt von aufkeimender Zuversicht. Ohne den Geist seiner Mutter aus den Augen zu lassen, wendet er sich zur linken Wand. Auch dort findet sich eine Tür. Jedoch ist sie weder mit Symbolen der Brutalität noch gewaltsam verschlossen. Auf ihren Flanken entdeckt Tobias ein weißes Kreuz, mehr nicht. Sind es Adams Worte, die ihn zur Ruhe bringen oder ist es sein eigener Glaube? Oder beides? Er weiß es nicht zu sagen.

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