Seelenkampf /2)
Von
tastifix
Dienstag 26.05.2026, 09:01 – geändert Dienstag 26.05.2026, 09:12
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tastifix
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Adam öffnet auch diese Tür. Auch sie knarrt nicht, auch sie quietscht nicht. Aber die Lautlosigkeit ist eine andere. Es ist die Stille des Friedens. Fasziniert blicken die beiden Männer, Tobias verzaubert, Adam trotz allem in den Raum hinter dieser Tür. Sie sehen in ein helles Licht und vernehmen leise Musik, von unsichtbaren Geigen gespielt. In diesem Licht schreitet ein Kind langsam auf die beiden Männer zu. Ein seliges Lächeln umspielt den Mund. Bald steht es neben ihnen.
„Mein Bruder!“, spricht es Adam an. „Und Du, Tobias… Adam, in Deinem Herzen waren wir immer zusammen, nie getrennt! Folgt mir in meine himmlische Welt!“
Während es so redet, richtet das Gute seinen Blick auf das Böse, das sich schreiend und fluchend unter diesen Worten krümmt und windet. Die Magie der Hölle ist machtlos. Die Fratze der Mutter verzerrt sich, ihre Gestalt verblasst, zerreißt in Fetzen und verschwindet iin den schwarzen Abgrund ewiger Verdammnis, Ihre Kraft ist endgültig gebrochen. Hinter ihr verschließt sich die Höllentür, um niemals mehr Bedrohliches freizugeben.
Adam und Tobias bekreuzigen sich. Sie fühlen sich aufgehoben in Gottes Hand.
„Werdet Ihr nun mit mir gehen?“, fragt das Kind.
Forschend schaut es sie an und erkennt die Antwort.
„Noch nicht, noch ist es zu früh!“, stammelt Adam. „Doch jetzt werde ich Tobias alles erzählen. Auch er wird im Herzen mit Dir verbunden sein!“
Ein Leuchten geht über das Gesicht des Kindes.
„Braucht Ihr Hilfe, dann ruft mich jederzeit! - Ich gehe jetzt zurück in meine Welt!“
Einen Moment lang streichelt es Adams Hand. Wieder erklingt jene zarte Musik. Das Kind tritt zurück in den Raum. Lautlos schliesst sich die Tür hinter ihm.
Der Gang, der ihnen so viel Schrecken einjagte, ist nicht länger düster und kalt. Es ist, als ob Tausende von Fackeln entzündet wurden. Die beiden Männer empfinden den neuen Frieden und gehen ruhigen Herzens ihres Weges. Dann, in Adams Kabine, stellt Tobias endlich die Frage aller Fragen:
„Adam, bitte erzähle mir. Was ist damals geschehen?“
„Tobias, meine Eltern waren sehr arme Leute, die tagtäglich ums Überleben kämpften. Ich, ihr ältester Sohn, war ein Wunschkind, für das sie viele Opfer brachten. Doch die Jahre gingen ins Land und die Ehe meiner Eltern war beinahe schon zerrüttet. Trotzdem kam noch ein Geschwister, mein Bruder, zur Welt. Mittlerweile aber hasste meine Mutter meinen Vater und übertrug ihren Hass auf meinen Bruder. Sie gab ihm kaum zu essen und kümmerte sich nicht mehr um ihn. Eines Tages dann kam es zur Katastrophe: Nach einem schlimmen Streit mit meinem Vater stürzte sie sich voller Gram und unbezähmbarer Wut auf meinen wehrlosen Bruder, prügelte ihn blutig und erwürgte ihn dann zu Tode.“
Er schweigt einen Augenblick, holt tief Luft, und fährt fort:
„Wie nicht anders zu erwarten, ereilte sie die Gerechtigkeit und sie endete am Galgen. Während sie mit dem Tode rang, verfluchte mein Vater sie:
„Dein Geist soll niemals Ruhe finden, die Dämonen der Hölle Dich solange quälen, bis eines Tages Dein eigener Sohn Dich für immer vernichtet!“
„Und Dein armer Bruder?“, fragt Tobias erschüttert.
„Du bist Zeuge, mein Freund!“, erwidert Adam. „Er war ein unschuldiges Kind. Die Heimat eines solchen Kindes ist der Himmel.“
Noch lange sitzen die beiden Männer zusammen. Das Band des gemeinsamen Geheimnisses schweißt sie noch enger zusammen.