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Sommerduft

Von Feierabend-Mitglied Samstag 24.08.2024, 13:08


„An das werden wir noch lange denken”, sagte Regina und konnte das Lachen kaum zurückhalten. Sie befürchtete, dass sich mein Ungeschick, über das ich im Moment nur gequält lächeln konnte, in Wut verwandelt. Ihr Zwerchfell hüpfte auf und ab vor innerem Lachen über mein verzweifeltes Gesicht. Sie konnte sich nicht mehr halten und prustete los. Ihr befreites und schallendes Lachen riss mich mit, ich konnte gar nicht anders. Was meine Beste befürchtet hatte, trat nicht ein. Ich verwandelte mich nicht in das altbekannte Rumpelstilzchen.
Was war passiert?
Wir hatten eine Wanderung in meiner alten Heimat gemacht. Ich war der Führer, selbstherrlich lehnte ich Wanderkarten ab, immerhin bewegten wir uns auf den Wegen meiner Jugend.
„Ich bin ein Kind des Waldes, hier kenne ich jeden Baum und jeden Stein“, sagte ich, obwohl ich zwischenzeitlich die Orientierung verloren hatte. Eine vermeintliche Abkürzung führte ins Nichts. Zum Glück gab es Markierungen und Regina – sie übersah nichts.
Für den Abstieg wählten wir den Jagasteig. Der war mir zwar unbekannt, aber auf einer Tafel stand, dass er zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zurückführt. Was wichtig war, denn da stand unser Auto. Alles ging gut, wir waren fast am Ziel. Eine Lichtung, ein Schlag, frisch gefällte Bäume lagen duftend vor uns. Ich liebe den Geruch von frisch gesägtem Holz, das ist für mich Heimat. Mit heftig pulsierenden Herzen setzte ich mich auf einen Baumstumpf. Ich brauchte diese Rast, dieses zur Ruhe kommen. „Ach wie schön ist die Welt“, posaunte ich in einem Anflug von Romantik in das Sonnenfenster über der Lichtung. „Komm mein Schatz, setz dich zu mir.“
Regina wollte nicht mehr rasten, sie lehnte nur kurz an einem Baum und sagte: „Komm, lass uns weiter gehen, ich freue mich schon auf die Jause beim Jagawirt.“
Ich wollte mich von dem frisch geschnittenen Baumstumpf lösen. Es ging nicht. Es zog mir fast die Jeans aus beim Aufstehen. Ich klebte fest! Ich dachte schon die ganze Zeit, dass es intensiv nach Harz riechen würde. Dass ich zentral im wohlriechenden Pech saß, war mir entgangen. Frisches Harz war durch den Stoff gedrungen, auch die Unterhose klebte fest. Was tun? Regina versuchte mit gebündelten Farnwedeln mir das Pech vom Hintern zu lösen. Jede Männlichkeit und alle Führerqualitäten waren verschwunden.

Nur mit Boxershorts bekleidet trottete ich in Richtung Parkplatz. Ich wollte nichts anderes, als nach Hause fahren. Wenn es sein muss, dann auch halb nackt. Allerdings stand dem die Resolutheit meiner Frau gegenüber, denn die wollte auf gar keinen Fall auf die Jause verzichten „Nix da, wir fahren jetzt in ein Kaufhaus und besorgen dir Klamotten, aus basta!“
Ich wartete vor dem Kaufhaus im Auto. In klebriger Unterhose auf viel Zeitungspapier. Vom nahen Zebrastreifen hörte ich ein Kind rufen: „Schau Mama, da sitzt ein Nackter im Auto. Ist das Sex?“
Na ja, Sex war es nicht, eher eine Art profaner Befriedigung, denn Regina kam mit bunten Hawaii-Shorts angetanzt und grinste: „Na, wie habe ich das gedeichselt?“

© story by Salzbaron
© photo by Salzbaron


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