Sonnenkind
Von
tastifix
Donnerstag 24.10.2024, 10:41 – geändert Montag 28.10.2024, 20:22
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Der König des Reiches Immerfroh wünschte von seinen sehr Untertanen, dass sie so oft wie möglich fröhlich sein sollten. Nur Marie, seine kleine Tochter, bereitete ihm da großen Kummer. Sie wirkte manchmal so traurig, obwohl sie wirklich ausgesprochen glücklich hätte sein dürfen. Die Eltern liebten sie sehr und erfüllten ihr jeden Wunsch. Egal, ob es sich um neue Kleider oder auch um Spielzeug handelte.Und, wwas viel wichtiger war: Das Mädchen hatte Freunde und Freundinnen, Prinzen und Prinzessinnen aus den umliegenden Schlössern, die sie sehr oft besuchten. Dann war auch Marie fröhlich, die Kinder tobten ausgelassen und spielten den Erwachsenen ab und zu lustige Streiche. Doch, waren die Anderen wieder nachhause gegangen, lachte Marie kaum noch.
Die Königin und der König grübelten, wie sie ihr helfen könnten. Nein, ihre Kleine war gewiss nicht traurig, weil die Freunde nicht mehr da waren. Sie sah sie ja fast jeden Tag. Es musste ein anderer Grund vorliegen. Nur, welcher? Letztendlich entschloss sich der König, ausnahmsweise, weil es seiner Frau und ihm keine Ruhe ließ, mit den Ministern darüber zu reden. Einige hatten auch Kinder und hätten vielleicht die rettende Idee.
„Eine traurige Prinzessin im Land Immerfroh? Nein, das muss sich ändern!“, meinte ein Minister.
Doch dem König blieb keine Chance, sich dazu zu äußern. Denn ausgerechnet dann betraten die Kinder den Raum. So gar nicht ausgelassen wie sonst wenigstens im Spiel hing Marie plötzlich schluchzend um des Königs Hals.Verunsichert hielt ihr Vater sie im Arm, die Minister, gleichfalls erschrocken, wandten den Blick ab, Maries Freunde schwiegen verlegen.
Der König schaute sein Kind ernst an:
„Marie, nicht weinen! Ich möchte, dass Du wieder lachst! Und Du hast so liebe Spielkameraden. Und zudem alles, was sich ein Kind nur wünschen kann. Da gibt es keinen Grund zum Traurigsein!"
Die kleinen Prinzessinnen und Prinzen hörten, wie ernst dies klang. Um die Freundin aufzumuntern und damit ihren Vater milder zu stimmen, begannen sie zu lächeln. Aus dem Lächeln wurde ein befreites Lachen.
Marie schluckte daraufhin tapfer die Tränen hinunter und versuchte ebenfalls zu lächeln. Doch richtig zu lachen, brachte sie nicht fertig. Sie guckte nach wie vor bedrückt.
„Weshalb bist Du denn teigentlich traurig?", versuchte der Vater es mit Sanftmut, denn er war sehr vernarrt in die Kleine.
Marie hätte beinahe wieder geweint, aber dann wäre ihr Vater auch traurig geworden. Also riss sie sich zusammen:
„Ich bin so traurig, weil ich nicht weiss, weshalb das eigentlich so ist!“
Die Minister tuschelten miteinander.
„Ist unsere Prinzessin vielleicht krank?", murmelte einer bekümmert.
„Hoffentlich wäre es dann nicht ansteckend ...?"
Nicht auszudenken, was dies für das Land hätte bedeuten können. Nicht allein, dass sie den erquickenden Ruf, besonders fröhlich zu sein, verlieren würden. Nein, sie mussten unwillkürlich auch daran denken, dass ja muntere Leute ihre Arbeit viel besser verrichteten als Griesgrame oderügar verzweifelte Menschen. Die Minister mochten nicht bedenken, welche Stimmung sich dann im ganzen Land breit machen würde. Es wäre kaum auszuhalten.
Der König, die Minister und selbst die kleinen Prinzessinnen und Prinzen lachten nicht mehr, sondern überlegten angestrengt. Marie sollte endlich wieder richtig fröhlich sein. Grübelnd legten sie die Sitrn in Falten und, weil dies so ungewohnt für sie war, hatten sie denn auch Mühe, sie kurz darauf wieder zu glätten. Auch der König bemühte sich um eine heiterere Miene. Zum Glück hatte der Hofzerimonienmeister ihm etwas ins Ohr geflüstert, dessentwegen er dann froh drein schaute. Die Minister beobachteten es und lächelten wieder, obwohl sie gar nicht wussten, was dieser dienstbare Geist dem König gesagt hatte.
„Also ...", hub der König mit fester Stimme an. „Ich glaube, die Prinzessin braucht Abwechslung. Sie soll all das Schöne sehen, das das Leben zu bieten hat."
Aufatmend und gleich noch viel viel munterer klatschten seine treuen Untergebenen Beifall. Die Kinder hüpften jubelnd herum. Jai, dann würde Marie bestimmt ihren Kumemr vergessen und sehr fröhlich zurückkehren!
Am nächsten Morgen zog Marie ihr aller schönstes Kleid an und verabschiedete sich geknickt vo nden Eltern, den Ministern, dem Hofzeremonienmeister, ihren Freunden und auch von Fips, dem Hofhund, der die Ohren hängen ließ und sie todtraurig ansah. Er spürte nämlich, wie es Marie zumute war und litt mit.
„Ich bin bald wieder bei Dir!", versprach sie ihm tröstend.
Fips schien sich gleich noch elender zu fühlen.
„Ob sie überhaupt je wiederkommt?`
Winselnd legte er sich auf den königlichen Rasen vor dem Schloß, schloss die Augen und hoffte bestimmt, im Traum davon abgelenkt zu werden.
Marie wanderte langsam durch den Park und dann durch dessen mächtiges Eingangstor. Betrübt schaute sie umher, traf aber überall auf lachende, singende und tanzende Leute. Die Bäcker vor ihren Öfen strahlten, die Frisöre sangen bei der Arbeit und die Feldarbeiter machten kurze Pausen und tanzten.
„Wieso seid Ihr so fröhlich?", fragte Marie.
„Wir sind zufrieden mit dem Leben. Dein Vater kümmert sich um uns, die Sonne lacht vom Himmel und die Ernte ist reich, niemand muss hungern! Wehalb also sollten wir da traurig sein?"
Maries Herz machte einen kleinen Sprung.
Sie schlenderte weiter zu den Pferde- und Kuhweiden. Marie liebte Tier und diese schenkten ihr die Zuneigung tausendfach zurück. Als sie sich dem Gatter näherte, wieherten die Pferde in vor Freude und sprangen ihr entgegen. Die Kühe trabten heran, ließen sich von ihr streicheln und leckten ihr hingebungsvoll die Hände. Maries Herz tat einen zweiten Sprung.
„Sie mögen mich, so wie ich sie mag!", dachte sie und war ein kleines bisschen froh.
Sie wanderte eine Anhöhe hinauf und betrachtete von dort den nahen See, die weiten Felder und die fernen Wälder am Horizont.
„All dies gehört meinem Vater und ist später mal meins!", dachte sie stolz.
Ohne begründen zu können, warum, begann sie zu hüpfen und rannte dann hinunter zu dem See, der in der Sonne glitzerte. Es sah dermaßen zauberhaft aus, dass Marie plötzlich nicht mehr traurig war. Vor sich hin träumend hockte sie sich ins Gras. Es kitzelte. Unwillkürlich lächelte Marie. Um sie her wuchsen viele Wildkräuter mit zarten Blüten in allen möglichen Farben. Zwisdchen ihnen reckten vorwitzige Gänse- und Butterblümchen die Köpfe der Sonne entgegen.
„Hach, ist das alles schön!! -Und wie lsutig es ausschaut, wenn die Blumen im Wind schaukeln!"
Marie pflückte eine der zierlichen Pflanzen und strich behutsam über die Blütenblätter.
„Du bist ja so niedlich!“, flüsterte sie ihr zu und lachte froh.
Ihr Kummer war wie weggeblasen.
Die Prinzessin empfand die ganz große Freude, die im Kleinen liegt, die der Seele viel mehr gibt als jeder Besitz.