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Sturm

Von tastifix Samstag 14.09.2024, 15:23 – geändert Dienstag 17.09.2024, 04:45

Die Menschen waren gewarnt worden, besser daheim zu bleiben.

Ein Sturm wütete über Deutschland und entfaltete mit 88 km/h eine bedrohliche Kraft. Selbst dicke Bäume wurden Opfer des furchterregenden Naturschauspiels. Entwurzelt stürzten sie auf Spazierwege oder krachten gegen Häuser. Dächteile hingen herab oder polterten zu Boden. Fensterscheiben zerbarsten, überall lagen Splitter. Einige parkenden Wagen wurden durch die Wucht des Aufpralls der Baumstämme zertrümmert. Manche Autobahnen waren gesperrt und auch viele Fernreisen der Züge fielen aus.
Das Wetter wurde ständig unheimlicher. Auch bei uns peitschte Starkregen gegen die Fenster, auch hier heulte der Wind. Anfangs klapperten die Rolläden nur leise, aber dann rasch lauter und kurz darauf schien es mir, als ob sie jeden Moment abgerissen werden sollten.

In meiner Fantasie flogen bereits sämtliche Gartenkübel umher und die beiden hohen Palmen auf dem Balkon reisten unfreiwilligerweise kreuz und quer durch die dunklen Wolken über unseren Stadtteil hinfort. Nein, dagegen musste unbedingt etwas unternommen werden. Angestrengt überlegte ich. Mir fiel nämlich auf, dass das Sturmtief, bevor es danach dann noch tiefer wurde, eine knappe Energie-hol-Pause einlegte, während derer die eingeschüchterte Sonne scheue blasse Strahlen zur Erde schickte. Die Arme! Binnen weniger Minuten wurde sie von einer weiteren heran rasenden schwarzen Wolkenfront verdrängt. Doch genau jene Minuten zuvor wollte ich nutzen. Ich war entschlossen, das Sturmtief zu bekämpfen, streifte mir Regenkleidung über, der Schirm jedoch blieb im Haus. Er hätte den geplanten Rachefeldzug nicht heil überstanden.

So gewandet, an den Beinen extra hohe Regenstiefel, stappfte ich auf den eigentlich grünen Rasen, der nun völlig zerwühlt und matschig vor mir lag. Mein Anblick versetzte dem Sturmtief einen Schock. Entsetzt verlor es bereits einen gewichtigen Teil seiner Energie und hielt für einen Moment inne, gerade lange genug, dass ich in meiner Regenkleiderritterrüstung zum Angriff übergeben konnte. An mir zerrte ja in dem Moment nichts herum oder brachte mich gar aus dem Gleichgewicht. Ich holte Luft, so sehr wie noch nie in meinem Leben und pustete ...

Leider überwand der Sturm seinen Schrecken darüber recht fix und bemühte sich, mir aufbrausend mit der ihm verbliebenen Restenergie mein aufkommendes Siegesgefühl zu vergällen. Aber sie richtete nicht mehr viel aus. Ich blies all die schwarzen Wolken, die noch immer bedrohlich am Himmel dahin jagten, hinweg. Entsetzt registrierte das ständig schwächer werdende Sturmtief, dass ihm nun zudem noch seine zweitwichtigste Waffe im Krieg gegen den nahenden Frühling genommen war.
Diesmal erwies sich der Schock als tötdich, Das Toben verging ihm zusehens und wurde zu einem nur noch vagen Raunen. Erleichtert stand ich dort, ein kleines Menschlein, blies noch ein letztes Mal mit aller Kraft und fegte das Stumtief endgültig fort. Kurz darauf zeigte sich am dann erneut blauen Himmel wieder die Sonne.

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