Swinging Sixties – Momente, die bleiben
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Feierabend-Mitglied
Freitag 28.03.2025, 07:40 – geändert Freitag 28.03.2025, 07:54
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Mansardenzimmer haben etwas Lauschiges.
Meines war als Personalzimmer deklariert und thronte sozusagen über den anderen Räumen der Frühstückspension meiner Meisterfamilie im Salzburger Land. Ich war hier angestellt und hatte Familienanschluss.
In letzter Zeit verstärkte sich meine Gefühlslage, denn im zweiten Zimmer nebenan wohnte Renate, die unnahbare Tochter des Willy Sperling, einem Feriengast aus Berlin.
Ich hatte die Süße in einem voreiligen Wortspiel „Spotzl” genannt habe. Dem bayrischen Dialektwort für einen liebenswerten Spatz konnte sie nichts abgewinnen. Sie ließ mich eiskalt abblitzen! Seither war sie verschlossen wie eine Auster. Die Idee, mit ihr „Hand in Hand” über das am Wochenende stattfindende Sonnwendfeuer zu springen, hatte sie kalt gelassen. Ich hatte es selber vergeigt und rätselte, wie ich diesen unseligen Schritt rückgängig machen könnte.
Meinen Frust verdrängte ich mit Musik, vor allem Country-Music. Trotzdem – der Gedanke an das nächtliche Feuer war da. Wer den Blick in lodernde Glut kennt, der weiß, dass Flammen noch ganz andere Gefühle zum Schwingen bringen können.
Mir ging es nicht darum, böse Geister zu verjagen, wie es der uralte Brauch verspricht.
Ich ließ Johnny Cash zu Wort kommen und suchte „Ring of Fire” auf dem Tonband und übersetzte den Song so gut ich konnte: „Love is a burning thing” in „Liebe ist eine brennende Sache” und „and it makes a fiery ring” in „gebunden von wildem Verlangen”. Ring of Fire verstärkte den Geschmack der Liebe. Ich fühlte wie ein einsamer Wolf. Jedenfalls war das der Moment, indem ich sie sah. Mit geschlossenen Augen stand sie auf unserem Balkon in ihrem rosa Hosenanzug und hörte der Musik zu – meiner Musik!
„Verzeih, ist dir nicht gut?“, fragte ich zögernd.
Zuerst schien sie mich nicht gehört zu haben. Doch dann drehte sie sich um, ganz langsam, als hätte ich sie aus einem Traum geweckt, als holte ich sie aus einem fernen Planeten. Währenddessen hatte ich Zeit, sie zu betrachten. Ihr Haar war hochgesteckt. Ich sah den Haaransatz hinter dem Ohr, diese zarte Stelle, an die sich Frauen immer das Parfum tupften, als wüssten sie um den Zauber dieses magischen Stückchens Haut.
„Ich weiß nicht recht, wie soll’s mir denn gehen, wenn es mir gerade das Herz zerreißt bei dieser tollen Musik? “
Als sie das sagte, stahl sich ein Lächeln in ihr Gesicht. Das machte mir Mut und ich hörte mich den Satz sagen: „Wir können bei mir Musik hören, wenn du willst die ganze Nacht.”
Offensichtlich verfing meine holprige Charmeoffensive, denn Renate sagte:
„Ich habe mich die ganze Woche grün und blau geärgert, weil ich in diesem Scheißkaff, entschuldige bitte, keine vernünftige Musik in mein Kofferradio bekam. Wenn du deine Balkontür offen hattest, hörte ich so tolle Platten von dir herüber zu mir. Wie machst du das? Hast du so viele LPs?”
Jetzt lachte ich herzhaft. Ich musste ihr spontan ein Küsschen geben. Dann klärte ich sie auf: „Nein, du frecher Spatz, das sind keine Schallplatten. Ich habe ein anderes Gerät, nennt sich Magnetophon oder einfach Tonbandgerät. Vierspurig in Stereo, das Beste, was momentan am Markt ist. Ich habe auch ein Mikrofon, du kannst mitsingen, wenn du dich traust.”
„Oh mein Gott, ist das klasse! Jetzt bekommst du eine Eins mit Herzchen. Wollen wir nicht gleich anfangen? Elvis oder Brenda Lee?”
„Machen wir, alles machen wir, Renate. Nur nicht gleich, lass uns ins Kino fahren, Eis essen oder Eiskaffee trinken. Bis dahin sind die Neugiersnasen hoffentlich alle im Bett und wir haben Zeit für uns. Sonst noch Wünsche?”
„Ja. Love me Tender … ”, sagte sie, zwinkerte mir zu und ergänzte: „möchte ich hören!”
©photo by ferdinand