Tischlein deck dich
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Feierabend-Mitglied
Freitag 18.09.2026, 10:11
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Es war einmal ein Schneider. Der war aber nicht sehr tapfer. Erhatte drei Söhne. Wegen der üblen Nachrede eines Mitglieds der Wohngemeinschaft jagte er sie einen nach dem andren aus dem Haus.
Als er merkte, dass ihn das besagte Mitglied ebenfalls hinter die Fichte führte, grämte er sich sehr. Aber weggeschickt blieb weggeschickt.
Der erste kam zu einem Schreiner, ein sozial und demokratisch eingestellter Mann, der ihn zum Schreinergesellen machte. Als er ausgelernt hatte, bekam er ein Tischlein zum Abschied. Wenn man dem sagte „Tischlein, deck dich“, tat es das Tischlein und es deckte sich mit den köstlichsten Speisen. Auf einem weißen Damasttischtuch.
Auf dem Heimweg kehrte er in einem Wirtshaus namens „Ainkehr (vor Erfindung des Dudens schrieb man das vorne noch mit A) für Dürstende“ ein, nahm ein Zimmer, aber trank nichts und aß nichts. Die Wirtsfrau lugte durch‘s Schlüsselloch. Am nächsten Tag marschierte der Bursche weiter, allerdings mit einem andren Tischlein.
Der zweite fand einen Müller, der war demokratisch eingestellt, aber christlich. Nach der Lehrzeit schenkte ihm der Müller einen Esel. Wenn man dem „Briklebritt“ ins Ohr flüsterte, wurde er zum Goldesel und briklebrittete Golddukaten vorne und hinten. Bis man „Briklestop“ sagte. Auch dieser Bursche kehrte in besagtes Wirtshaus ein. Auch ihn beobachtete und belauschte die Wirtin und er marschierte anderntags mit einem anderen Esel heimwärts.
Der dritte und jüngste kam bei einem Drechsler in der Lehre. Im ersten Lehrjahr musste er für ein Bündnis von fünf Kegelbrüdern 90 gleichgroße Kegel drechseln. Alle grün, also nicht angepinselt. In Wahrheit waren es aber nur 80 gleiche, denn zehn hatten noch oben dran solch einen Piepotz. Die Kegelbrüder bestückten damit ihre Kegelbahnen.
Am Ende der Lehrzeit schenkte ihm der Drechslermeister einen Knüppel, der eine erstaunliche Ähnlichkeit hatte mit den im ersten Lehrjahr gedrechselten Kegeln. Er befand sich allerdings in einem hellbraunen Jutesack und war besonders. Wenn man „Knüppel aus dem Sack“ rief, hüpfte er heraus und prügelte auf die Umstehenden, ausschließlich des Rufenden, ein. Bis man „Knüppel in den Sack“ sagte. Der Bursche bedankte sich artig und ging vorbei am Wirtshaus namens „Ainkehr für Dürstende“ schnurstracks nach Hause.
Dort fand er seine beiden Brüder mit hängenden Köpfen wegen ihres Missgeschicks und einen erbosten Vater wegen der Dummheit seiner beiden älteren Söhne.
Als der Jüngste die Geschichten der beiden Brüder vernommen hatte, schnappte er sich den Sack samt Knüppel und marschierte den Weg zurück zum Wirtshaus.
Sehr sehr offensichtlich verbarg er den Jutesack vor den neugierigen Blicken Wirtsleuten so, dass sie garantiert neugierig wurden.
Nachts dann versuchten sie tatsächlich, ihm den Sack samt Knüppel zu stehlen.
Er sprach den Spruch „Knüppel aus dem Sack“ und der Knüppel sprang heraus und knüppelte auf die Wirtsleute ein. Die gaben unter Schmerzen auch die beiden anderen Diebstähle zu.
Anderntags ritt der Bursche mit dem Tischchen auf dem Rücken und dem Knüppel im Sack unterm Arm auf dem Esel heimwärts.
Dort wurde dann erstmal alle Schulden getilgt und anständig gefeiert.
Ob sich die Wirtsleute in ärztliche Behandlung begeben, mussten, darüber schweigen die Brüder Grimm.
Wie üblich.