Trugschluss
Von
tastifix
Dienstag 27.08.2024, 14:36 – geändert 03.11.2024, 10:47
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tastifix
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Annabel langweilte sich. Im TV lief nichts Interessantes und zu lesen hatte sie gerade keine List. Frustriert schaute sie um sich. Achjaa, sie würde nach langer Zeit mal wieder Radio hören. Auf gut Glück wählte sie einen Sender. Und vernahm zuerst nur ein lautes Knacken. Aber dann ...
„..Ja, wenn man so alt geworden ist wie ich...“, tönte es.
´Eigenartige Stimme! So schrappend!`
„Und eine solch tolle Karriere!“. betonte ein Reporter. „Bestimmt würden die Zuhörer gerne mehr darüber erfahren.“
„Aha“, sagte sich Annabel, „Wohl eine berühmte Persönlichkeit!“
Gespannt hörte sie weiter zu.
„Selbstverständlich berichte ich gern aus meinem Leben. Schon als Baby war ich ein Wonneproppen. Meine Wiege stand bei jedem Wetter draußen. Meine große Familie umsorgte mich ausgesprochen liebevoll. So lernte ich sehr früh laufen, rennen und springen. Mich trieb der Ehrgeiz und ich übte und übte. Als lebhaftes Kind konnte ich es ncicht ausstehen, irgendwo ruhig herum zu liegen. Ich wollte viel Abwechslung. Alle wetteiferten um meine Gunst. Beim Spielen gewann sehr oft ich."
„Wer angibt, hat´s nötig!“, murmelte Annabel.
„Sie erwähnten vorhin, dass man Sie nicht nur in Ihrem Heimatort kannte …?“, unterbrach der Reporter.
„Oh nein!“, trumpfte der Gefragte auf. „Sondern bereits nach wenigen Jahren wurde ich zum Weltstar, was mich sehr ssbbewusst machte. Millionen Menschen flippten aus vor Begeisterung, wo immer ich auftrat. Oft wurde es echt gefährlich. Denn so Manche bedrängten mich arg eng. Doch standen meine Leibgardisten bereit und verwiesen sie in ihre Schranken. Auch im Mich-Durchboxen trainierte ich mich eisern und durfte viele Erfolge verbuchen. Konkurrenten, die versuchten, mir den Rang strittig zu machen, scheiterten meist kläglich. Nur selten war einem solcher Triumph beschieden. Meine Energie war eben fast brenzenlos und ich konnte mich bei unzähligen Gelelegenheiten im Ruhm aalen."
„Eingebildeter Pinsel!“, kommentierte Annabel.
„Man weiß, dass Sie stur Ihre Ziele verfolgten, dirchaus auch auf drastische Weise. War das schon immer so?“
„ja, stur wasr ich schon immer. Und doch auch wieder nicht.“
„Wie meinen Sie denn das?“, irritierte Frage des Reporters.
Schon in frühester Kindheit lernte ich, dass das Leben hart ist. Aber zum Glück erklärte mein Adoptivvater, dass man sich nur eine dicke Haut zulegen muss. Ich wurde später oft brutal angegriffen, trug auch tiefe Hautverletzungen davon. Aber genau das gefiel mir ausgesprochen gut, wurde ja sofort medizinisch versorgt, meine Haut entbeult und zudem half mir der überaus dröhnende Zuspruch meiner Fans, den Schmerz recht schnell zu vergessen. Deesntwegen nahm ich fast alles in Kauf.“
Annabel war erschüttert. Ein Masochist!
„Wann hatten Sie sich eigentlich für diese Karriere entschieden?"
„Sehen Sie...Ich war nicht der Typ für einen Bürojob, wollte unbedingt einen Beruf, in dem ich meine berühmte Durchsetzungskraft unter Beweis stellen konnte. Außerdem stand ich schon immer gerne im Mittelpunkt.“
„Sie sagten es schon“, meinte der Reporter, „demnach brauchten Sie Publikum wie Andere das tägliche Brot. Am liebsten waren sie ja draußen aktiv!".“
„Ach herrje! Ein Hansdampf in allen Gassen!“ ,verdrehte Annabel die Augen zur Decke.
„Aber in jedem Leben gibt es Tiefschläge. Wie sind Sie damit umgegangen?!“ forschte der Reporter nach, ziemlich genervt von der Prahlerei.
„Tiefschläge sind dazu da, ausgehalten und überwunden zu werden. Nach dem Motto habe ich gehandelt. Wissen Sie; Als eine Person des weltweiten öffentlichen Interesses hatte ich viele Feinde, die mich dann gar ins Aus stoßen.wollten. Aber energisch, wie ich ja bin, wehrte ich mich. Meine Freunde unterstützten mich dabei, so dass ich äußerst wütend reagierte und die Angreifer dann deutlich geschwächt aus ihrer dreckigen Wäsche guckten, dermaßen bloßgestellt, dass ihnen jegliche Kraft fehlte, die rote Karte wegen ihrer Skrupellosigkeit wieder rein zu waschen."
„Ja, Sie fielen manchmal aber auch selber durch unfaires Verhalten auf", warf ihm der Reporter vor.
„Dazu stehe ich. Niemand auf der Welt ist ohne Fehler. Ich auch nicht. Und öfters gab es Vorkommnisse, wegen derer ich mich nicht mehr beherrschen konnte.“
„Könnten Sie ein konkretes Beispiel nennen?“
„Gerne. Dann werden Sie zustimmen, dass ich im Recht war. Dass ich mir das nicht gefallen lassen konnte ...
„Als ich etwa 30 Jahre alt war, dementsprechend voller Luft und Lust am Leben. passierte es. Bei einer Feierlichkeit, die damals sogar das Fernsehen übertrug. Ich besetzte wie immer die Hauptrolle. Es waren tatsächlich einige meiner Fans, die durchdrehten, und mir ständig näher auf die Haut rückten. Darum rastete ich aus, tat einen gewaltigen Atemzug, verließ mit mindestens verdoppelter Energie den Boden der Gelassenheit, um wenige Sekunden später mit Wucht in deren Gesichtern der Aufdringlichkeit zu landen. Jenen Denkzettel vergaßen die bestimmt nie wieder. Allerdings, gebe ich zu, ging mir bei dieser ohnehin mehr als Kräfte zehrenden Aktion wegen eines Hautrisses dermaßen die Puste aus, so dass ich für ein paar Minuten pfeifend am Boden der Erschöpfung liegen blieb.“
„Aber Sie galten als Stehaufmännchen. ...“
„Sttimmt. Meine Leibgardisten waren diensteifrig zur Stelle, bügelten meine Beulen wieder aus. Damit ich ohne Sorgenfalten weiter fröhlich auf der Sonnenseite des Lebens springen konnte.“
„Was Sie dann mit Bravour meisterten!“ anerkannte der Reporter.
Die Sendezeit lief dem Ende entgegen. Er wollte diesem Ausbund an Abgehobenheit möglichst rasch die Puste der Überheblichkeit rauben.
„Danke, danke! Doch Sie sind nicht der Erste, der mir das sagt!!“ , kam prompt die überhebliche Antwort.
Der Reporter stöhnte nur insgeheim, um nicht auch noch Beulen wegen unterdrückter, mittlerweile aufsteigender Aggression zu bekommen. .
„Es tut mir sehr leid, mein Herr. Leider ist unsere Sendezeit viel zu knapp bemessen. Vielen Dank für dieses Gespräch!“
„Es war mir ein großes Vergnügen! Der Dank ist ganz auf meiner Seite.“
Der Reporter richtete aufatmend ein letztes Wort an seine Zuhörer:
„Falls Sie noch irgendwelche Fragen haben: Unser Gast hat sich bereit erklärt, sie telefonisch zu beantworten. Hier ist die Nummer: 11 22 11. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend!“
„Der hat ganz vergessen, den Beruf dieses depperten Mannsbildes zu erwähnen. Macht nix, den ruf ich an. Das will ich jetzt wissen!“, meckerte Annabel.
Sie griff ihr Telefon und wählte die besagte Nummer. Mit jedem weiteren Freizeichen steigerte sich denn doch die Aufregung. Endlich, nach dem vierten Freiton, wurde der Hörer abgehoben. Wieder vernahm sie die jetzt schon vertraute, schrappende Stimme:
„Ja, halloo … ? Hier Fidelius B... “
Annabel schluckte, schluckte nochmals. Als Erstes plumpste der Hörer zurück auf die Gabel ...
Ud dann Annabel auf ihren Teppichboden. Zum Glück fiel sie weich. Jener eingebildete Pinsel, ihr akustisches Gegenüber war - ein Ball!