über meine Oma
Von
Jorgito56
Samstag 24.08.2024, 17:53
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Jorgito56
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OMA
Die Mutter meines Vaters hatte es nicht leicht in ihrem Leben
und sie hatte keinen, der sie unterstützte... Sie hätte Menschen gebraucht,die ihr Mut machen...
Sie bekam vier Kinder: Johanna, Wilhelm brachte sie in den 20er Jahren zur Welt...Wie sie wohl den Bankrott des Hofs überlebt hatte?
Die Inflation von 1923, ... Ich weiß, dass man Geldscheine aus jener Zeit aufgehoben hat.. In einer Schublade lagen die Reichsmark… auch so etwas, was meine Vorstellungskraft überstieg.
Wie später die Kurzgeschichten von Borchert. Ein junger Mensch überlebt eine Bombardierung. Wie sollte ich mir das in meinem Dorf vorstellen? Alle Häuser waren heil geblieben. Gut. Im Haus haben Leute gewohnt, die ausgebombt worden waren. Aber auch ihr Leid war für mich als Kind nicht in Worte zu fassen.
Die Kriegsversehrten - wie mein Onkel- brachten die Schrecken näher, aber nur die Atmosphäre hatte etwas Bleiernes.
Ende der 20er Jahre brachte sie einen weiteren Sohn, meinen Vater, zur Welt. Er war fünf Jahre, als die Hitlerei begann.
Dann kam also der Faschismus und der Zweite Weltkrieg...
Ihr Sohn ging Wilhelm ging zur Waffen SS und kehrte nach dem Krieg als Kriegsversehrter, gebrochen aus Russland zurück.
Seine Frau, meine Tante , war mehrfach abhängig... Sie hatte sich als Lazarettschwester gemeldet und sicher die schrecklichen Seiten des Krieges erlebt...mehrere Jahre in Trinkerheilanstalten waren die Folge.Ich sehe ihr zerfurchtes Gesicht vor mir ... Ich bin in Bad Berleburg und ich treffe sie, die depressive Tante, rede mit ihr und bin freundlich und artig.
Auf dein Wohl, Tante Ilse, die du Hitlers Soldaten in Lazaretten versorgtest, die Lazarette, die du als Traumatisierte und Süchtige verließest, die du von meinem Vater verstoßen wurdest, bist du mit 50 Jahren so aussahst, als wärst du 75.
1942 : das schlimme Jahr, annus horribilis, der jüngste Sohn meiner Oma fällt vom Wickeltisch auf den Küchenboden. Er ist tot.
Ende der 50er Jahre wird meine Oma mit Gebärmutterkrebs in Marburg operiert. Als Kind teile ich mit ihr das Schlafzimmer.
Sie betet mit mir.Ach Oma
Sie war eigentlich eine starke Frau.Im Herbst machte sie Sauerkraut . Es gab einen Gemüsegarten imTruftetal. Das Sauerkraut kam in große Steinguttöpfe...
“Als ich aufstand, da sah ich : das Leben war Kampf”,
sagte sie öfter...
Wenn sie nicht einverstanden war, drohte sie auch mal mit Selbstmord. Am Kinn wuchs ein kleines Haar aus einer Warze.
Sie trug zurückgebundenes Haar, einen Dutt.
“Ich geh auf den Dachboden und nehme mir den Strick”, rief sie.
Aber keiner glaubte ihr. Ich jedenfalls konnte mir nicht vorstellen,
dass sie sich an einem Strick aufhängt.
Sie wurde 81 Jahre alt.
In den 90er Jahren habe ich sie oft zitiert und meine Arbeitskollegen machten sich lustig über mich.” Also, meine Oma hätte jetzt gesagt…”-