Verzaubert!
Von
tastifix
Donnerstag 06.02.2025, 06:08
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tastifix
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Wieder mal durch eine sehenswerte Gemäldeausstellung gehen, die anderen Besucher zu beobachten, ihre Mimik, ihre Gestik beim Betrachten eines Bildes zu deuten zu versuchen und die besondere Atmosphäre einer solchen Veranstaltung zu genießen ... Ja, dies hat sich Jasmin für heute fest vorgenommen. Nichts wird sie davon abhalten. Sie ist frei für die Welt der Vorstellungen und Wünsche.
Am frühen Nachmittag verlässt Jasmin das Haus. Aus Freude ob dieser Stunden, die ausschließlich ihr gehören sollen, hat sie sich schick angezogen. Sehr romantisch, so, wie sie es liebt. Das weiche Tannengrün des weit schwingenden Kleides schmeichelt ihr. Sie fühlt sich hübsch und begehrenswert. Beschwingt macht sie sich auf den erquickenden Spaziergang durch den weitläufigen Park bis hin zur Kunsthalle. Ach, es ist schon eine geraume Zeit her, dass sie jenes Haus das letzte Mal betreten hatte.
Es geht um eine Ausstellung naiver Malerei, für die sie von jeher schwärmt. Sie zeigt die Eintrittskarte vor, nimmt sie dankend zurück und betritt gespannt den Saal, in dem besonders große Kunstwerke hängen. Das erste in kräftigen Farben gehaltene Bild stellt den Alltag auf einem Bauernhof dar. Das nächste Gemälde zeigt einen bunten Wiesenblumenstrauß in einer halbrunden weißen Vase vor dunklem Hintergrund. Jasim genießt diese Werke ihr völlig unbekannter Künstler. Die leuchtenden Farben erfreuen ihr Herz.
Sie schreitet zur gegenüber liegenden Wand und bleibt dort fasziniert stehen. Ein fast zwei Meter breites Gemälde zieht sie magisch an. Sie vermag den Blick nicht zu lösen, obwohl gar nichts Besonders zu sehen iist. Jasmin schaut auf eine im naiven Stil gemalte Waldlandschaft. Kein Sonnenstrahl erhellt diese Oase der Ruhe, keine bunten Blumen fesseln das Auge. Allein ein Aschenweg, der von vorne mittig in einer sanften Biegung nach hinten rechts das Panorama teilt, bietet einen Blickfang. Er lädt ein zum Verweilen in dieser Stille, dieser Ruhe, die für die Seele so erholsam ist.
Jasmin atmet tief durch. Später dann weiß sie selbst vor sich selber nicht sich zu begründen, wieso sie nach kurzem Betrachten jener Landschaft sich nicht den übrigen Kunstwerken gewidmet hat, die es mit Sicherheit ebenfalls wert gewesen sind, Beachtung zu finden. Doch sie bleibt reglos stehen. Jasmin beachtet kaum noch die miteinander tuschelnden Menschen. Die Umstehenden scheinen sich zu entfernen, deren murmelnde Stimmen ständig leiser zu werden. Alles um sie her gerät mehr und mehr in Vergessenheit.
Jasmin entzieht sich dem Sog dieses Gemäldes nicht länger. Sie macht erst einen zögerlichen, danach einen zweiten Schritt darauf zu, überschreitet die Grenze zwischen Wirklichkeit und Traum und findet sich auf eben diesem rot-bräunlichen Wanderweg wieder. Obwohl dort völlig allein, empfindet sie keine Furcht, im Gegenteil. Unter den hohen Bäumen fühlt sie sich geborgen. So spaziert sie froh voran und überlässt sich sorglos der Führung des Weges. Sie ahnt nicht, was sie noch an Wunderbarem erwartet.
Nach einer Weile lichtet sich der Wald. Jasmin findet sich auf einer in gleißend helles Sonnenlicht getauchten Wiese wieder, übersät mit den schönsten Blumen, die sie sich nur vorstellen kann.
„Meine Güte, wie schön!"
Am liebsten möchte sie singen und tanzen und tanzen und singen und selbst zu einer der leuchtenden Blüten in diesem Naturwunder werden. Sie überlässt sich ihrer Sehnsucht, wirft den Lockenkopf zurück und beginnt sich schneller und schneller im anmutigen Kreis zu drehen. Sie gibt sich dem wirbelnden Tanz hin, ist völlig entrückt.
Ohne es zu wissen, geht sie den Weg in den vollkommenen inneren Frieden. Alles Schwere ist von ihr genommen, bedrückende Gedanken sind ausgelöscht. Sie fühlt sich leicht wie eine Feder. Es überwältigend, zunehmend frei zu werden. Dieses Empfinden kann nur das nur aus tiefem Herzen entspringen.
Auf einal vernimmt Jasmin aus der Ferne eine wunderbare, überaus zarte Musik, die ihre Seele verzaubert. Entzückt lauscht sie diesen Klängen, hört auf das, was sie ihr zuflüstern.
„Komm!", lockt sie eine Stimme wie die eines Engels. „Du hast die Fähigkeit bewiesen, mit dem Herzen zu sehen, mit dem Herzen zu fühlen. Dir sei etwas geschenkt, was nur wenigen Menschen zuteil wird. Sieh dort hinten das Tor. Es wird das Tor zur immerwährenden Glückseligkeit genannt. Schreite hindurch und Du wirst für ewig eins mit ihr!"
Jasmin fragt nicht, wer da mit ihr spricht. Sie spürt im Herzen das Gute und lässt sich von ihm leiten. Der Stimme vertrauend, folgt sie ihr ohne Zögern und geht ein in die ewige Freude. Sie wird zu einem strahlenden Lichtwesen, das kein Gestern, kein Heute und kein Morgen kennt.