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Zeichen der Verdammnis

Von tastifix Mittwoch 07.05.2025, 14:12 – geändert Mittwoch 07.05.2025, 14:12

Ein halbes Jahr war es inzwischen her, dass Marleens Eltern gestorben waren. Ein gutes Verhältnis hatte die Tochter zu ihnen nie gehabt.Ihre Charaktere waren zu unterschiedlich gewesen und Marleens leicht aufbrausendes Temperament hatte die Beziehung noch zusätzlich erschwert.

Dennoch ließ die junge Frau sogar heute, an dem Tag ihrer Hochzeit, der Gedanke an die Verstorbenen nicht los:
„Lass mich in Ruhe. Ich will nicht mehr!“
Sie stöhnte leise, aber es klang keinesfalls wie ein Seufzer der Trauer.
Gleich würden ihr die Brautjungfern den Schleier bringen und sie sich als eine wunderschöne Braut ihrem Zukünftigen und der Verwandtschaft präsentieren. In Gerd hatte sie den Mann ihrer Träume gefunden.
„Mit ihm werde ich glücklich sein!“

Es klopfte. Froh öffnete Marleen die Tür. Im selben Moment verdunkelte sich draußen die Sonne und der Raum lag in einem unheimlichen, dämmrigen Licht. Mit einem Schreckenslaut wich Marleen ein paar Schritte zurück.
Vor ihr standen mitnichten ihre Freundinnen, um ihr beim Ankleiden zu helfen, sondern eine in eine bodenlange, tiefschwarze Kutte gehüllte Frau. Die schwarze Maske vor ihrem Gesicht gab allein einen schmalen Schlitz für die Augen frei.
In der Hand hielt sie einen kostbaren strahlend weißen Brautschleier, der über und über mit winzigen Perlen bestickt war.und streckte ihn der jungen Frau entgegen: „Nimm, dies ist dein Lohn!“

Marleen blickte in jene Augen, hörte die etwas rauhe, dunkle Stimme. Die Erinnerung drückte sie nieder. Sie erbleichte.
„Neiin, das kann nicht sein. Weiche von mir!“
Fassungslos und schwankend vor Entsetzen stierte sie die Gestalt an:
„M...Mutter!!“
Die Geistgestalt antwortete drohend mit grollender Stimme:
„Du nimmst jetzt sofort diesen Schleier!“
Marleens Flehen war nur noch ein Hauch:
„Hab` Erbarmen!“
„Es gibt keine Gnade!“
Die Mutter murmelte ein paar Worte. Martleen und erstarrte, zu keiner Bewegung mehr fähig. Barsch steckte ihr die Mutter den Schleier aufs Haar. Es donnerte ohrenbetäubend, grelle Blitze zischten durch den Raum. Die Gestalt der Mutter verflüchtigte sich.

Ein grauenhaftes Schreien ließ den Bräutigam und die Verwandtschaft, die im Festsaal auf die Braut warteten, zusammenfahren:
„W..Was war das!?? - Marleen!!“
on Panik erfasst hetzte Gerd, gefolgt von ein üpaar der Anwesenden, in die obere Etage zum Zimmer seiner Zukünftigen. Die Tür stand weit offen, Rauchschwaden schlugen ihm entgegen. Es bot sich ihm ein entsetzlicher Anblick. Der einst weiße Schleier glühte rot von Blut. Die Perlen hatten sich in Dolche verwandelt und bohrten sich unbarmherzig tiefer und tier in Marleens Schädel. Um ihren Körper züngelten Flammen, erfassten ihre Beine, fraßen sich aufwärts und streiften fas vom Schmerz grässlich verzerrte Gesicht.

Aber es war noch nicht genug des Grauens. Von den Wänden hallte das unheimliche Echo einer hohlen Stimme:
„Ich bin der Geist ihrer Mutter. Damals habt ihr Euch nach der Ursache unseres Todes gefragt. Es blieb bis heute ein Geheimnis. Doch nun werde ich es lüften: Marleen war es, die uns aus wahnsinnigem Hass ertränkt hat. Jetzt ist die Tat gesühnt und wir werden endlich Frieden finden!“

Totenstille herrschte im Raum, der Odem des Verbrechens war zu spüren. Keiner der Anwesenden rührte sich. Wie nebern sich stehend hoffte Gerd immer noch, dass es nur ein furchtbarer Albtraum wäre. Doch die Flucht vor der Wahrheit war ihm nicht vergönnt.
„Dieses Wesen dort habe ich über alles geliebt. Eine Mörderin!“
Fassungslos musste er nun mitansehen, wie Marleens Körper verkohlte und zu einem kleinen Haufen Asche zerfiel. Noch ein letztes Mal meldete sich der Geist der gequälten Verstorbenen:
„Marleen: Sei verflucht in alle Ewigkeit!!“
Eine giftig grüne Lichtkugel umhüllte die Asche. stieg höher und schwebte noch kurz an der Zimmerdecke entlang. Derweil verblasste ihr Schein mehr und mehr. Schließlich verlor sie sich im langsam zurückkehrenden Tageslicht.

Draußen schien wieder die Sonne.

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