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Zeichen der Verdamnis

Von tastifix Samstag 18.10.2025, 08:36 – geändert Samstag 18.10.2025, 12:17

Vor einem halben Jahr waren Marleens Eltern gestorben. Zwischen Mutter und Tochter hatte nie ein gutes Verhältnis bestanden. Ihre Charaktere waren zu gegensätzlich gewesen und Marlens leicht aufbrausendes Temperament hatte die Beziehung noch zusätzlich erschwert.

Dennoch ließ die junge Frau selbst heute, an dem Tag ihrer Hochzeit, der Gedanke an die Verstorbenen nicht los:
„Lass mich in Ruhe. Ich will nicht mehr!“
Sie stöhnte leise, aber es klang keinesfalls wie ein Seufzer der Trauer. Gleich würden die Brautjungfern den Schleier bringen und sie sich dann als eine wunderschöne Braut ihrem Zukünftigen und der Verwandtschaft präsentieren. In Gerd hatte sie den Mann ihrer Träume gefunden.
„Mit ihm werde ich glücklich sein!“

Es klopfte. Froh öffnete Marleen die Tür. Im selben Moment verdunkelte sich draußen die Sonne und der Raum lag in einem unheimlichen, dämmerigen Licht. Mit einem Schreckenslaut wich die junge Frau ein paar Schritte zurück. Vor ihr standen mitnichten die iFreundinnen, um beim Ankleiden zu helfen, sondern eine in eine bodenlange tiefschwarze Kutte gehüllte Frau. Die schwarze Maske vor dem Gesicht gab allein einen schmalen Schlitz für die Augen frei.
In der Hand hielt sie einen kostbaren strahlendweißen. über und über mit winzigen Perlen besticckten Brautschleier und streckte ihn Marleen entgegen.
„Nimm, dies ist Dein Lohn!“
Marleen blickte in jene Augen, hörte die etwas rauhe, dunkle Stimme. Die Erinnerung drückte sie nieder. Sie erblasste.
„Neiin, das kann nicht sein. Weiche von mir!“
Entsetzt stierte sie die Gestalt an:
„M..Mutter!!“
Mit drohend grollender Stimme forderte die Geistgestalt:
„Nimm jetzt diesen Schleier!!“
Marleens Flehen war nur noch ein Hauch:
„Hab` Erbarmen!“
„Es gibt keine Gnade!“
Die Mutter murmelte ein paar Worte. Im nächsten Moment erstarrte Marleen, war zu keiner Bewegung mehr fähig. Barsch steckte die Mutter der Tochter den Schleier aufs Haar. Grelle Blitze erhellten das Zimmer, die Ohren betäubende Donner folgten, derweil sich die Gestalt der Mutter wieder verflüchtigte.

Ein grauenhaftes Schreien ließ den Bräutigam und die Verwandtschaft, die im Festsaal auf die Braut warteten, zusammenfahren:
„W..Was war das!?? - Marleen!“
Von Panik erfasst hetzte Gerd, gefolgt von einigen der Anwesenden, in die obere Etage zum Zimmer seiner Zukünftigen. Die Tür stand weit offen. Rauchschwaden schlugen ihm entgegen und es bot sich ein schrecklicher Anblick. Der einst strahlend weiße Schleier glühte rot wie Blut. Die Perlen hatten sich in Dolche verwandelt, die sich unbarmherzig tiefer und tiefer in Marleens Schädel bohrten. Um ihren Körper züngelten Flammen, erfassten die Beine, fraßen sich aufwärts und berührten das vom Schmerz gräßlich verzerrte Gesicht. Von den Wänden hallte zudem das unheimliche Echo einer hohlen Stimme:
„Ich bin der Geist ihrer Mutter. Damals habt ihr Euch nach der Ursache unseres Todes gefragt. Es blieb bis heute ein Geheimnis. Doch nun werde ich es lüften. Marleen war es, die uns aus irrsinnigem Hass ertränkt hat. Nun ist die Tat gesühnt und wir werden endlich unseren Frieden finden!“

Es wurde totenstill, die anwesenden konnten den Odem es Verbrechens regelrecht spüren und standen dort wie auf ihren Platz gebannt. In seiner verzweiflung hoffte Gerd immer noch, dass jenes Geschehen nur ein schlimmer Albtraum wäre. Aber die Flucht vor der Wahrheit wurde ihm nicht vergönnt.
„Dieses Wesen dort habe ich über alles geliebt. Eine Mörderin!“
Gebrochenen Herzens musste er nun mitansehen, wie Marleens Körper allmählich verkohlte und zu einem kleinen Haufen Asche zerfiel. Noch ein zweites Mal meldete sich der Geist der gequälten Verstorbenen:
„Marleen: Sei verflucht in alle Ewigkeit!“

Eine giftig grüne Lichtkugel umhüllte die Asche und schwebte mit ihrer schauserlichen Last dann noch f+r wenige Augenblicke an der Zimmerdecke entlang. Dabei verblasste ihr Schein mehr und mehr. Schließlich verlor sie sich im allmählich zurückkehrenden Tageslicht.

Draußen schien wieder die Sonne.

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