Acht Beine und ein Herzinfarkt
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Feierabend-Mitglied
Dienstag 19.11.2024, 12:47 – geändert Dienstag 19.11.2024, 13:19
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Australien ist bekannt für seine atemberaubende Natur und einzigartige Tierwelt, aber kaum ein Lebewesen sorgt für mehr gemischte Gefühle als die Spinnen dieses Kontinents. Viele Menschen verbinden Australien sofort mit Geschichten über tödliche Spinnen, die in Schuhen lauern oder plötzlich in Autos auftauchen. Doch wie gefährlich sind diese Tiere wirklich? Und warum scheinen sie Touristen in den Wahnsinn zu treiben?
Die Sydney-Trichternetzspinne, eine der bekanntesten Arten, hat zweifellos ihren Platz in den Geschichtsbüchern der gefährlichen Tiere verdient. Ihr Gift ist hochwirksam und kann für Menschen tödlich sein, was sie zu einer Legende unter den Spinnen macht. Trotzdem haben die meisten Australier sie nie zu Gesicht bekommen, denn diese Spinne bevorzugt feuchte, geschützte Orte wie Gärten oder Keller. Begegnungen mit Menschen sind selten, und durch die Verfügbarkeit eines wirksamen Gegengifts seit den 1980er Jahren hat ihr Ruf als Killer eher historische Bedeutung. Für Touristen jedoch genügt allein die Vorstellung, dass eine solche Spinne existiert, um sie dazu zu bringen, beim Camping das Zelt viermal abzusichern – von innen und außen.
Ein weiterer bekannter Bewohner australischer Gärten ist die Rotrückenspinne. Klein, unscheinbar, aber mit einem Gift ausgestattet, das starke Schmerzen und andere Symptome hervorrufen kann. Während Australier beim Anblick einer Rotrückenspinne meistens mit einem lässigen „Ach, schon wieder eine“ reagieren, ist die Reaktion eines Touristen oft dramatischer. Ich habe einmal gesehen, wie ein Schweizer beim Anblick einer Rotrückenspinne mit einem Küchenlöffel bewaffnet sein gesamtes Airbnb nach „potenziellen Verstecken“ durchsucht hat. Am Ende war die Spinne längst verschwunden, aber die Küche sah aus wie ein Schlachtfeld.
Und dann gibt es die riesigen Huntsman-Spinnen, die regelmäßig Schreie hervorrufen, wenn sie plötzlich an einer Wand auftauchen oder in einem Auto erscheinen. Australier wissen, dass diese Spinnen harmlos sind, aber ihr Auftauchen in der Nähe von Touristen kann für echte Dramen sorgen. Hirohito, mein japanisches Au-pair, hat panische Angst vor Spinnen, und als eine Huntsman eines Abends plötzlich im Badezimmer auftauchte, hörte man ihren Schrei vermutlich bis in die Nachbarstadt. Ähnlich dramatisch war es, als ein deutscher Tourist in einem Restaurant eine Huntsman entdeckte, die an der Decke saß. Er war sich sicher, dass die Spinne in einem gezielten Attentat auf seinen Teller springen würde, und weigerte sich, weiterzuessen, bis das Personal sie „unschädlich“ machte. Die Spinne wurde schließlich mit einem Glas eingefangen und vor die Tür gesetzt – gefolgt von einem entsetzten „Das ist doch viel zu nah!“."
Australien bringt die Angst der Touristen zur Höchstform. Selbst harmlose Situationen werden mit einer Portion Dramatik aufgepeppt. Ein Berliner erzählte mir einmal, er habe vor jedem Schritt auf dem Weg zum Strand überprüft, ob irgendwo eine Spinne lauert. Am Ende kam er so nervös an, dass er auf eine harmlose Sandkrabbe trat und dachte, es sei der Angriff einer „australischen Todeskrabbe“.
Am Ende bleibt die Wahrheit, dass Spinnen ein faszinierender Teil der australischen Tierwelt sind. Ihre tödlichen Eigenschaften sind evolutionäre Wunder, die sie zu geschickten Jägern machen. Für den Menschen ist die Gefahr durch sie bei weitem geringer, als es die Geschichten und Mythen vermuten lassen – zumindest, solange man kein Tourist mit einer lebhaften Fantasie ist.
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