Politikinteresse
Von ehemaliges Mitglied Mittwoch 28.05.2025, 09:42
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Es war der neunte September 1948, sechs Tage vor meinem achten Geburtstag, als ich mit meinem Großvater auf dem Trümmerfeld vor dem zerstörten Reichstagsgebäude in Berlin mit mehr als 300.000 Berlinerinnen und Berliner stand und mir mit ihm die berühmte Rede von Ernst Reuter “ Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt“ anhörte.
Ihm war bewusst, dass wir ein historisches Ereignis erlebten, das sein Enkel unbedingt verstehen sollte.
Josef Stalin hatte am 4. Juni 1948 alle Zufahrtswege nach Berlin gesperrt, auch die Stromversorgung der Stadt war unterbrochen worden.
Warum aber hat Stalin das getan?
Er tat es, weil er die Beschlüsse der Konferenz in Jalta rückgängig machen wollte.
Damals wurde von den Alliierten beschlossen, Deutschland in vier Teile zu teilen, und das auch mit der Hauptstadt Berlin zu tun. Dadurch war das geteilte Berlin von dem, den Sowjets zustehenden Teil Deutschlands umschlossen und das wollte er nun nicht mehr akzeptieren.
Die Alliierten aber bestanden auf die Vereinbarung und entschieden, den Westteil der Stadt nicht aufzugeben. Also beschloss Stalin, Westberlin auszuhungern.
Daraufhin haben die Alliierten unter der Leitung des US-amerikanischen Generals Lucius D. Clay die Luftbrücke eingerichtet. Damit wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit eine Millionenstadt allein aus der Luft versorgt. Pausenlos landeten und starteten die von den Berlinern Rosinenbomber genannten Flugzeuge in Tempelhof, in Tegel und in Berlin-Gatow sowie mit ihren Wasserflugzeugen auf dem Berliner Wannsee.
Diese Aktion begann am 24. Juni 1948 und die Blockade endete, weil Josef Stalin eingesehen hatte, dass er sein Ziel nicht erreichen konnte, am 12. Mai 1949.
Am 30. September 1949 wurde die Luftbrücke offiziell beendet.
Dieses historische Ereignis nahm mein Großvater zum Anlass, mich über viele Jahre hinweg politisch zu sozialisieren. Auch er war ein durch und durch politisch denkender Mensch und schon im Kaiserreich in die inzwischen mehr als 160 Jahre alte SPD eingetreten.
Dafür, dass er sich diese Mühe gemacht hat, bin ich ihm noch heute sehr dankbar. Denn er war es, der es fertiggebracht hat, dass ich nicht nur als Bürger immer ein Auge auf das politische Geschehen habe, sondern auch, dass ich mehr als 50 Jahre selber Teil der politischen Notwendigkeiten wurde.
Er hat es mir ermöglicht, dass ich heute mit Stolz sagen kann, dass ich nicht zu der großen Masse derer gehöre, die sich nicht um Politik kümmern, aber Kritik an ihr üben.
Mir war und ist es immer noch wichtig, selbst zu handeln als darauf zu warten, dass es andere tun ...