Wer waren die Deportierten nach Australien?
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Feierabend-Mitglied
19.10.2025, 23:07 – geändert 19.10.2025, 23:12
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Die Geschichte der britischen Sträflingskolonien in Australien ist faszinierend und vielschichtig. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden zahlreiche britische Straftäter nach Australien deportiert. Doch wer waren diese Menschen wirklich? Warum waren so viele Iren darunter? Und wie verlief ihre harte Reise nach Australien?
Ursprünglich waren die meisten Deportierten Menschen, die gegen das Gesetz verstoßen hatten – meist für Kleinigkeiten wie Diebstahl, unrechtmäßiges Gewerbe oder andere geringe Vergehen. Diese sogenannten "Kleinkriminellen" wurden in der Regel zu harter Zwangsarbeit oder lebenslangem Deportation verurteilt und nach Australien geschickt. Schwerverbrecher, wie Mörder oder Vergewaltiger, wurden in England in der Regel hingerichtet. Die Deportierten waren häufig Menschen aus ärmeren Gesellschaftsschichten, Arbeitsslose oder Ausgestoßene der britischen Gesellschaft. Für sie war Australien oft auch eine letzte Chance, einem Leben voller Armut und Verfolgung zu entkommen. Nach der Abschaffung der Deportionen ab 1868 wurden die letzten Sträflinge in Australien integriert und konnten ein neues Leben beginnen. Ihre Geschichte zeigt eine komplexe Mischung aus Strafe und Neuanfang.
Die lange Reise nach Australien dauerte je nach Wetter etwa sechs bis zwölf Monate. Die Gefangenen wurden auf sogenannten "Hulken" , in beengten und schlechten Bedingungen transportiert. Die Gefangenen mussten auf engen Decks leben, mit wenig Platz, schlechter Verpflegung und einem hohen Risiko für Krankheiten wie Skorbut, Cholera oder Typhus. Trotz all dieser Strapazen war die Reise für viele auch eine Hoffnung auf ein neues Leben – ein letzter Versuch, dem Elend in England oder Irland zu entkommen und in Australien neu anzufangen. Frauen waren ebenfalls an den Überfahrten beteiligt, wenngleich in geringerer Zahl als Männer. Viele Frauen wurden mitgenommen, um die infolge der Strafexpeditionen in Australien geborenen Familien zu unterstützen oder eigene Hoffnungen auf einen Neuanfang zu erfüllen. Sie mussten die gleichen harten Bedingungen, Krankheiten und manchmal auch Übergriffe ertragen. Später verbesserten sich die Transportbedingungen, und es kamen auch Passagierschiffe mit besseren Einrichtungen dazu.
Eine besondere Gruppe unter den Deportierten stellten die Iren dar. Das lag hauptsächlich an den politischen und sozialen Umständen in Irland im 19. Jahrhundert. Während des sogenannten „Great Famine“ (1845–1852) litten Millionen Iren unter massiver Armut, Hunger und Arbeitslosigkeit. Viele Iren wurden somit wegen kleineren Vergehen, aber auch aus politischen Gründen verurteilt, verfolgt oder einfach aus purer Not deportiert. Außerdem waren zahlreiche Iren politisch aktiv, gegen die englische Regierung und die britische Kolonialmacht. Sie wurden oft als Aufständische oder Revolutionäre angesehen, insbesondere im Zusammenhang mit den irischen Unabhängigkeitsbewegungen. Daher wurden viele Irinnen und Iren im Zuge der Repressionen nach Australien verschickt. Auch weil Irland damals zu Großbritannien gehörte, waren irische Straftäter ebenso wie Engländer Teil dieses Deportationssystems. Viele Iren suchten dort auch einen Neuanfang, und ihre Auswanderung beeinflusste die multikulturelle Gesellschaft Australiens maßgeblich.
Die irische Bevölkerung spielte eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung Australiens und prägte das Land maßgeblich. Die meisten der irischen Deportierten blieben nach ihrer Freilassung in Australien und trugen wesentlich zum Aufbau der Infrastruktur bei, arbeiteten auf Baustellen, im Handwerk und auf Farmen und waren an der Gründung von Städten beteiligt. Mit ihrer starken Arbeitermentalität und ihrem Durchhaltevermögen beeinflussten die Iren das soziale und wirtschaftliche Leben Australiens nachhaltig. Außerdem brachten sie ihre Sprache, Musik, Traditionen und Bräuche mit nach Australien und pflegten sie dort. Irische Feste wie der St. Patrick’s Day wurden zu bedeutenden Kulturveranstaltungen, die bis heute gefeiert werden. Die irische Mentalität, geprägt von Humor, Gemeinschaftssinn und Widerstandskraft, beeinflusst noch immer die australische Gesellschaft. In sprachlicher Hinsicht haben irische Wörter und Redewendungen den australischen Alltag bereichert. Die irische Diaspora hat das landestechnische, kulturelle und gesellschaftliche Bild Australiens geprägt und ist ein integraler Bestandteil seiner Identität.
Kurz gesagt, die Deportierten nach Australien waren hauptsächlich Menschen, die wegen kleiner Vergehen deportiert wurden. Viele von ihnen waren Iren, die durch Hunger, Armut und politische Verfolgung nach Australien verschleppt wurden. Ihre Geschichten und ihr Einsatz haben Australien maßgeblich mitgeprägt und sind ein bedeutender Teil der heutigen australischen Identität und Gesellschaft.