Unterschätze bloß Dein Baby nicht!!
Von
tastifix
Samstag 10.05.2025, 08:26 – geändert Montag 12.05.2025, 06:57
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tastifix
Samstag 10.05.2025, 08:26 – geändert Montag 12.05.2025, 06:57
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Baby baden, wickeln, füttern, mit Baby spazieren gehen (und nach zwei Minuten umkehren, weil die Pampers voll ist!), Baby ein Schlaflied vorsummen und nachmittags alles wieder von vorne. Seit über drei Monaten absolvierte ich nun schon dieses Programm.
Auch an jenem Abend sank ich wie die meisten jungen Mütter jede erschöpft in die Kissen, atmete auf und freute mich auf erholsamen Schlaf. Meine Kleine lag wohl verstaut in ihrem Kinderbett und muckste sich nicht. Dies erfüllte mich, aber noch mehr ihren Papa mit Stolz, denn, klar, war es darum ja seine Tochter, die so rücksichtsvoll die Nachtruhe ihrer Eltern respektierte. Viel Ahnung von solch jungen Frauen hatte er ja noch nicht.
„Na wartet!“, sagte sich der rot-weiß-blaue Strampelanzug. „Von wegen ´Schlafen´!“
Dummerweise konnte sie ja noch nicht krabbeln. Dennoch wusste sich Klein-S. sehr wohl zu helfen.
„Brüllen! Damit krieg` ich sie weich!“
Zunächst meldete sie sich mit zaghaftem Wimmern, welches sich, weil erfolglos, rasch steigerte und dann in eine mit erstaunlich kräftiger Stimme vorgetragene Opernarie überging. Sie schrie sich die Seele aus dem Hals. Und hatte zu ihrem Pech total vergessen, dass es sich kläglich anhören sollte. Stattdessen klang es nach einigen Minuten wie eine Schimpftirade niedrigsten Gosseniveaus, die ich hier bestimmt nicht übersetzen werde.
„Büuh – wähääh- bü!“
So allmählich bekam ich es mit der Angst zu tun. Inzwischen etwas genervt, schielte ich zum Herrn Papa, der sich anscheinend überhaupt keine Sorgen um den Nachwuchs machte. Prompt ich mir dann doppelt welche.
„Und wenn sie doch was hat ... ?“, wagte ich anzumerken.
„Sicher hat sie was ...“, kam mürrisch zurück. „Wut!“
Damit schien für ihn das Thema erledigt.
Ich dagegen wälzte mich von einer Seite zur anderen. Die Sirene aus dem Kinderzimmer bewies eine irre Ausdauer.
„Ich halt das nicht mehr lange aus!“, wimmerte ich zum Nebenbett, dessen Inhalt davon jedoch unberührt zu bleiben schien.
„Büüh-Kreisch hoch Zwei - bühühüüüh!!“
Endlich rührte sich sich etwas. Dem männlichen Wesen neben mir war klar geworden, dass, wenn es sein Eheweib nicht beruhigen würde, es genauso um die eigene Ruhe geschehen wäre.
„Du, der fehlt wirklich nichts. Die ist nur schwer sauer!“
Klar stimmte dies und ich kam mir ziemlich blöd vor. Aber trotzdem überflog ich in Gedanken nochmals im Zeitraffertempo sämtliche Artikel einer bestimmten, sehr bekannten Mama- und Papa-Zeitschrift. In der hatte ich nämlich eine mich extren belastende, von Experten erstellte Aussage entdeckt:
„Baby macht stets alles richtig. Die Bösen sind die uneinsichtigen Eltern!“
Mein Gewissen pochte gegen die Schläfen.
„O je! Welche Schuld habe ich denn auf mich geladen, dass dieses winzige, ach so hilflose arme Etwas dermaßen schreit ... ?
In meinem Gedächtnis herrschte diesbezüglich - vielleicht vorsorglich - eine Riesenerinnerungslücke. Ich war ihm dafür äußerst dankbar. Zudem sah ich nicht ein, Buße zu tun, ohne zu wissen, wofür eigentlich, spietle denn die angeblich Souveräne und verkroch mich tapfer unter der Bettdecke.
„Die hat nix, sondern ist einfach frech!“
Registrierte mein Mann wenigstens, wie vernünftig ich plötzlich agierte? Ja, irgendwie kam ich mir fast wie eine Heldin vor, dermaßen konsequent, durch fast nichts mehr zu verunsichern. Es verlieh mir nur scheinbar Stärke, durchztuhalten. Um ehrlich zu sein; Mir wars zum Heulen zumute!
So unter dem Deckenwust klang das Ganze zwar weit weniger gefährlich. Aber es verklang nicht! Darum war es mit meinem notdürftig disziplinierten Verhalten denn sehr rasch vorbei.
„Mir doch egal, was dieses doofe M-P/B-Pseudoerziehungsblatt behauptet! Mir reicht`s jetzt!“
„Alsoo“, eröffnete ich dem jungen Papa. „Ich hol sie rüber, basta!“
„Wirst` schon sehen, was Du davon hast!“
„Richtig. Ruhe!“, versetzte ich ironisch.
Ein Felsmassiv plumpste mir vom Herzen. Ich schwebte geradezu ins Kinderzimmer, hob die Kleine auf den Arm und trocknete die Tränen jenes gequälten Etwas mit dem Ärmel meines Nachtgewandes.
„Ach, die süßen Augen, die niedlichen Fingerchen!“, seufzte ich selig.
Diese Nacht würde uns nichts mehr trennen.
Der Blick ihres Papas zu mir, danach auf das ur noch leise schniefende Paket auf meinem Arm sprach Bände. Aber immerhin verkniff er sich einen dann vielleicht nicht so sehr liebevollen Kommentar, brummelte nur etwas Undefinierbares in seine Decke und bettete resignierend sein müdes Haupt wieder aufs Kissen.
„Siehste, sie ist still!“, triumphierte ich.
Da platzte er denn doch:
„Hat ja auch erreicht, was sie wollte!!“
Zärtlich betrachtete ich den Winzling neben mir.
„Guck` doch mal. Sie lacht!“
„Ehem!“, knurrte er, konnte es aber nicht lassen, heimlich, wie er es wohl glaubte, zum Töchterchen zu schielen. Sein Möchtegern-Erzieher-Herz schmolz dahin wie die Butter in der Sonne. Damit ich edies aber nicht merken sollte, drehte er sich fix zur Wand.
Meine Tochter und ich schlummerten dicht aneinander geschmiegt friedlich bis zum Morgen durch.