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Beginn einer Freundschaft: Ambrosius und ich

Von tastifix 19.04.2026, 09:59 – geändert Dienstag 12.05.2026, 07:28

Selbst während der wärmeren Jahreszeit spendiere ich dem kleinen gefiederten Orchester in meinem Garten regelmäßig Leckerbissen. Zwei der Federbälle mögen mich mittlerweile wohl sehr gern und besuchen mich jeden Tag: Elster Emilie und Ambrosius.

Emilie legt Wert auf eine hübsch gedeckte Tafel. Mitnichten gibt sie sich mit dem Wiesentischtuch zufrieden, sondern speist von einem blütenweißen, romantisch gestylten Küchenteller. Es passt zu ihr, denn sie schmettert mir stets eine ausgesprochen romantische Melodie entgegen. Anscheinend hat sie fix der übrigen Vogelwelt gemeldet, welch ein gut schmeckendes Geheimnis sich hier verbirgt. Neuerdings pickt nicht mehr nur sie mir die Krümel vom Kopf, sondern dabei leisten ihr eine Spatzenschar und mehrere Meisenpärchen begeistert Gesellschaft. Die Meisen bleiben jedoch scheu und halten einen deutlichen Sicherheitsabstand.

Und nun hat sich ihnen noch jemand zugesellt. Jemand mit ausgeprägtem Stilempfinden, wie ich es zufrieden registriere. Ein hoch elegant serviertes Mahl verlangt nach einem passend festlichen Outfit des Gastes. Deshalb erscheint jener geflügelte Zweibeiner im schwarzen Frack. Weil aber ´nur in Schwarz` traurig wirken könnte, trägt er einen knallgelben Schnabel, den er mit hoch erhobenem Kopf stolz präsentiert. Nicht jeder kann damit aufwarten! Es ist ein Amselmann, der nach und nach seine Angst vor mir verliert. Bin ich in der Küche, hüpft er bis nah vor die Terrassentür, hockt sich dort hin wie auf einen Logenplatz im Theater, schaut mir zu und lässt mich dabei keine Sekunde aus den Augen. Jedesmal spielt sich das gleiche Ritual ab. Ich beobachte ihn inzwischen nicht mehr nur, sondern stehe an der geöffneten Tür und begrüße ihn mit leiser Stimme:
„Na, komm her! Klar hab`ich etwas für Dich. Guck` mal!"
Nur noch einen Meter weit entfernt sitzt er im Gras und schaut mich unverwandt an.

Und dann passiert es: Wieder einmal treffen wir uns am Terrassenrand. Ich rede sanft mit ihm. Plötzlich legt er den Kopf schief und antwortet:
„Piep, piep!"
Gerührt lächele ich und erinnere mich meines Kanarienvogels aus Kindertagen, den ich selber handzahm erzogen und zu dem ich dann ein inniges Verhältnis hatte. Von daher vermag ich ein wenig das Verhalten und auch die Vogelsprache zu deuten. Dieses Piep bedeutet:
„Hallo, hier bin ich wieder. Ich find`Dich nett!"
Tatsächlich kommt er noch ein wenig näher, verhält und klappert bettelnd mit dem Schnabel.
„Bitte, bitte: ich möchte so gerne ein Leckerchen!"
Ich denke, dass ich träume und prombt fliegt ein besonderer Leckerbissen nach draußen. Mein kleiner Gast freut sich sichtlich, tippt mehrmals mit dem Schwanz auf den Boden und piept mich hell an:
„Danke!"
Wer mich kennt, ahnt bereits, was jetzt folgt. Ich kann gar nicht anders und denke mir einen Namen für ihn aus.
„Was hältst Du von ´Ambrosius`?"
Da nachzufragen, geziemt sich unbedingt so, denn mein neuer Freund ist bereits volljährig. Einen Moment lang schaut er mich grübelnd an. Es ist ja eine wichtige Entscheidung, die er treffen soll. Dann aber blitzen seine Augen fröhlich auf. Zumindest bilde ich mir es nur zu gerne ein.

Sein voller Name lautet nun:
Ambrosius von Schillerfeder

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