Beichte
Von
tastifix
Dienstag 03.06.2025, 15:34
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tastifix
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Obwohl meine Eltern nicht wirklich gläubig waren, wollten sie vor den Leuten den Schein wahren und bestanden darauf, dass wir jeden Sonntag in der Früh in die Messe gingen. Egal, ob wir Kinder vielleicht lml lieber länger geschlafen hätten.
Mit ungefähr 10 Jahren wurde ich auf die erste heilige Kommunion vorbereitet.. Damals lauschte ich noch andächtig den Ausführungen des Kaplans, wozu dessen schwarzes, elegantes Outfit nicht unwesentlich beitrug. Ja, dieses wehende bodenlange Gewand gewann mir gehörigen Respekt ab.
´Vater unser` beherrschten wir Kinder ja bereits aus dem Effeff.
Aber jetzt wurde von uns verlangt, nach dunklen Stellen auf unserer Seele zu forschen. Allein diese Aufforderung ließ uns innerlich schrumpfen. Bange schielte ich zu den Anderen:
„Wie gucken die jetzt? Geht denen jetzt auch die Buxe mit Grundeis?`
Nicht, dass ich etwa angenommen hätte, auch nur einer Einzigen wäre dies dann zu Recht so ergangen. Nein, wir waren doch die reinen Unschuldslämmer, aber, wenn der Priester dort vorn dagegen der Auffassung war, unsere so unschuldigen Kinderseelen besäßen womöglich doch hässlichee Flecken, dann musste vielleicht etwas dran sein. Denn der war ja serwachsen und auch sehr klug.
Je länger ich also grübelte, umso heftiger hämmerte mein Herz. Ich empfand Gewissensbisse, wusste noch nicht mal, weswegen und so gesellten sich dann noch welche dazu, weil ich eben keine Ahnung hatte, wieso eigentlich. Ich forschte und forschte, aber kam zu dem Schluss, wenn überhaupt, dann waren es höchstens Mikro-Flecken. Doch es beruhigte mich keinesfalls und je näher der Tag der ersten Beichte rückte, desto schlafloser wälzte ich mich nachts im Bett. Weil der liebe Gott (beziehungsweise eher sein Vertreter auf Erden und in unserem Falle der sonst so nette Kaplan) hartnäckig darauf bestand, gab es kein Entrinnen. Frustriert beriet ich mich mit Freundinnen, was zu tun wäre, damit wir dann blütenweißer Weste wieder dem Beichtstuhl entsteigen dürften. Sie waren da genauso ratlos wie ich.
Hach einigen wichtigen Konferenzen entschlossen wir uns zur Gemeinschaftsarbeit in Sachen ´Sündenregister zusammenstellen`. Es wurde weniger dramatisch als wir angenommen hatten. Eine trug der Anderen Leid. Wir machten uns also gegenseitig Mut, dass bis dato noch jedes Kind jene Beichte überlebt hatte. Viel half uns diese Erkenntnis leider nicht. Nur tröstend zu wissen, dass es uns allen gleich erging. Uns rauchten die Köpfe und wir hörten uns gegenseitig die Sünden-Vokabeln ab, ob wir auch genügend aufzuzählen wussten.
Vor dem Beichtstuhl rückten wir eng zusammen, was mich aber nicht davor bewahrte, ganz auf mich selber gestellt hinein gehen und dort auf die Knie sinken zu müssen. Zitternd kauerte ich mich nieder, vor mir das Respekt abverlangende, die Übermacht des Priesters noch betonende Gitter. Und schon ging es los:
„Meine Tochter: Was hast Du gesündigt?“
Ich war baff erstaunt ob dieser Anrede, war ich doch bis dann der Überzeugung gewesen, mein Vater daheim wäre mein einziger Vater. Nun hatte ich also plötzlich zwei davon, wobei dieser hier mir der weitaus strengere zu sein schien. Aber die wohl erwarteten töchterlichen Gefühle, die mir noch mehr Ehrlichkeit, was eventuelles Fehlverhalten anging, hätten entlocken sollen, stellten sich so gar nicht ein. Dagegen brachte ich meine Stimme nur mit äußerster Anstrengung noch dazu, ja nicht zu versagen. Dies hätte nämlich zur Folge gehabt, am weißen Sonntag die Kommunion nicht empfangen zu dürfen, weil die blöden angeblichen anthrazit/schwarzen Flecken auf meiner Seele nicht zu überirdisches Unschuldweiß verblasst waren.
Zum Glück fiel mir noch gerade rechtzeitig ein, dass jetzt eine aussagekräftige Antwort von mir erwartet wurde. Sicherheitshalber hatte ich alles zuvor gepaukt bis zum Umfallen und trotz meiner fast brechenden Stimme setzte ich zum (Pseudo-)Bekenntnis an:
„Ich habe mich dreimal mit meinem Bruder gezankt, ich hab zweimal gelogen und meine Eltern anderthalb Male geärgert ...“
Ich muss sehr überzeugend vorgetragen haben, denn unser so sehr nette Kaplan erteilte mir wirklich die Absolution und ich schwebte geradezu, mich federleicht fühlend, aus dem Beichtstuhl und nachhause.
Heute, 64 Jahre später, denke ich:
´Er hat sich insgeheim garantiert köstlich amüsiert!`