Bilderraub Teil 2
Von
Feierabend-Mitglied
Freitag 08.05.2026, 22:12
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
Feierabend-Mitglied
Freitag 08.05.2026, 22:12
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Später bekam ich von ihm einen etwas verwaschenen Anruf.
"Schätzchen, Schääätzchen, meine Süße. Ich bin`s. Mach dir keine Sorgen."
Mir schwante nichts Gutes. Ich fragte ihn: „Wo bist du?“
„Ich bin im Polizeipräsidium. Is aber echt nich schlimm.“
„Was machst du da?“
„Oh, oh, das ist eine längere Geschichte. Erzähle ich dir, wenn ich zu Hause bin. Die nehmen mir gerade Blut ab. Ich komme mit dem Taxi und dann müssen wir noch mein Auto abholen. Du musst fahren.“
Ich seufzte tief. Mir wurde klar, dass da viel Alkohol im Spiel gewesen sein musste und schwere Konsequenzen zu befürchten waren. Nach etwas längerer Zeit kam er mit dem Taxi, stieg aus und warf sich mir an den Hals. Er war völlig zerknirscht und hatte seinen Dackelblick drauf, der mich weichstimmen sollte. Ich machte ihm keine Vorwürfe.
„Schääätzchen, so schön dich zu sehen“, nuschelte er.
Dann fuhren wir mit dem Taxi zu seinem Auto. Dort drückte er mir widerstrebend seinen Schlüsselbund in die Hand und ermahnte mich: „Schätzchen, du weißt schon, dass du mit meinem BMW 5er anders, also konzentrierter fahren musst als mit deinem kleinen schäbigen Golf.“
Das war der Gipfel und schlug dem Fass den Boden aus! Mein Golf war noch fast neu und ein tolles Auto. Und seine größte Sorge war, dass ich seinen heißgeliebten BMW an die Wand fahren könnte.
Fazit: Saftige Geldstrafe, neun Monate Führerscheinentzug, Idiotentest, jede Menge weitere Kosten. Und das alles für seinen „heldenhaften“ Einsatz für die hohe Kunst der Malerei. Eddy vertrat seine Sache vor Gericht und, ich glaube mich erinnern zu können, dass es ihm gelang, den Führerscheinentzug zeitlich etwas abzukürzen.
Aber die wahre Strafe folgte erst noch. Für uns beide. Wenn ich gezwungenermaßen manchmal sein Auto fuhr, trieb er mich mit seinen unberechtigten Ermahnungen in den Wahnsinn, weil ich nicht so fuhr, wie er meinte, dass ich fahren sollte. Meine zügig unbekümmerte Fahrweise verursachte ihm Höllenqualen. Angespannt saß er neben mir, auf dem verhassten Beifahrersitz, die rechte Hand verkrampft am oberen Haltegriff, als säße er im Aufzug zum Schafott. Anstatt mir zu gratulieren, dass ich sein Auto vollkommen im Griff hatte, fürchtete er als Beifahrer um sein Leben. Es war eine harte Zeit und wir schrammten nur haarscharf an einer Scheidung vorbei.
Schließlich, nach Monaten schaffte es mein Mann mit der ihm eigenen eisernen Beharrlichkeit, den langwierigen und mit vielen Fallstricken gespickten Idiotentest zu bestehen und bekam seinen Führerschein zurück. Das feierten wir ausgiebig. Für die Fahrt zum Lokal nahmen wir ein Taxi.
Soweit zu den dramatischen Auswirkungen auf der Suche nach dem verschollenen Bild „Nebelschwaden“ des berühmten deutschen Malers Caspar David Friedrich