Das gute Kaffeegeschirr hat genug
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Feierabend-Mitglied
heute, 08:03
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Das gute Kaffeegeschirr wurde seit Jahren wie ein Museumsstück behandelt. Oben im Schrank, hinter Glas, unberührt — als wäre es ein nationaler Schatz und nicht einfach Porzellan mit Goldrand.
Heute aber wurde es hervorgeholt. Und sofort begann die Empörung.
Die Kaffeekanne, die sich für eine Art Aristokratie hielt, räusperte sich:
„Aha. Besuch. Natürlich wieder dieselben Leute, die meinen, ich sei ein Gebrauchsgegenstand. Ich bin Kultur, meine Damen und Herren. Kultur!“
Die Tassen klirrten zustimmend.
Der Kuchenteller, der sich für die feine Gesellschaft hielt, schnappte nach Luft:
„Was ist das? Ein Marmorkuchen? Wie ordinär. Ich wurde einst für Schwarzwälder Kirschtorte geschaffen — und jetzt werde ich mit diesem trockenen Provinzgebäck beleidigt.“
Der Tortenteller war noch empörter:
„Und diese Sahnetorte! Viel zu schwer. Ich bin doch kein Schwerlastregal. Wenn das so weitergeht, bricht mein Goldrand aus Solidarität.“
Die Kekstellerin schüttelte sich:
„Kekse! Diese bröselnden, ungehobelten kleinen Dinger. Ich war mal ein Symbol für feine Nachmittage. Jetzt bin ich ein Auffangbecken für Krümel.“
Die Zuckerdose, die sich für die Stimme der Vernunft hielt, mischte sich ein:
„Ihr habt alle keine Ahnung. Der wahre Skandal ist der Besuch. Die eine stellt mich immer schief hin, der andere nimmt Zucker mit dem Löffel, als würde er Kohle schaufeln. Ich bin traumatisiert.“
Die Kaffeekanne nickte würdevoll:
„Früher hatte man noch Stil. Man trank Kaffee mit Haltung. Heute wird geschlürft. Geschlürft! Ich sage euch: Die Gesellschaft ist im Niedergang.“
Doch dann passierte etwas Unerwartetes.
Der Besuch lachte. Herzlich, warm, laut. Der Duft von Kaffee füllte den Raum. Die Torte wurde gelobt, die Kekse verschwanden, der Kuchen wurde gefeiert.
Das Geschirr verstummte.
Die Kaffeekanne senkte den Deckel:
„Na gut… vielleicht ist es doch nicht so schlimm, wenn man ab und zu gebraucht wird.“
Die Tassen nickten. Der Kuchenteller seufzte. Die Kekstellerin war bereits wieder voller Krümel.
Und das gute Kaffeegeschirr dachte zum ersten Mal:
„Vielleicht ist das Leben außerhalb des Schranks doch ganz erträglich.“