Das Internet und ich
Von
optik
Dienstag 15.10.2024, 22:18
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optik
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„Mutti, was hältst Du von einem Internet-Anschluss“, mit dieser Frage konfrontierte mich vor Jahren mein Sohn. Ich hatte mich gerade aus dem Arbeitsleben verabschiedet und steckte voller neuer Pläne. Zu jenem Zeitpunkt war mir alles Neue, was die Technik betraf, vollkommen suspekt. Ich hatte regelrechte Bedienungsängste und es kostete mich einiges an Überwindung mich endlich für den Gebrauch eines Handy zu entschließen. Als ich es dann hatte, wurde es zwar mitgenommen, aber fast nie benutzt! Damals verstand ich auch die Menschen nicht, die an der Kasse im Supermarkt mit einer Kreditkarte zahlten.
Es änderte sich dann doch rasch. Heute nutze ich diese Dinge und möchte auch nicht mehr darauf verzichten .
Nun ja! Mein Sohn hegte wohl damals einen Hintergedanken.
Er wollte ausziehen und es mir - quasi schonend beibringen. Sein Gedanke, „wenn Mutter beschäftigt ist, wird sie nicht lange fragen. Dann ist sie von der Technik voll in Anspruch genommen“! Großzügig bot er mir an, seinen Anschluss noch ein Jahr kostenfrei zu nutzen.
Die Art wie er es mit schmackhaft machte, kam mir damals wie ein großzügiges Angebot vor, denn er überließ mir nicht nur „seinen Anschluss“.
Eine Vielzahl von unbedingt notwenigen Möglichkeiten, wie eine Flatrate, Skype, ICQ und, und, und. „Du kannst Strickmuster und Kochrezepte finden. Du brauchst nicht mal mehr ein Lexikon“. Es hörte sich verlockend an.
All diese neuen Begriffe hatte ich zwar schon gehört, doch bislang reichte mir das altbewährte vollkommen aus. Um mir die neue Technik noch schmackhafter zu machen, bekam ich auch noch seinen ausgedienten und für ihn viel zu langsam gewordenen Laptop und: „Mutti, damit kannst du jedes Programm in der Küche, im Garten und sogar in der Laube empfangen“, erklärte er mir.
Eins-, fix, drei ließen sich die Anschlüsse aus seinem ehemaligen Zimmer in meinen Hobbybereich installieren. Meine gute alte Nähmaschine musste für einen größeren Drucker weichen, kurzum: ich war plötzlich und unvermittelt mit der neuesten Technik verkabelt.
Ach ja und in den ersten Tagen dieser „freundlichen Übernahme“ hatte mein Sohn auch noch Zeit, um mich mit den ersten Kenntnissen vertraut zu machen. Er saß vor dem Gerät, rubbe-die-dupp sprangen seine Finger auf der Tastatur herum. Ich war beeindruckt von den Suchergebnissen, was man im Internet alles finden konnte, überhaupt was es zu bieten hatte. „Du musst dies und das beachten, mit diesem „Link“ kommste hier hin, und vor allem merke dir alle Passworte, Nicknamen und so weiter, und so weiter“.
Dann zog er aus. Ich saß mit meinem Talent vor dem Laptop und drückte die Schalter und Tasten, so wie ich es behalten hatte und nach wenigen Minuten blickte ich in und auf ein schwarzes Etwas!
Trotz aller Vorsicht, trotz aller ruhigen Überlegungen, und ach wie oft war ich ratlos, denn …nichts ging mehr! Ja, ich war oft der Verzweiflung nahe und es ärgerte mich kolossal.
Jedes Mal wenn mein Sohn kam, musste ich ihn um Hilfe bitten, musste fragen, betteln und bei ihm klappte es einwandfrei. Obwohl ich mir vieles aufschrieb, …kaum war er weg, ich schaltete ein, und plötzlich … war der Bildschirm leer.
Eines Tages fasste ich mir ein Herz, packte Laptop und alles was dazugehörte in die Tasche und fuhr in die Stadt.. Ich hatte von einer Seniorengruppe gehört. Der Gedanke. Senioren helfen Senioren. In einer ehemaligen Schule entstand ein Begegnungshaus in dem viele Gruppen ein Domizil fanden. In meinem Falle wandte ich mich an die Computergruppe.
In einer ruhigen Atmosphäre erlernte ich an einigen Vormittagen und wie es nötig war meine ersten fundierten Kenntnisse im Umgang mit der Datentechnik. Ich verlor die Angst vor dem schwarzen Bildschirm und empfand es als einen wahren Glücksgriff –jetzt wirklich das Internet in seiner vielfältiger Art nutzen zu können.
Das ist jetzt etliche Jahre her. Es vergeht wohl kaum ein Tag, an dem ich nicht –eine, oft sind es jedoch mehrere Stunden an meinem PC sitze.
Dank des Internets, entwickelten sich umfangreiche Verbindungen mit erfrischenden, freundschaftlichen Menschen. Ich erhalte Informationen und Nachrichten aus aller Welt. Innerhalb einer Seniorengruppe entstanden neue Bekanntschaften.
Es entwickelte sich ein reger Austausch von Interessen, Hobbys und Freizeitbegegnungen. Es sind teils unverhoffte Telefonate, auch gegenseitige Besuche oder nur kameradschaftliche Treffen und Begegnungen.
Heute bin ich dankbar, dass es so etwas wie das Internet gibt.