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Das Land, das aus Sträflingen Helden machte

Von Feierabend-Mitglied Dienstag 01.04.2025, 12:01 – geändert Dienstag 01.04.2025, 12:17


Als die ersten britischen Sträflinge 1788 in Australien ankamen, hatten sie wohl kaum eine Ahnung, dass sie die Grundsteine für eines der wohlhabendsten und lebenswertesten Länder der Welt legen würden. Sie waren keine Stadtplaner, keine Philosophen, keine Visionäre – sie waren Diebe, Fälscher und Gelegenheitsganoven, die vor allem eines gemeinsam hatten: den Hang dazu, erwischt zu werden.

Und dennoch: Aus einer Ansammlung von unfreiwilligen Siedlern, die am anderen Ende der Welt ausgesetzt wurden, ist eine Nation mit über 25 Millionen Menschen geworden. Man könnte sagen, dass sich die Sträflinge besonders erfolgreich vermehrt haben. Vielleicht hat das raue Klima die Fortpflanzungsfreude gesteigert, vielleicht war es aber auch einfach der Mangel an Alternativen. Egal wie, Australien hat es geschafft.

Dabei war der Start alles andere als glorreich. Ein Land voller giftiger Tiere, brütender Hitze und einer einheimischen Bevölkerung, die mit den neuen "Gästen" wenig anfangen konnte. Doch was machen die Australier? Sie nehmen alles mit einer großzügigen Portion Humor. Spinnen so groß wie ein Handteller? "Ach, die sind harmlos." Eine Sonne, die jeden unvorbereiteten Europäer binnen zehn Minuten grillt? "Ein bisschen Sonnenschutz, kein Problem!" Haie, Schlangen, Krokodile? "Solange du schneller bist als dein Kumpel, brauchst du dir keine Sorgen zu machen!"

Doch was Australien wirklich von anderen Nationen unterscheidet, ist seine relative Gelassenheit. Während in Deutschland und den USA die Gesellschaft immer weiter auseinanderbricht und sich politische Debatten zu handfesten Kulturkriegen entwickeln, trinkt der Australier in aller Ruhe sein Bier und fragt sich, warum sich alle so aufregen. Hier wird zwar auch gestritten, aber oft nur bis zum nächsten Barbecue, bei dem sich sowieso wieder alle vertragen.

Vielleicht liegt es daran, dass Australier von Anfang an keine Zeit für Ideologie hatten. Wer überleben wollte, musste praktisch denken. Debatten über Sozialismus oder Kapitalismus verlieren an Bedeutung, wenn ein giftiger Taipan durch dein Wohnzimmer kriecht. Da heißt es nicht diskutieren, sondern handeln. Diese Mentalität hat sich bis heute gehalten: Probleme werden pragmatisch gelöst, und wer meckert, bekommt den Ratschlag, sich "nicht so anzustellen".

Australien ist also vielleicht nicht das Land, das sich die britischen Kolonialherren einst vorgestellt hatten, aber es ist ein Land geworden, auf das die einstigen Sträflinge heute wohl ziemlich stolz wären. Eine Nation, die aus dem, was sie hatte, das Beste gemacht hat – und dabei nie ihren Sinn für Humor verloren hat.

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