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Der Bilderraub –Teil 1

Von Feierabend-Mitglied Freitag 08.05.2026, 22:09

Vor Kurzem las ich eine Biografie von Florian Illies über Caspar David Friedrich, den berühmtesten deutschen Maler der Romantik. Als ich bei Seite 200 angekommen war, befiel mich plötzlich ein Deja-vu Gefühl. Der Autor schilderte dort den Raub eines der wertvollsten Bilder von Caspar David Friedrichs aus einer Ausstellung der bekannten Kunsthalle „Schirn“ in Frankfurt im Jahre 1994. Zusammen mit dem Bild des deutschen Malers raubten die Ganoven auch zwei Bilder des noch berühmteren englischen Malers William Turner. Ein spektakulärer Millionenraub mit einem damaligen Versicherungswert von 62 Mio. Mark.
Und dann erinnerte ich mich daran, dass es dem bekannten Frankfurter Strafverteidiger, Edgar L’s, einem der besten Freunde meines Mannes, gelang, diese wertvollen Kunstwerke im Laufe mehrerer Jahre unter abenteuerlichen Umständen von der damals sogenannten "jugoslawischen Mafia" wiederzubeschaffen. Die Frankfurter Polizei wusste von seinen guten Kontakten zu diesen Kreisen. Eddy, wie seine Freunde ihn nannten, war bei den Gesetzeshütern allerdings nicht sehr beliebt. Sehr zum Missfallen der Ordnungskräfte schaffte er es immer wieder mit einer raffinierten Verteidigungsstrategie die größten Verbrecher seiner einschlägigen Klientel herauszupauken. Andererseits kursierte aber auch folgendes Gerücht: sollte einer der Justizbeamten wegen Verletzung eines Gesetzes in die Bredouille kommen, dann sollte man sich unbedingt von Edgar L`s verteidigen lassen, weil mit ihm eine größere Chance auf Freispruch oder mildernde Umstände bestünde.
Bei einem dieser Ausflüge ins Milieu hatte mein Mann seinen Freund Eddy begleitet. Ich habe keine Ahnung, ob dieser Abend, an dem sich mehrere Typen mit Eddy und meinem Mann auf einem verwahrlosten Gelände in einem erbärmlichen Bauwagen trafen, um dort Gulasch aus ungewaschenen Tellern zu essen, das vorher stundenlang in einem nicht sehr hygienisch aussehenden riesigen Pott über offenem Feuer geschmurgelt hatte, nicht doch in das Reich der Märchen und Mythen einzuordnen wäre. Jedenfalls gab es mir zu denken, als ich von meinem Mann hörte, dass die Jungs angeblich nur solches Fleisch für Gulasch verwendeten, das vorher über mehrere Tage unter dem Sattel eines Reiters mürbe geritten worden war.
Wahr ist sicher, dass der Sliwowitz in Strömen geflossen sein muss. Er hätte sich unmöglich dem Gruppenzwang entziehen können, sagte mein Mann entschuldigend zu mir. Jedenfalls war sein Freund Eddy nach Abschluss des nächtlichen Gelages clever genug mit dem Taxi nach Hause zu fahren. Mein Mann, der nicht ahnte, was der Abend für ihn noch bereithalten sollte, hatte sein Auto irgendwo in Frankfurt geparkt und weil er am nächsten Tag damit zur Arbeit fahren musste, stieg er mit reichlich Promille in sein Gefährt und fuhr nach Hause. Das ging auch solange gut, bis er in den Frankfurter Vorort kam, wo wir wohnen. Dort hätte er noch die Chance gehabt, einen Schleichweg am Wald entlang zunehmen. Das hat er leider nicht getan. Er fuhr auf der Hauptstraße, wo zeitgleich unglücklicherweise noch eine Polizeistreife ihre letzte Runde drehte. Die hat ihn schließlich, als er in völliger Überschätzung seiner Fahrtüchtigkeit in Schlangenlinien durch den Ort mäanderte, kurz nach Mitternacht aus dem Verkehr gezogen.

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