Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

4 5

Doktor Dralle ließ grüßen - Teil 2

Von optik Samstag 10.08.2024, 10:49

In der von Grachten durchzogenen Umgebung erhofften die Buben endlich eine Möglichkeit um Angeln. Im Garten wurde nach Regenwürmern gebuddelt und abends zogen wir mit Eimern und Angelruten los. Allerdings hatten die Kinder keine Ausdauer und die nötige Ruhe fehlte gänzlich. „Sind hier überhaupt Fische drin? Da beißt ja keiner an“, murrten sie. Für den nächsten Abend suchten wir eine andere Stelle und siehe da, dort saßen schon einige Petrijünger. Sie erklärten uns, es mit Kartoffelstückchen als Köder zu versuchen, um uns -an der Küste, ein angemessenes Abendessen an Land ziehen zu können, eben einen frischen Fisch! Dem Rat folgend,-marschierten wir wieder zurück zum Haus um das richtige Equickment zu holen. Aber scheinbar hatten wir unsere holländischen Landsleute nicht verstanden oder die falsche Materie angewandt, außer einem alten verrotteten Schuh und einem zerfledderten Regenschirm hing bei unseren Angelunternehmungen nichts am Haken. Nicht weiter schlimm, frische Fiche gab es an jeder Ecke zu kaufen
Soweit so gut.
Irgendwann fielen uns aber in unserem Feriendomizil auch arg lustige und seltsame Dinge auf. In England wurde in jenen Tagen die Fußball-Europameisterschaft ausgetragen. An einem Nachmittag wollten wir das Spiel von Berti Vogt Jungs, unserer Nationalmannschaft sehen und wir bekamen kein Bild. Frage: „Wo ist hier eine Antenne? Antwort: „Dem Kabel nach irgendwo im Garten“ und dann sahen wir in all dem Gestrüpp einen Eimer, worin an einer „einzementierten“ Metallstange die Satelitenschüssel hing.
Schon nach wenigen Tagen nannten wir den Eigentümer des Hauses, jenen netten Herrn nur noch Doktor Dralle. Wir kombinierten und Schluss folgerten, als ehemaliger, jetzt im Ruhestand befindlicher Zahnarzt hatte er sicher noch einige Restbestände an Amalgan gehabt, die er in den Eimern, wie bei der Satelitenschüssel, für die Wäscheleinen im Garten oder einigen anderen Dingen genutzt hatte. Des Weiteren wurde alles, was kaputt ging, mit Klebeband repariert.. Um die Satelitenschüssel richtig auszurichten war die Stange mit, inzwischen brüchig gewordenem Klebeband zusätzlich an einem Baumstamm „geheftet“.
Als wir die Gardinen vor den Fenstern, wegen der Sonneneinstrahlung zuziehen wollten, sahen wir eine seltsame Reparaturweise. Nun ja! Das Haus war lange Zeit nicht mehr genutzt worden, so hatte es uns ja Doktor Dralle gesagt und im Laufe der Jahre war der Stoff schon porös geworden. Er bröselte in den Händen „dahin“. Alle inzwischen aufgetretenen Risse wurden mit langen Streifen von Klebeband zusammen gehalten. So nach und nach erblickten wir immer mehr derartig ausgeführte Reparaturen.
Gesprungene Fensterscheiben, sich ablösende Tapeten, Risse im Bodenbelag oder Möbelpolsterungen und vieles, vieles mehr, ließ sich mit durchsichtigem Klebeband wunderbar wieder instand setzen. Unsere Ferien waren spannend, weil wir jeden Tag neue Überraschungen erlebten.
Als eine besondere Attraktion hatte uns Doktor Dralle seinen offenen Kamin im Wohnzimmer angepriesen, auf dem wir auch jederzeit grillen könnten. Holzkohle fanden wir in der Abstellkammer und so brachten wir uns auf einer unserer Fiedstouren deftiges Grillgut mit. Es war ein kühler Nachmittag. Alle freuten sich auf ein opulentes Mahl am wärmenden Kamin. Holz und Pappe wurden in den zuvor gereinigten Kamin gestapelt, ein Zündholz dran und?
Nach und nach verwandelte sich nicht nur das Wohnzimmer , nein das gesamte Haus in eine wahre Räucherkammer. Trotz der kühlen Abendstimmung mussten wir alle Fenster öffnen. Die enorme Rauchentwicklung breitete sich bis in unsere Dachetage aus. „Was ist mit dem Abzug los? Der scheint total verstopft zu sein“, kamen erklärende Worte. „Lasst uns mal den Kamin erforschen“. Erwartungsvoll stiegen wir nach oben und klopften die Wände im Bereich des Kaminzuges ab. „Hier ist eine Klappe“, ertönte unterm Dach eine Stimme, „hier kann man mal stochern. Bringt mal einen langen Stock hoch“. Mit einem langen Stecken stocherten die Jungs in der Reinigungsklappe für den Kaminfeger rum und auf unserem Grill unten landete eine halbverweste Elster. Sie war wohl irgendwann mal in den Kamin gerutscht und hatte dort ihr Leben ausgehaucht.
Uns war der Sinn für einen gemütlichen Grillabend vergangen.
Erkundungstouren durch die Abstellkammer oder den Holzschuppen gehörten zum täglichen Repertoire der Ferientage. Freudestrahlend kamen unsere Buben eines Tages angerannt. „Wir werfen jetzt Wasserbomben“ jubelten sie. Womit fragten wir erstaunt, „na mit den bunten Luftballons. Wir haben jede Menge davon gefunden“. Die Luftballons entpuppten sich als „Verhüterli“ und Onkel Franz meinte verschmitzt „Guck an! Bunt und sogar mit Noppen. Damit wollte sich Doktor Dralle bestimmt noch ein paar schöne Augenblicke gönnen“.


Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Doktor Dralle ließ grüßen - Teil 2