Ein Gang durch den kalten Morgen
Von
billyblue
Mittwoch 27.11.2024, 22:59
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billyblue
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Ein dunkler Dezembermorgen, kurz vor Weihnachten, 5 Uhr in der Früh. Mein Herz fühlt sich kalt wie ein Stein an. Es ist einfach nur kalt, eine richtige Threedognight. Es schneit. Der geschmolzene Schnee perlt langsam mein Gesicht hinab. Regen oder Tränen? Egal, es kommt auf das gleiche Ergebnis raus. Wo ist da der Unterschied? In mir ist eine große Leere. Wie ein Zombie gehe ich durch die einsamen Straßen. Plötzlich ein Lichtschein, eine Gaststätte hat schon geöffnet. Durchfroren wie ich bin, gehe ich hinein, setze mich in die Ecke. Der Raum liegt im Halbdunkel und ist rauchgeschwängert. Das Personal besteht aus einer älteren Frau, die langsam auf mich zu schlurft. Ich bestelle einen Kaffee. Er kommt bald und ich wärme mir die Hände an dem Pott. Langsam nehme ich einen Schluck. Er läuft heiß die Kehle hinunter. Er schmeckt nicht besonders, wärmt aber den Magen.
Ich schau mich um. Über den ganzen Raum verteilt sitzen Menschen allein am Tisch und schweigen vor sich hin. Keiner rührt sich. Still starren sie Löcher in die Luft. Sie sehen müde und abgearbeitet aus. Vielleicht kommen sie von der Schicht und sind nur erschöpft? Es herrscht eine ungewöhnliche Stille.
Plötzlich eine Kinderstimme. In der Ecke vor mir bisher verborgen, sitzt eine verhärmte Frau mit einem kleinen Mädchen. Eigentlich sollte das schon lange im Bett liegen. Es plappert leise vor sich hin. Die Mutter versucht es zum Schweigen zu bringen, vergebens. Das Kind summt leise und wird lauter. Langsam kann ich ein paar Worte des Singsangs verstehen. Stille Nacht, heilige Nacht, kann ich erkennen. Die Stimme wird lauter. Langsam fallen die Ersten ein, dann die Nächsten bis alle mitsingen. Die Stimmung ist plötzlich eine völlig andere, sie ist ins positive umgeschlagen. Ein Sonnenstrahl hat den Raum erhellt. Irgendwie scheint der Bann gebrochen zu sein. Die Leute reden wieder mit einander. Silence ist eben nicht immer golden.