Eine so schöne Erinnerung
Von
tastifix
Montag 10.02.2025, 17:44 – geändert Montag 10.02.2025, 19:14
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tastifix
Montag 10.02.2025, 17:44 – geändert Montag 10.02.2025, 19:14
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Er hatte mich kritisch durch die Gitterstäbe gemmustert und sich mit einem hellen Piep und einem schelmischen Blick einverstanden erklärt. Der kleine Kerl eroberte mein Herz im Sturm und wurde bereits nach wenigen Tagen handzahm, setzte sich auf meinen Finger und ich durfte ein tolles Konzert genießen. War die Darbietung zuende, schaute er mich an, als ob er sagen wollte:
„Bin doch ein toller Sänger, ja?“
Und er überraschte mich immer wieder aufs Neue. Rief ich Hänschen, den kleinen Kanarienvogel, verließ er selbst seinen Liblingsaussichtsplatz, den Kronleuchter im Wohnzimmer, flog auf meine Schulter und knabberte zärtlich an den Haaren. Ich hatte einen Charmeur erwischt. Kehrte ich aus der Schule heim, flog er mir freudezwitschernd entgegen. Lag ich krank zu Bett, setzte er sich auf den als Raumteiler dienenden Kinderschrank und sah mich unverwandt an. Ab und an jedoch landete er auf der Decke, trippelte bis zu meinem Gesicht und ließ sich dort nieder.
„Ob er spürt, dass es mir nicht gut geht?“
Wahrscheinlich nur ein sentimentaler Gedanke, aber es tröstete.
Unsere Freundschaft wurde ständig inniger und ich konnte ihm viel beibringen. Wir kämpften um frische Salatblätter, Hänschen gab sich nicht schnell geschlagen, hielt es eisern fest, derweil ich wütende Blicke erntete und lautstark ausgeschimpft wurde. Klar überließ ich es ihm dann, denn die Siegeschancen waren ja doch erheblich unfair verteilt. Sofort saß dort vor mir wieder mein kleiner verschmuster Freund.
Oder er hockte sich auf die Hand, wenn ich die Hausaufgaben schrieb und schien zu begutachten, ob wohl alles richtig war. Wurde es ihm zu langweilig, hüpfte er auf das Heft und trippelte so lange darauf hin und her, bis ich die Arbeit unterbrach und wir seiner zweiten Lieblingsbeschäftigung nachgingen. Der Käfig, den er fast nur als Ess-und Schlafzimmer nutzte, hing an einer Stange und hatte ein ausladendes Dach, zwischen dessen Stäbe ich die Beine eines Stoffzebras kleemmte. Sofort hockte er sich auf dessen Rücken und genoss es sichtlich, dann die Runden drehen zu dürfen. Kam über ihm der Stangenbogen zu nahe, duckte er sich kurz und thronte dann wie zuvor stolz auf seinem Reittier. Ich hätte stundenlang so mit ihm spielen können.
Dann aber passierte an einem Hochsommertag etwas Schreckliches. Wie fast immer flog Hänschen in der großen Wohnug herum und so auch in das geschlossene breite Balkonzimmer, in dem ewegen der Hitze eines der sechs Fenster offenstand. Klar entdeckte Hänschen dies sofort und nutzte den Weg in die Freiheit des angrenzenden Parks. Wie gelähmt stand ich dort und schaute entsetzt hinterher.
„Ich seh ihn nie wieder! Und was wird jetzt aus ihm? Der ists doch nicht gewöhnt, sich sein Futter selber zu suchen und andere Vögel akzeptieren ihn sicherlich nicht, weil er ja ganz anders ausschaut als sie! Und deren Stimmein kann er auch nicht nachmachen wie Wellensittiche es können!“
Mir kamen die Tränen.
„Er wird verhungern!!“
Plötzlich war mir alles egal. Egal, was die Eltern sagen und genauso egal, wie die Nachbarn reagieren würden. Sollten sie doch nachsichtig über mich lächeln! Ich wollte meinen kleinen Freund zurück, es wenigistens versuchen, selbst wenn es nur die Erleichterung bringen sollte, den Schmerz und die Sorge um Hänschen hinaus zu rufen in die für ihn feindliche Welt. Trotz der erschrockenen Blicke meiner Eltern lehnte ich mich aus dem Fenster und rief. Nein, ich schrie eher, so laut ich konnte.
„Hänschen, komm zurück! Hänschen … !“
Ich weiß nicht, wie lange ich so gerufen habe. Ich erinnere mich nur noch daran, dass meine Eltern vor hatten, das Fenster zu schließen.
„Kind, es bringt doch nichts!“
Aber ich gab nicht auf, rief weiter und schaute sehnsüchtig zu den Bäumen.
„Sollte er noch in der Nähe sein, dann ..“
Auf einmal vewrnahm ich ein Flattern direkt über mir. Mein Herz jagte. Im nächsten Moment landete Hänschen am geöffneten Fenster, ich hielt ihm den Finger hin und er hüpfte darauf. Meine Eltern konnten es kaum fassen. Der kleine Kerl hatte mich anscheinend genauso vermisst wie ich ihn. Ich war überglücklich.