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Einkäsehoch

Von tastifix Dienstag 20.05.2025, 07:55 – geändert Dienstag 20.05.2025, 18:02

Kinder zu gebären ist eher ziemlich schmerzhaft, sie zu haben dagegen toll. Doch dann den Nachwuchs Schritt für Schritt seine eigenen Wege gehen zu lassen fällt schwer, muss aber unbedingt sein. Immer seltener wird der Mini auf dem Arm herum getragen, sondern erkundet zunächst krabbelnd und dann bald mit ersten noch wackeligen Schritten den Laufstall, für dessen Hilfe als hölzerndem Babysitter die Mama äußerst dankbar ist. Oder ab und zu sogar schon an Mamas Händen den Raum.

In den nachfolgenden Monaten macht der Nachwuchs die Erfahrung, dass er, nun schon viel mobiler, die Arme noch ganz anders nutzen kann als nur dazu, sich festzuhalten. Strahlend registriert er, dass er jetzt prima an jede Menge verbotener Dinge wie überfüllte Schubläden in der Küche oder auch Schranktüren mit wertvollem Porzellan dahinter heran reicht. Öffnet solch ein Einkäsehoch die dann neugierig, hört die Mama lustiges Klappern oder gar, dann zu ihrem wahrlichen Entzücken, öfters ein weitaus weniger amüsantes Scheppern, welches davon zeugt, dass sie ab jener Minute statt der nur sechs Gedecke nun die doppelte Anzahl besitzt. aAllerdings auch: Tassen ohne Henkel, Teller mit abgestoßenem Rand oder gar ein Scherbenpuzzle.
Das Kleine ist hellauf begeistert:
"Da, töön, da alles ´hausholt!"
Lobheischend sieht das Kleine die Mama an. Doch das ersehnte `Fein`bleibt aus. Mama ist so eigenartig still. Was soll sie auch sagen? Der Nachwuchs hat ja keine Ahnung, was da alles zu Bruch gegangen ist.
"Ochnee!!"
Im besten Fall war es wenigstens nicht Schwiegermutters Geschenk zur Hochzeit.

Schnell schnappt sie sich den kreischend protestierenden Nachwuchs, trägt das strampelnde Bündel ins Kinderzimmer und verfrachtet es erst mal ins Bett. Nicht, ohne sich zu versichern, dass Mini sich nicht etwa verletzt hat. Wegen jenes überraschenden Kleinkindgefängnisaufenthaltes brüllt das Kleine zunehmend durchdringender und unterhält so das ganze Haus. Ein Mietshaus wohlgemerkt und dies zwischen 13.00 – 15.00 Uhr, der Mittagszeit, den Stunden der Ruhepausen. Die Mitmieter schicken frustrierte oder auch ärgerlichee Blicke zur Decke. Obwohl die ja gar keine Schuld an dem Zirkus trägt. Zum gGlück geht dem wutschnaubenden Zwerg recht bald die Puste aus. Schreien macht müde. Er streckt die Waffen und schläft leise vor sich hin schluchzend ein. Wie gemein aber auch. Er hatte doch solch einen tollen Krach gemacht!

So allmählich stabilisieren sich Mamas Nerven wieder. Sie begibt sich fast frohen Herzens an die Aufräumarbeit, muss aber feststellen, dass Porzellan sehr hinterhältig ist und in ganz viele ganz winzige Splitter zerspringt. Der Spaß an der Kehrarbeit schwindet, zumal die sich gehässig in die Länge zieht.
"Keaar, bügele ich eben erst morgen!“, entscheidet sie sauer.
So wirklich unglücklich ist sie deswegen aber denn doch nicht, denn es warten mindestens zehn Blusen auf sie.

Sehr bald witrd es ihr zu mühselig, die Winzig-Scherben aus den Fliesenfugen zu sammeln. Der Staubsauger erledigt es in wenigen Minuten und sie hat eine Sorge weniger. Den Mitmietern das Saugen in der Mittagszeit zu erklären, verschiebt sie ebeenfalls auf den nächsten Tag. Zwecks Resterholung legt sie die Beine hoch, selbstverständlich nur ganz kurz, denn sie ist ja fleißig. Na ja: Diese vielgeplagte Hausfrau und Mutter folgt dagegen nach wenigen Sekunden ihrem Kind ins Traumland. Hoffentlich nur begegnet ihr dort nicht das zerdepperte Lieblingsporzellan.

Ein lautes Quieken aus dem Zimmer nebenan reißt sie aus der Ruhe. Kinder mögen anscheinend keine sich ausruhenden Mütter. Dann werden die Minis fix aktiv. Genauso auch dieses Kleine. Mama eilt hin, hebt ihren Schatz auf den Arm und knuddelt ihn.
Plötzlich aber erinnert sie sich erschrocken des Wäscheberges in der Maschine. Den muss sie schnellstens aufhängen. Sonst hfätte sie am nächsten Tag noch mehr zu bügeln.

Die Waschmaschine steht im Schlaftrakt, der durch eine Tür vom Wohn- und Essbereich abgetrennt ist. In der großen Diele vor der Tür steht die Essecke. Ein großer Holztisch mit vier Stühlen drumherum. In der Hast gedenkt die Mama kein bisschen mehr des tollen Erlebnisses vom Mittag, setzt resolut ihr Kleines in der Diele auf den Teppich, spurtet in den Arbeitsbereich und lehnt die Verbindungstür fest an. Nicht, dass der Nachwuchs sich noch durch die nasse Wäsche wühlt. Immer wieder horcht sie nach vorne. Aber aus der Diele ist nichts Verdächtiges zu hören. Mamas Herzschlag normalisiert sich. Es scheint ja alles in Ordnung zu sein. Außerdem: Gleich hat sie es ja hinter sich!
"Also ruhig Blut!

Ein paar Minuten später nimmt sie Kurs auf die vordere Diele. Das Kleine soll sich nicht erschrecken. Deshalb rift sie:
"Schahaatz, Mama kommt!"
Fröhliches Lachen ist die Antwort.
Vorsichtig lugt Mama durch den Türspalt. Prompt ist die Gelassenheit dahin, die Erholung des Kurzschlafes vergessen. Hoch auf dem Esstisch thront ihr Nachwuchs und kaut munter auf einem der roten Stoffsets herum, die Mama so schön findet. Das Stoffset trieft schin, so nass ist es. Ob selbst Stffsets weinen können?

Egal! Viel wichtiger ist ihr das Wohl des Kindes. So greift sie sich das Mini-Äffchen. Wie klar zu sehen ist, hatte es für die Kletterpartie auf den Tisch die nun quer im Raum stehenden Stühle zu Leitern erklärt. In der rechten Patschhand umklammert es immer noch das Set.
"Mein Gott! Es hätte sich die Arme, die Beine oder sogar das Genick brechen können!"
Die nachträgliche Panik macht ihr zu schaffen. Sie fühlt sich auf einmal ausgesprochen schlapp. Mit ihrem Kind auf dem Arm wankt sie ins Wohnzimmer und legt sich groggy aufs Sofa.
"Es langt. Schluß für heute!"

Wenn sie ehrlich vor sich selber ist, ist sie deswegen gar nicht so unfroh. Im Gegenteil!
Und außerdem ... Und außerdem hat sie ja jetzt eine gute Ausrede!

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