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Fernreise - Abenteuer

Von tastifix Freitag 18.07.2025, 19:21 – geändert Samstag 19.07.2025, 08:26

Wegen eines Sonderangebotes des ADAC entschlossen meine Freundin und ich uns, ein paar Tage in Italien am Gardasee zu verbringen. Pro Person sollte die Tour (Opernbesuch in der Arena von Verona inklusiv) statt weit über 300 Euro nur 199 Euro kosten. Dies galt jedoch nur für die über 50-Jährigen. Wir rechneten fix nach und befanden uns zu dieser Altersgruppe als zugehörig.

Nach telefonischer Klärung einiger organisatorischer Unklarheiten brachte uns mitten in der Nacht ein Taxi von Erkelenz nach Mönchengladbach, wo der Reisebus gegen 2 Uhr die Urlaubssüchtigen einsammelte.Todmüde verschliefen wir lange Etappen der Strecke. Nur von Zeit zu Zeit weckten uns die mit Grabesstimme verkündeten Weisheiten beziehungsweise eher Nichtweisheiten des zweiten Busfahrers, der sich als Reisebegleiter übte. Weil wir aber in der hintersten Reihe saßen, deshalb von dessen viel zu leise stockend vorgetragenden Erklärungen zu Land und Leuten denn nur ein Drittel verstanden und selbst dieses sich als relativ belanglos erwies, nickten wir sofort wieder ein.

Aber Belanglosigkeit kann urplötzlich auch grotesk und darum ausgesprochen beachtenswert werden. Wegen eines Staus wählte der Fahrer einen Umweg. Wenige Minuten später trauten wir den Ohren nicht:
„Ich weiß nicht, wo es hier weitergeht ...“, beichtete er.
Als der Schock allmählich nachließ, zumal er sich eilig über den einzuhaltenden Kurs schlau machte, konnte ich mir das Grinsen nicht mehr verkneifen:
„Gibt es ja gar nicht!“
Inzwischen war der Mann wieder guten Mutes, redete aber im unverändert verhaltenem Tonfall weiter, der bewirkte, dass die eine Hälfte der Gruppe dem Urlaub entgegen schnarchte. Die andere, noch bemüht aufmerksame Hälfte fragte dem armen Kerl vissensdurstig Löcher in den Bauch. Sie hätten es sich sparen können, denn von denen besaß er anscheinend mehrere Etagen höher schon genügend.
„Ich vermute mal, dass der Berg, den Sie links sehen, X oder auch Y heißt ...“
Daraufhin zogen wir es vor, besser sämtliche noch ausstehenden Informationen dem Reiseführer zu entnehmen.

Auf unsere Reisegruppe warteten aber noch mehr Überraschungen der besonderen Art. Jeder Mensch muss mal müssenm, erst recht auf stundenlanger Fahrt. Alle zwei bis drei Stunden hielt der Fahrer für eine Pinkelpause. Doch weil er sich auf der Ausweichstrecke ja nicht auskannte und sich auch nicht rückversichert hatte, wo wohl eine geeignete Raststätte zu finden war, versuchte er wenigstens, die mit gequälter Miene dort Hockenden zu trösten:
„Wir suchen ja nach einer ... “
Wirklich taten seine Worte Wunder. Bereits etwas entspannter lehnten sie sich zurück. Solcherlei Anmerkungen erschütterten uns Alle mittlerweie kaum mehr.

Nach einer weiteren halben Stunde entdeckte der Fahrer endlich eine Funzel-Raststätte. Für Weiblein und Männlein gab es je drei Toiletten. Damit sich die wartende 25-köpfige Weiblichkeit nicht noch in die Hose machen sollte, schickte sie der Toilettenmann kurzerhand in die Herrenabteilung. Sowohl die eintretende Damenwelt als auch die anwesenden männlichen Geschöpfe guckten ziemlich indigniert, fügten sich aber wegen der Dringlichkeit in ihr Schicksal. Handtücher übrigens lagen dort nirgends. Sowas hatten meine Freundin und ich noch nie erlebt!
 
Auf der Weiterfahrt fahndeten wir sehnsüchtig nach dem Gardasse. Die Strecke dorthin zog sich lang wie ein Gummiband mit Extra-Dehneffekt. Als wir bereits witzelten, ob wir eventuell stattdessen Modena ansteuerten, glitzerte endlich Wasser zwischen den Bäumen hindurch. Der überwältigende Anblick des Sees entschädigte tausendfach für die wahrlich überaus informative Märchenstunde zuvor. Bald erreichten wir unsere Domizil-Stadt San Zeno. Leider war dem Fahrer unklar, wie die Straße hieß, auf der das Hotel, welches etwas außerhalb lag, zu finden war. Auf der dann foigenden echt spannenden Serpentinenfahrt plumpsten wir zum Glück nicht in die Tiefe, sondern der Bus schraubte sich durch die extrem engen Kurven erfolgreich nach oben, wo uns dann der „Reisebegleiter“ sichtlich erleichtert das recht ansehnliche Hotel direkt an der Straße präsentierte. Die Gruppe quittierte es mit zufriedenem Raunen.

Das Gepäck im Schlepptau marschierten wir zur Rezeption. Jedoch gehörten wir zu den letzten zehn Ankömmlingen und bekamen zu hören:
„Unser Haus ist voll belegt. Kommen Sie mit. Ihr Hotel liegt nur 100m weiter.“
Ich vermute mal, dass italienische 100m nicht den deutschen entsprechen. Wegen der Ausquartierung sowieso schon leicht angesäuert, stapften wir dann stöhnend ungefähr 400m bergan. Kritisch musterten wir das Haus. Mit dem uns eigentlich zugedachten durften wir es wohl nicht vergleichen, auch die Terrasse war längst nicht so riesig und zudem fehlte ein Pool. Mit dem Lift fuhren wir in den ersten Stock und betraten das Zimmer. Das Bad wie auch der Schlafraum waren geräumig und blitzsauber. Der Letztere allerdings ließ uns staunen, denn dort wartete ein Doppel-Himmelbett auf uns! Was dazu wohl unsere Töchter sagen würden ... ?

Wir unternahmen schöne Ausflüge, erfreuten uns der Terrasse und ersparten uns nach reiflicher Überlegung lieber den Opernbend in der Arena von Verona, denn erstens leiden wir beide unter Höhenangst und zweitens hielt uuns die Aussicht davon ab, bei Extremhitze, eingekeilt zwischen etwa 20000 Zuschauern zu sitzen. Es erwies sich als eine überaus kluge Entscheidung ...
Anderntags beim erfuhren wir nämlich so einiges über das Mutterhotel und das,was sich an dem besagten Abend in Verona abgespielt hatte. Das Frühstücksangebot hatte aus anscheinend genau abgezählten Brotscheiben, je einer Sorte Käse wie auch Wurst bestanden und anstatt, dass auf jedem Tisch eine Kaffeekanne gestanden hätte, hatte, hatte nru eien frau ab und an den Saal mit einer solchen betreten und nachgefragt, ob jemand vielleicht noch ... Wir dagegen durften stolz erwähnen, das FGrühstücksbuffet in in unserem Haus sei hervorragend gewesen mit verschiedenen Brotsorten, vielen Käse- und Wurstsorten, Marmeladen, jederzeit verfügbaren Kaffeekannen auf jedem Tisch und sogar frisch gepresstem Orangensaft. Dies frustrierte eindeutig noch zusätzlich.

Die Opernfans schilderten dann ihren ausgestandenen Albtraum-Abend. Trotz der Hitze hatten sie erst noch eine Stadtbersichtigung mitmachen müssen und wurden, danach erschöpft endlich in der Arena angekommen, etwa 40 cm hohe schmale Steinstufen joch gescheucht. Ohne jede Rücksicht auf die, die ohnehin nicht gut laufen konnten. Ein paar Leuten war es schlecht geworden und eine Frau hatte gar hinaus getragen werden müssen. Die, die es erzählten, sahen ebenfalls so erledigt aus, als ob sie kurz davor stünden, gleichfalls in den nächsten Minuten sanitäre Hife in Anspruch nehmen zu müssen.

Wir dagegen hatten gemütlich auf der Terrasse gesessen und in Ruhe und Stille den tollen abendlichen Ausblicck auf den von zig Lichtern engerahmten Gardasees genossen.

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