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Fröhliche Weihnachten Paul Teil 2

Von billyblue Montag 02.12.2024, 21:53 – geändert Montag 02.12.2024, 22:32

Westerwald, Samstag der 24.12.2022 19:30 Uhr irgendwo in der Pampa

Plötzlich sprang ein Reh vor ihm über die Straße. Wenn eins da ist kommt meist noch das Zweite. Er bremste vorsichtig und da war auch schon das Nächste. Es blieb stehen und seine Augen leuchteten Blutrot durch die Spiegelung der Scheinwerfer. Instinktiv trat er das Bremspedal voll durch was man auf glatten Straßen nie machen sollten. Die Folge war ein nicht mehr zu steuerndes Schleudern. Die Straße war glatt wie Schmierseife, das Kfz nicht mehr zu halten. Er spürte noch, dass das Tier auf den Kühler prallte und in hohem Bogen über ihm hinweg flog. Es gab es einen Schlag auf die linke Seite, der Pkw wurde nach rechts gedrängt, dann machte ein Baum der Rutschpartie ein Ende. Plötzlich herrschte Stille, nur unterbrochen durch das Zischen des defekten Kühlers.
Als er wieder zu sich kam, hatte er große Schmerzen. Der Sicherheitsgurt, ein älteres Semester, hatte nicht eingerastet. Er war mit dem Kopf gegen das Fenster der Fahrertür geknallt, dann voll mit dem Brustkorb auf das Lenkrad geprallt. Er trat die etwas verklemmte Tür auf und sah sich den Schaden von außen an. Von hinten war der Pkw noch völlig neu nur vorne hatte sich die Motorhaube um den Baum „geschmiegt“. Er musste sich setzen, da ihm die Beine den Dienst versagten. Sein Knie fing an zu schwellen und jeder Schritt war eine Qual. Damit hatte sich der weitere Fußmarsch erledigt. Er setzte sich wieder in den Wagen. Er musste sich auch noch das Knie irgendwo ziemlich angestoßen haben. Zum Glück war nichts gebrochen. Wozu hatte er ein Handy? Mist, kein Empfang. Lt. der Netzagentur sollte der Handyempfang in über 90 % der Republik möglich sein. Paul hatte in seinem Unglück natürlich die anderen 10 % erwischt. Heute am Heiligen Abend war wohl auch nicht mit Verkehr zu rechnen. Die Situation war, er hatte so richtig in die Scheiße gegriffen. Was machen? Eigentlich nichts, nur warten. Er hatte zwei Notfalldecken dabei, in diese wickelte er sich ein. Viel nützte es nicht, es war hundekalt. Wenigstens ging das Radio noch. Als erstes kam das Lied, welches lt. den Programmmachern nicht zu dieser Jahreszeit fehlen durfte „Last Christmas von Wham“ Dabei handelt es vom Abschied von seiner Freundin. Man nimmt einen Song, legt noch ein paar Glöckchen drunter und schon hat man einen Weihnachtssong, der jahrelang Tantieme bringt. Solche blöden Gedanken kamen ihm in den Sinn. Langsam fror er gewaltig. Er hatte nur noch das Bedürfnis zu schlafen. Soviel wusste er noch, nicht einschlafen. Gewaltsam riss er die Augen auf und traute diesen nicht. Vor ihm brannte ein Feuer auf dem das Reh, welches den Unfall verursacht hatte, sich an einem Spieß drehte. An einem Tisch saßen Weihnachtsmänner, so wie sie die Coca Cola Werbung erfunden hat. Sie hatten Becher mit Glühwein in der Hand und tanzten nach Liedern der Beach Boys, Surfin‘ USA, fun, fun, fun und Summerfeeling. Einer der Männer kam mit einem Becher auf ihn zu und reichte ihm diesen durch das geschlossene Fenster in den Wagen rein. Der Duft war einfach nur köstlich.
Doch halt, irgendetwas konnte nicht stimmen. Diese Szene war doch vollkommen irreal. Langsam konnte er wieder denken. Es muss alles eine Halluzination gewesen sein. Das Radio war mittlerweile mangels Stroms ausgegangen und es war stockdunkel. Die Batterie war leer. Langsam verfiel er wieder einen Dämmerzustand. Plötzlich sprach in seine Schwester vom Beifahrersitz an. „Paul, was ist los? Du wirst doch jetzt nicht schlapp machen? Vier Jahre haben deine Eltern und ich dich nicht mehr gesehen. So kurz vor dem Ziel willst du doch nicht schlapp machen? Schäm dich, das kannst du deiner Mutter nicht antun.“ Seine Stimmbänder waren wohl eingefroren, er konnte nur noch stammeln: „Nein, das werde ich nicht. Bald werde ich bei euch unter dem Weihnachtsbaum sitzen und alles wird gut sein.“ Dann war diese Wahrnehmung auch schon wieder weggewischt. Es war so kalt und sein letzter Lebenswille war langsam am Erlöschen. „Nein ich darf nicht aufgeben, ich habe es doch versprochen.“
Langsam driftete er wieder ab. Diesmal konnte er die Gedanken nicht fassen, alles drehte sich und es wurde heiß. Am liebsten hätte er sich die Kleider vom Leib gerissen, anders konnte das Klima in der Hölle nicht sein. Seine letzten bewussten Erinnerungen waren, dass Menschen, die kurz vor dem Erfrieren sind, Hitzeattacken haben.
Irgendwann hörte er noch ganz schwach wie aus weiter Entfernung: „Da liegt er ja, mein Gott, ist er tot?

Krankenhaus Sonntag, der 25.12.2022 um 14 Uhr

Er öffnete die Augen. Wo bin ich hier? Er lag in einem Bett, hatte Kabel am Körper und war furchtbar müde. Dann schwand sein Bewusstsein wieder. Irgendwann kam er dann für längere Zeit zu sich. Am Bett saß seine Mutter. „Er ist aufgewacht“ rief sie. Plötzlich stand auch sein Vater und seine Schwester vor ihm. „Junge, was machst du nur für Sachen? Es ist doch Weihnachten und bald hätten wir dich an diesem Familienfest verloren.‘‘ Langsam dämmerte ihm welches Glück er gehabt hatte. Nachdem er überfällig und nicht zu erreichen war, hatte sich sein Vater auf die Suche gemacht. Nach 10 Minuten hatte er das Wrack gesehen und seinen Sohn steif gefroren gefunden. Sofort hatte er ihn ins Krankenhaus gefahren, in dem sie ihn gerade noch wiederbeleben konnten.
Frohe Weihnachten klang es durch den Raum, dieses Fest war wie eine Wiedergeburt

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