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Frühlingserwachen Teil I

Von optik Samstag 08.03.2025, 10:28

Kaum lassen sich die ersten Spuren des nahenden Frühlings erkennen, mobilisieren sich die frischen Kräfte in Fauna und Flora und ebenso neigen auch wir menschlichen Individuen dazu rege und aktiv zu reagieren. Der Ruhezustand jener kalten, die Glieder lähmenden Froststarre beginnt -der langsam steigenden Sonnenkraft zu weichen. Die letzten Begeisterten, die in den kalten, verschneiten Monaten äußerst sportiv Schnee und Eis, Pisten und Loipen nutzten, beginnen sich auf die nächsten Sport- oder Freizeitvergnügen der Saison vorzubereiten. Der jährliche Kreislauf beginnt von Neuem.

Mit dem Ansteigen der Sonnenkraft, sprich vom ersten zum zweiten Quartal des neues Jahres beginnt das planen, putzen und packen unseres Schneckenhäuschen?
Was mag das sein? So manche Leserin oder Leser kann sich sicher nichts darunter vorstellen, es sei denn, sie/er gehört dieser eigenartigen Spezies an, nämlich den Campern.
In meiner Jugend konnten sich nur Privilegierte leisten in Urlaub zu fahren. Für mich als Jugendliche vom Lande war daran gar nicht zu denken. Bei uns verlebte man die Ferien, oder die späteren Urlaubstage auf dem Kartoffelacker oder im Garten bei der Bohnenernte.
Aber unser aller Leben hat sich im Laufe der Jahre verändert und der Radius unserer Umgebung wurde weiter und weiter gespannt. Wir konnten in andere Länder, sogar ferne Kontinente reisen und erlebten mehr als wir je erhofft hatten. Ja, dank der Technik können wir noch bis ins hohe Alter mit der ganzen Welt verbunden bleiben, sie bereisen und es bieten sich zig Möglichkeiten die es zu erkunden gilt.

Seit einigen Jahren fand ich heraus, es geht nichts über die Freiheit des Campens, das biwakieren in der freien Natur. Leben auf kleinstem Raum. Flexibel und beweglich sein und immer dort, wo es einem gerade gefällt. Bleiben solange man möchte. Sollte es unangenehm werden, die Umgebung nicht mehr gefallen, sich das Wetter ändern, lässt sich der Standort wechseln. Alles geht unkompliziert, ohne an-, abmelden, ohne Buchungsstress und Termine.

Angefangen hatte alles vor einigen Jahrzehnten mit einem kleinen Zelt, dann folgte ein kleiner Wohnwagen, der das nach individueller Freiheit strebende Freizeitglück komfortabler machte und jetzt im Rentneralter ist es ein kleines Wohnmobil.

So ein Schneckenhaus lässt sich ganz heimelig einrichten. Umgeben von der eigenen gewohnten Atmosphäre bleibt ja auch nichts dem Zufall überlassen. Egal in welcher Gemütslage sich der Sinn nach einem schmackhaften Cappuccino einstellt, kein Problem. Für alles ist gesorgt und selbst gegen ein bleiernes Gefühl in den Beinen lässt sich sofort Abhilfe schaffen, denn das eigene Bett um sich auszustrecken fährt ja mit. Auf den Autobahnen und der stetig zunehmenden Verkehrsdichte ist oft der eine Stau kaum überwunden, lassen sich einige Kilometer weiter die Rücklichter der nächsten Stopp and Go-Situation erkennen, dann können es Camper herrlich entspannt erleben. Zeitdruck gibt es nicht. Sie halten an und machen erst einmal Pause. Oder tuckern, zum Leidwesen der sportlich getunten SUV-Fahrer gemütlich über die Landstraße!!! Selbst die, nach längerer Fahrt, mit Druck benötigten stillen Örtchen lassen einem Camper nie mehr unruhig werden.

Ach ja! Was gibt es Schöneres als unsere lieben Mitmenschen mit all ihren Neigungen und Schwächen zu beobachten. Camping- oder Stellplätze bieten sich dafür herrlich an. Wenn die Sonne vom Himmel lacht oder er sich mit dunklen Wolken zu zieht, egal! Sobald frischer Kaffeeduft durch die Lüfte streift erfreuen sich Herz und Lunge an der Natur, die sich vor den Augen ausbreitet. In jedem Falle ist es überall anders als Zuhause! Da mag mitunter der heimische Garten ordentlicher und farbenfroher sein, ein Camper erfreut sich an der Umgebung, egal wo er sie erlebt.

Wenn sich so nach und nach die Türen der einzelnen wohnlichen Gefährte öffnen, veranlasst es die Mitcamper heimlich rüber zu blinzeln. Sind es ältere Zeitgenossen wie wir, jüngere gestylte oder quirlig verdrehte Nachbarn. Darunter finden sich teils muffelige, denen ein knappes "mojjen" schon zu viel als Gruß bedeutet. Andere , die kaum, dass sie eines menschlichen Wesens ansichtig werden, schon ihre gesamte Biografie, ihre Wehwehchen erzählen. Allgemein sind Camper friedvolle, äußerst hilfreiche und nette gesprächige Menschen.
Und meistens kommt man sich schon neu-nachbarlich näher, wenn es die verschiedensten Frühstücksgebaren zu erkennen gilt. Es gibt die einfachen Frühstücker, die sich nur mit der Wasserflasche, einer trockenen Semmel oder Getreidemüsli spartanisch gegenüber sitzen, um dann den ganzen Tag verschwunden zu bleiben. Oder die gemütlichen, wie wir Rentner. Den Tisch mit einer Decke stilvoll gedeckt, auf dem auch das abgedeckte 3 Minuten-Ei nicht fehlt. Dazu die warm getoastete Brötchen, der Aufschnitt frisch aus dem Kühlschrank und die mitgeführte selbstgekochte Konfitüre im Petto. Das Augen isst schließlich mit und man möchte ja auf nichts verzichten. Mit dieser gestärkten Grundlage füllt sich das Camperherz zufrieden.
Ruhe, Entspannung und die Vorfreude auf dieses Phänomen stellt sich schon ein, sobald sich das Gefährt vor der eigenen Haustür in Bewegung setzt. Es geht einem Abenteuer, wohl auch einer Ungezwungenheit, den tristen Alltag hinter sich lassend freudig erregt entgegen und darin liegt der Reiz.

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