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Geisterstunde

Von tastifix Mittwoch 02.07.2025, 18:40 – geändert Mittwoch 16.07.2025, 07:49

Lang, lang ist es her, fast 38 Jahre.

Eigentlich glaubten der Papa meiner Kinder und ich so gar nicht an Geister. Nachts war es selbst gegen Mitternacht stets still im Haus, was eindeutig gegen untote oder nur halbtote Mitbewohner sprach. Gespenster legen großen Wert auf einen geregelten Nachtablauf. Von Mitternacht bis Eins wird sich daneben benommen, danach aber hält man die Klappe, die klirrenden Ketten klirren nicht mehr und man stellt fest, sich derweil hastig ins Geistergemach verflüchtigend:
"Puuh, war das wieder ein furchtbares Pensum!"

Leider täuschten wir uns, was gruselige Umtriebe anging, in dermaßen krasser Weise, wie wir es niemals für möglich gehalten hätten.
In der besagten Nacht wurde ich wach. Irgendetwas stimmte nicht. Obwohl ich keinen Albtraum hatte durchstehen müssen, war ich so ungewöhnlich unruhig. Irritiert starrte ich in die Dunkelheit, dann auf den Herrn Papa, der friedlich im Bett freudvoll vor sich hin schnarchte. Sauer drehte ich mich auf die andere Seite. Es war wohl doch alles normal. Schon halb wieder eingedusselt, schreckte ich erneut hoch. Da regte sich doch etwas! Also doch kein Hirngespinst!

Ich spitzte die Ohren. Ja, jemand shlurfte leise leise an unserem Schlafzimmer vorbei. Alarmiert sauste ich ruckkartig hoch, hockte dann, von Panik ergriffen, krampfhaft die Decke umklammernd im Bett - plötzlich hellwach:
"Duhuuh!", versuchte ich meinen Mann zu wecken.
Es kostete reichliche Mühe. Wenn er schlief, dann weckte ihn so schnell nichts. Also rütttelte ich heftig an seinem Arm.
"Rrrr... "
Immerhin eine Reaktion.
"Rrrr ... Was ist denn ...?"
Knurrige Miene, dann langsames Erkennen seines Eheweibes.
"Da..ist jemand im Haus!", bibberte ich.
"Quatsch, Du hast geträumt!"
Der hatte gut reden. Aber ich wusste es besser und blieb hartnäckig.
"Doch, hör` mal!", drängte ich.
Seufzend rappelte er sich hoch und lauschte tatsächlich.
"Hm!", meinte er und nochmals: "Hmm!"
Klang ja schon aufmerksamer.

Draussen ging leise die Küchentür. Die Küche ist in unserem Haus direkt diagonal zum Schlafzimmer zu finden. Diesmal vernahmen wir ein deutliches Stühlescharren. Jetzt wurde es selbst meinem Mann zu bunt.
"Da ist wirklich jemand!", räumte er ein.
Ich nickte zufrieden.
"Was machen wir denn jetzt bloß?", zitterte ich vor mich hin.
Vor meineerm inneren Auge zogen sämtliche mir bekannten TV-Krimis vorbei. Klar sah ich mich schon gefesselt und geknebelt oder noch schlimmer, gevierteilt aurf dem Boden liegen.
"Besser, wir verhalten uns ganz ruhig!", gab meine andere Hälfte zu bedenken.
Der Vorschlag imponierte mir in jenen Minuten wahrlich anz besonders. Von innerer Ruhe konnte bei mir keine Rede mehr sein. Ein Angstschweißausbruch jagte den nächsten. Garantiert hätte mein letztes Stündlein geschlagen. Hm, eigentlich hätte ich mir ja einen anderen Tod gewünscht.

Jetzt klackte es deutlich in der Küche. Klick, klack, ping, peng. Zweimal klapperte es unverschämt laut. Dann war plötzlich Stille.Eine grauenhafte Stille.
´Wieso sollte ein Einbrecher ausgerechnet die Küche unsicher machen? Hat der vielleicht Hunger?`
Schon wieder Klick.
"Also, ich halte das nicht mehr aus. Ich guck` nach!"
Bevor mein Mann etwas dagegen einwenden konnte, sprang ich mit einem hastigen Satz aus dem Bett und schlich auf Zehenspitzen in die Diele. Jetzt war es sowieso zu spät, um wieder zu verschwinden. Nun musste ich Mut beweisen.
Die Küchentür war nur halb angelehnt. ich riskierte einen furchtsamen Blick. Mir fiel der vollgepackte Küchentisch auf, auf dem sich alles versammelt hatte, was eigentlich in den Kühlschrank gehörte. In ihm also gähnende Leere.
Und davor ... ?? Davor stand auf einem Stuhl ein kleines Gespenst in einem Teddybärenschlafsack mit mir sehr bekannten grünen Augen und braunen Löckchen. Es war ungefähr drei Jahre alt, hieß T., war das ältere meiner Zwillinge und offensichtlich genauso erschrocken wie seine Mama. Doch weil ich im nächsten Moment vor Erleichterung laut lachte, verzog sich das vermeintliche Geistergesicht zum lausbübischen Grinsen und das Mini-Wesen erklärte mit einer sehr menschlichen Stimme:
"Mama, hab` den Tisch gedeckt. Frühstücken!!"

Ich waef einen raschen Blick auf die Küchenuhr und erstarrte zum zweiten Male:
"5.00 Uhr! - Ach du grüne Neune!!"
Fix griff ich mir meine so reizend hilfsbereite Tochter und verfrachtete sie in der Jugendetage wieder in ihr Bett. Mit leicht wackelnden Beinen marschierte ich zurück ins Schlafzimmer. Dachte ich darüber nach, was der Kleinen alles hätte zustoßen können ...
"Mit dem Schlafsack auf der Treppe ausrutschen, sich Finger, Arme und Beine brechen ..."
Genau dann stoppte ich lieber die Überlegungen!

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