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Oktober Gedankenschnipsel

Von Feierabend-Mitglied Freitag 11.10.2024, 00:32 – geändert Samstag 12.10.2024, 10:06

Ich gehöre zu den Menschen, die ihn nicht mögen....den Herbst, läutet er doch so langsam die nasse, kalte und dunkle Zeit ein. Dabei war es sogar mal meine Lieblings Jahreszeit, aber das ist schon lange her. Ich mochte ihn besonders, wenn die Tage sonnig und noch recht warm, die Nächte angenehm kühl waren. Seitdem ich mich jedoch selber im "Herbst meines Lebens" befinde, mag ich ihn nicht mehr. Denn zu allem, was mir an ihm nicht gefällt, kommt hinzu, dass ich bald schon w i e d e r Geburtstag habe. Ist aber wirklich so langsam gut! Ich gehöre nicht zu den Bekennern, älter und weiser zu werden wäre toll. Bin ich sowieso nicht, also weise. Ich denke, ich bin nur "außen" älter geworden, "innen" finde ich mich noch so wie früher. Jedenfalls so einigermaßen. Obwohl.....viele Erlebnisse, Erfahrungen, von sehr schmerzhaft bis sehr gut und schön haben mich geprägt.

Heute haben wir einen der schönen Herbsttage, sonnig, klare, allerdings feuchte Luft, die ein wenig modrig riecht. Das Laub auf den Bäumen beginnt sich bunt zu verfärben, einiges fällt schon auf meinen Spazierweg. Es liegt zum Teil so hoch, dass es mir bis zum Rand meiner knöchelhohen Boots reicht. Ich schleife die Füße über den Boden, pflüge eine Spur, es raschelt dabei laut. Damit habe ich jemanden scheinbar gestört. Ein relativ kleiner Igel eilt dem Feld zu, das meinen Spazierweg eine Strecke lang einseitig "rahmt". Warum ist er tagsüber unterwegs? Ist er untergewichtig, zu klein? Ich weiß inzwischen, dass kleine Igel 500 bis 700 g wiegen sollten, dann steigt für sie die Chance, nach dem Winterschlaf wieder zu erwachen.
Zwei Eichhörnchen klettern behende den dicken Baumstamm einer hohen Eiche hinauf, ob sie dort ihren Kobel haben? Flink sind sie zwischen den Blättern, von denen viele erst jetzt beginnen sich zu verfärben und die noch an den Zweigen hängen, verschwunden.

Da erblicke ich von weitem meinen Lieblings Kastanienbaum. Spuren ziehend raschele ich ihm entgegen. Ich habe heute extra eine Stofftasche mitgenommen, da hinein stecke ich die gesammelten, wunderschön rotbraun glänzenden Kastanien. Gerade als ich mich aufrichte, um die für mich letzten Früchte des Baumes in den Beutel zu legen, macht es -klack- auf meinem Kopf. Autsch....eine dicke Kastanie, noch in der stacheligen Schale. Na gut, diese nehme ich noch, dann habe ich genug.

Das letzte Drittel meines Spaziergangs beginnt. Während des Gehens denke ich plötzlich liebevoll an jemanden, der für eine kurze Zeit mein Herz berührt hat. Ein mittelalterliches Gedicht, noch aus meiner Schulzeit, fällt mir spontan ein, ich kann es sogar noch:

Du bist min,
ich bin din,
des solt du gewis sin.
Du bist beslozzen (=eingeschlossen)
in minem herzen,
verlorn ist daz sluzzelin (=Schlüsselein)
du muost ouch immer darinne sein.

Ach nein...Vergangenheit.., zärtlich schiebe ich die Gedanken beiseite, muss ein bisschen lachen....hoffentlich fühlt er sich nicht zu sehr gefangen.

Im Weitergehen denke ich an mein Zuhause, an meinen Partner, meinen Freund, meinen Mann, der fast seit meiner Jugend treu und loyal an meiner Seite lebt. Wir haben den Frühling und den Sommer unseres Lebens mal gut, mal weniger gut gemeistert und erleben nun gemeinsam den Herbst. Er wartet mit dem Tee auf mich. Ich werde sehr nachdenklich während des Laufens, mir wird es bei dem Gedanken an ihn warm ums Herz......eigentlich ist der Herbst doch schön.

Ich nehme mir ganz fest vor, ihn bewusst mit allen Sinnen zu genießen.......


She
Aus "Meinen kleinen Geschichten"

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