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Komm schwarzer Vogel

Von billyblue 08.09.2024, 21:30 – geändert 08.09.2024, 21:54

Komm schwarzer Vogel

Leise surrend gingen die Läden hoch. Es war 5:30 Uhr und auch so geplant. Er hatte am Vorabend noch die Programmierung geändert, weil er unbedingt den heutigen Tag genießen wollte. Die Sonne kam gerade hinter dem Horizont hervor und die ersten Strahlen lösten die dunklen Nachtwolken auf. Ein goldenes Licht erfüllte die frühe Stunde. Die maigrünen Blätter der Bäume zitterten leicht in einer sanften Brise, die es bis ins Schlafzimmer schaffte. Ein Orchester von Vögeln war zu hören. Die Nachtigall war schon vorbei, aber das Rotkehlchen und die Amseln waren deutlich zu unterscheiden. War da nicht noch ein Pirol dazwischen?
Markus war hellwach. Gleich würde er frühstücken, allein der Gedanke ließ ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen. Sein Gehirn gaukelte ihm schon den Duft von frischgebrühtem Kaffee vor. Gleich würde er sich noch 2 Brötchen aufbacken, dick mit Butter und Honig bestreichen. Das war schon immer sein bevorzugter Morgenbeginn gewesen, so sollte es auch an seinem Geburtstag sein.
50 Jahren wurde er alt, wie schnell doch Zeit vergangen war. Als Kind hatte er immer Abscheu empfunden, wenn er den vielen Tanten, ob richtige oder nur Freundinnen der Mutter, einen Kuss geben sollte. Diese faltigen Gesichter waren ihm zu tiefst zuwider gewesen. Jetzt war er am anderen Ende der Lebenslinie angelangt und sah wohl für die Kleinen genauso aus. Allein mit diesem Hintergrund hatte er nie ähnliches eingefordert. Sein schönes, intensives Leben hatte er stets genossen. Die Eltern hatten Ihm eine gute Schulausbildung ermöglicht, sein Beruf hatte ihm Freude gemacht und auch einen satten Gewinn gebracht. Reichtümer waren zwar nie angesammelt worden, doch das Einkomme reichte immer so weit, dass er sich alle Wünsche erfüllen konnte. Seine Hobbys, die Literatur und die Musik pflegte er bis heute. Markus sah immer noch ca. 10 Jahre jünger aus, als sein wirkliches Alter war. Damals in seiner Jugend war das ein Nachteil. Bis er den Mädchen klar machen konnte, dass er keine 14 mehr war, hatten diese sich längst aus dem Staub gemacht. Mit fortschreitendem Alter hatte sich das allerdings zu einem Vorteil gewandelt.
Am Abend sollte dann Party mit all seinen Freunden sein, so etwas wie das Ende eines Lebensabschnittes. Nun durfte er sich einen Uhu (unter hundert) nennen. Nachdem er in der Vergangenheit bis auf ein paar, wenn auch schwere Unfälle, nie ernsthaft krank war, hoffte er, dass es auch so weitergehen könnte. Wahrscheinlich war dieses aber ein vergebener Wunsch. Nach seinen Beobachtungen in seinem Umfeld konnte er allerdings von dieser Absicht nicht unbedingt ausgehen. So richtig mit Freunden in einer größeren Runde zu feiern, war schon ewig nicht mehr der Fall gewesen und er freute sich riesig, alle noch mal wieder zu sehen.
Während er sich noch in sein Laken kuschelte, kam ihm plötzlich Soylent Green in den Sinn. Er sah Edward G. Robinson vor sich, wie der nach der grausamen Aufdeckung des Geheimnisses von Soylent Green nicht mehr leben wollte und den assistierten Tod in einer öffentlichen Tötungsanstalt vorzog. Sol, wie er in dieser Rolle hieß, lag in einem klimatisierten Raum auf dessen Wände Bilder von unzerstörter Natur, Wald und Hirschen projiziert wurden. Die Letzte was er sah, war von atemberaubender Schönheit.

Plötzlich standen seine Eltern und Geschwister vor seinem Bett. „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag mein lieber Junge“ riefen sie im Chor.
„Wo kommt ihr denn alle her?“
„Aber Junge, wir werden dich doch jetzt auf deiner Reise nicht allein lassen“
„Reise?“
„Du wirst schon sehen“
Plötzlich änderte sich das Licht. Alles nahm eine rosarote Farbe an und er ging langsam auf ein helles Licht zu. Alle, die ihm etwas bedeutet haben standen Spalier. Dann wurde es langsam dunkel. Die Schwingen des großen schwarzen Vogels löschten gnädig das Licht.


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Komm, großer schwarzer Vogel,
komm jetzt!
Schau, das Fenster is weit offen,
Schau, ich hab der Zucker aufs Fensterbrett g'straht.
Komm, großer schwarzer Vogel,
komm zu mir!
Spann' Deine weiten, sanften Flügel aus
und leg's auf meine Fieberaugen!
Bitte, hol' mich weg von da!
Und dann fliegen wer
aufi, mitten in Himmel eini,
in a neuche Zeit,
in a neuche Welt.
Und i werd' singen,
i werd' lachen,
i werd' "das gibt's net", schrei'n,
weil, i werd' auf einmal kapier'n
worum sich alles dreht.
Komm, großer schwarzer Vogel,
hilf mir doch!
Press' Dein' feuchten, kalten Schnabel
auf meine Wunde, auf meine heiße Stirn!
Komm, großer schwarzer Vogel,
jetzt wär's grad günstig!
Die ander'n da im Zimmer schlafen fest
aber ganz leise sein,
da hört uns die Schwester ned
Bitte, hol mich weg von da!
Und dann fliegen wir
aufi, mitten in Himmel eini,
in a neuche Zeit,
in a neuche Welt.
Und i werd' singen,
i werd' lachen,
i werd' "das gibt's net", schrei'n,
i werd' auf einmal kapier'n
worum sich alles dreht.
Ja, großer schwarzer Vogel,
endlich!
Ich hab' Di gar ned eini kommen ghert,
wie lautlos Du fliegst,
mein Gott,
wie schön Du bist!
Auf geht's, großer schwarzer Vogel,
auf geht's!
Baba, ihr meine Lieben daham!
Du, mei Mädel,
und du, Mama, baba!
Bitte, vergesst's mi ned!
Auf geht's,
mitten in Himmel eini,
ned traurig sein!
na, na, ist ka Grund zum Traurigsein!
Weil, i werd' singen,
i werd' lachen,
i werd' "des gibt's net" schrei'n.
I werd' endlich kapier'n
I werd' glücklich sein!
I werd' singen,
i werd' lachen,
i werd' "des gibt's net" schrei'n.
I werd' endlich kapier'n,
i werd' glücklich sein!
Ja, i werd' singen,
i werd' lachen,
i werd' "des gibt's net" schrei'n
i werd' endlich kapier'n
i werd' endlich glücklich sein!
I werd' singen
i werd' lachen
i werd' "des gibt's net" schrei'n
i werd endlich kapier'n
i werd' endlich glücklich sein!
Quelle: Musixmatch
Songwriter: Ludwig Hirsch

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