Michel -ein Märchen Teil II
Von
optik
Mittwoch 27.11.2024, 13:50
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
optik
Mittwoch 27.11.2024, 13:50
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Doch langsam schrumpften des Michels Eurobestände und die Waren wurden auch langsam und stetig teurer. Aber durch eine wundersame Fügung kreuzte eines Tages ein Investment-Bänker des Michels Weg. Bei ihm beklagte er seine Nöte und das langsam dahin schmelzen seiner Euronen. "Nun", lachte der Geldmann, "dem kann man doch abhelfen! Auch du kannst am Wohlstand teilhaben". Rasch erklärte er dem Michel die Möglichkeiten der wundersamen Geldvermehrung durch Anlagen, Aktien, Derivate, Rentenfonds und was es sonst noch alles an Mauscheleien gibt. Wie gut es mir doch gehen könnte, dachte leutselig der Michel.
Vor ihm lagen Papiere, bunt bedruckt und voller Geheimnisse die ihm ein sorgenfreies Alter garantieren würden. "Er könne gut leben, sich an den schönsten Dingen erfreuen während er diese nutzlosen belasteten Euros mit sich herum schleppe", beteuerte der großzügige Gönner. Michel strahlte in einer nicht erahnten Glückseligkeit und übergab, dem ihm freundlich zu nickenden Manne, seine letzten verbliebenen Euroreserven.
Nun ja, als später die Voraussagen immer schlüpfriger und schleierhafter wurden und auch diese Werte schrumpften, war bei Michel immer noch seine buchstäbliche Erleichterung zu spüren. Es stimmte ihn auch nicht arg traurig, als diese Glücksgönner dann ihr eigenes Glück prompt auf eine windige Sache suchten.
Alle Glücksritter, die dem Michel wohlwollend helfen wollten hatten sich auf die leisen Socken aufgemacht um die Werte zu mehren. Aber natürlich um zuerst an sich selbst zu denken. Leider blieb des Michels Glück dabei auf der Strecke.
Die Versprechungen verklangen und die Banken gingen Pleite und somit ging das ganze restliche Vermögen des Michel dahin...! Den Glücksrittern war es nicht peinlich. Es war eben nur ein Übliches und obendrein auch nicht ihr eigenes Geld.
Etwas sehr betröppelt saß nun der Michel inmitten der schattenspendenden üppig gewachsenen Hochbauten vor seiner kleinen Kate als sich eines Tages eine freundliche Fee des Unglücklichen annahm.
Auch sie hatte sehr viele Worte des Trostes und auch ein Päckchen dabei und statt des einst versprochenen Vermögens schenkte sie dem Michel einen Schirm. "Das sei der Rettungsschirm der alle Glücklosen auffängt", beteuerte sie "damit könne man weich auf der Wiese der Gestrauchelten landen, wenn man denn in große Not gerate". Leider vergaß aber die engelhafte Fee zu sagen, dass der Kreis der zu Rettenden stark eingeschränkt war und Michel wahrscheinlich und keineswegs davon betroffen sein würde. Michel blieb trotzdem froh und dankbar über diesen leicht zu handhabenden Schirm, auch wenn er fast nutzlos geworden war.
Selbst als man ihm fortan auf seinem Lebensweg den Arbeitslohn halbierte und die Arbeitszeit verlängerte, nur noch befristete Verträge oder Teilzeittätigkeiten für ihn hatte und ihm danach ausrechnete, das soziale Almosen ebenfalls durchaus reichlich sind, nahm er es treuherzig hin. Er glaubte einfach sein Leben würde nie aus der Bahn geworfen. Michel war und bleibt eben ein Michel wie er sein muss! Geduldig, schweigsam, loyal, niemals aufmuckend und stets still.
Michel war einfach immer glücklich und das erkennen nicht mal diejenigen, die auf purem Gold noch heute gebettet leben. Und wenn wir Michel mit denen vergleichen, die irgendwo auf dieser Welt ganz unten leben, dann ist der Michel doch ein klitzekleiner Millionär und hat eben allen Grund glücklich zu sein und zu bleiben
……. und da er nicht gestorben ist...