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Quinny und die Tablette

Von tastifix Mittwoch 10.09.2025, 19:58 – geändert Mittwoch 24.09.2025, 05:11

Qunny, im besten Hundealter und putzmunter, musste, von den Impfungen abgesehen, nur äußerst selten zum Tierarzt. Aber dann wars eines Tages doch soweit. Mein Pfiffikus hatte wohl draußen etwas gefressen, was sein Magen nicht vertrug. so dass er den RTest des Tages über keinen Appetit mehr hatte. Noch nicht mal mehr an spendierten Nudeln zeigte er Interesse, spielte konsequeent den siechen Mann auf vier Beinen und schien mir vorzuschlagen:
´Frauchen, darfst Du gerne futtern. Ich mag nicht!`
„Aber Du musst doch etwas fressen. Ohne geht’s nicht. Quinny!“
´Doch geht!`, sagte mir sein trotziger Blick.

Auch anderntags rührte er sein Futter nicht an und ich telefonierte mit der Praxis.
„Und er will immer noch nicht … ? Hm, dann kommen Sie mal vorbei!“
„Quinny, morgen geht’s zu Frau Dr. X!“, kündigte ich dem anscheinend leidenden Patienten an.
Der Name kam ihm wohl bekannt vor. Jene Ärztin mochte er, aber sie deshalb zu besuchen, stand für ihn eindeutig auf einem anderen Blatt.
´Aber ne Spritze will ich nicht!`. schien er aufzubegehren.
„Quinnylein, nun warte doch erst mal ab. Und, so keck Du noch bist, lannste gar nicht ernstlich krank sein!“
`´Áber,` grübelte er wohl, ´wenn ich nicht wirklich krank bin, dann darf ich mich nach dem Besuch bei der Ärztin nicht mehr so toll bedauern lassen. Auch blöd!`

Am nächsten Morgen wars soweit. Quinny sah sein Halstuch, das er draußen stets trug, in meiner Hand und ihm schwante etwas. Ein wenig kleinlaut lief er neben mir her, noch kleinlauter stieg er brav in die S-Bahn und wünschte sich eindeutig ganz woanders hin.
„Also, mein Süßer: Du wirst nicht geschlachtet. Also tu mal so, als ob Du mutig seiest!“
Quinny schaute mich zweifelnd an:
´Das meinste doch jetzt nicht im Ernst, oder?`
Dem energischen Tonfall nach zu urteilen, meinte ich es offensichtlich sogar ganz ernst und er fügte sich drein.

Das Wartezimmer war ziemlich voll. Die Hunde fahndeten eindeutig nach einem offenen Fenster, durch das sie vielleicht doch noch fix hätten fliehen können. Doch leider waren die alle fest gerschlossen. Bestimmt deshalb, weil die Ärzte ihre vierbeinigen Pappenheimer kannten und so deren eventuellen Fluchtpläne vereitelten. Darum blieb den Möchtenicht-Patienten nur, sich unter Frauchens/ Herrchens Sitz zu verkriechen und zu hoffen, dann unauffindbar zu sein.

Eine halbe Stunde später waren wir endlich an der Reihe. Weil Quinny die Ärztin so sehr mochte, vertat er sich und begrüßte sie wedelnd. Sie freute sich sichtlich. Dann aber erinnerte mein Hund sich wohl, weshalb er hier war und streikte.
“Quinny, Dir passiert doch nichts!“
´Abwarten!`, dachte der wohl dazu.
Im Behandlungszimmer leinte ich ihn ab. Doch mussten wir noch etwas warten, denn die Ärztin wurde überraschend hinaus gerufen. Es war wohl dringend. Die Tür blieb offen. Mein Pfiffukus sah es und marschierte von dannen. Die Gelegenheit war günstig, ich nämlich im intensiven Gespräch mit einer der Helferinnen. Plötzlich fiel mir auf, dass an meiner Seite jemand fehlte.
´Oje! Hoffentlich ist der überhaupt noch in der Praxis!`
Prompt wirbelten mir ziemlich besorgniserregende Gedanken im Kopf herum. Zum Glück nur ganz kurz, denn just dann erschien Quinny wieder im Behandlungsraum, wedelte kurz der Helferin zu, dann sehr ausgiebig mir.
´Wo er wohl war? Hat sich bestimmt hier alles angeguckt!`
Quinny schaute mich an, als ob er sagen wollte:
"Frauchen, alles bestens! Sämtliche Schränke mit den Piekdingern sind zu!"
Ich grinste vor mich hin. In dem Moment kam die ÄrZtin zurück, sah mich dort grinsend stehen und ich erzählte ihr von Quinnys wahrscheinlichem Kontrollgang. Sie lachte, hörte ihn kurz ab und meinte:
„Machen Sie sich keine Sorgen! Er hat sich bestimmt nur den Magen verdorben. Würd uns ja auch so gehen, dass wir dann keinen Appetit hätten!“

„Na, Du Süßer, Komm ddoch mal.Magst ein Leckerchen?“
Mein Hund hatte ganz vergessen, .dass er ja eigentlich so gar keinen Appetit hatte und setzte sich direkt vor die betreffende Schublade. Die hatte er damals während seines ersten Besuches hier sofort im Hundegedächtnis gespeichert.
„Achnee, Quinnylein! Du armes leidendes Etwas! - Frauchen gebe ich jetzt Tabletten für Dich mit, damit Du vielleicht schon morgen vergessen hast, wie schlecht es Dir doch heute ging!“, schmunzelte die Ärztin.
Sie ernetete einen sehr charmanten Blick.
´Wie, wars das denn schon??`
Wir lachten.
„Also, sollte er morgen denn doch nicht fressen wollen, dann kommen Sie wieder vorbei. Aber, so, wie er wirkt, fehlt dem sonst gar nichts!“

´Gar nichts` verstand mein Hund offensichtlich, denn er lief so fröhlich wie nur selten gen S-Bahn, hopste noch fröhlicher hinein, setzte sich brav neben mich und schmalzte alle Ztweibeiner an. Die, die Hunde mochten, waren begeisitrt von ihm. Quinny genoss es sichtlich, dermaßen im Mittelpinkt zu stehen.
„Ach, hat der schöne Augen!“
Quinny hörte gar nicht mehr auf zu schmalzen, vergaß aber darüber keinesfalls, dass wir uns unserer Station näherten und zog unternehmungslustig zur Tfür. Wieder ein Hopser und er war draußen. Bis nachhause dauerte es nur knappe zehn Minuten. Dort warteten meine Töchter:
„Mama, ist Quinnylein krank oder nicht?“
„Nein, der hat sich nur den Magen verdorben, aber trotzdem vorhin ein Leckerchen angenommen! - Ich soll ihm diese Tabletten hier geben. Dann ist bestimmt alles woeder okay!“

Tja: Geben Sie mal einem solch pfiffigen Hund eine Tablette. Als liebevolles Frauchen schnitt ich ein Butterbrot in mäulchengerechte Stücke, versteckte die Tablette in leckerer Leberwrust und reichte sie ihm. Quinny schnappte sich das Stück Brot, ich atmete erleichtert auf. Zu früh gefreut! Die Leberwurst schmeckte wohl vortrefflich, aber er dachte nicht im Traum darn, die olle Tablette runter zu schlucken. Wie, um mich zu täuschen, wartete er ein paar Sekunden, guckte mich lieb an und spuckte dann die blöde Tablette in weitem Bogen wieder aus.

Ich versuchte es ein zweites Mal. Nichts zu wollen!
„Quinny, Frau Dr. X. meinte doch, dann tut Dir der Bauch nicht mehr weh! Biiittte!“, flehte ich ihn regelrecht an.
Sein Blick verriet:
´Nee, nicht mit mir!`
´Hm, wenn er aber doch etwas hat und dann die nicht nimmt ---?´, überlegte ich.
Besorgt rief ich die Ärztin an und schilderte ihr den Zirkus.
„Hören Sie: Quinny ist einfach nur sehr pfiffig und lässt sich nicht austricksen! Wenn er noch so reagiert, dann geht’s dem ansonsten super! Sollte denn doch noch etwas sein, melden Sie sich bei mir!“

Nun, es war dann nichts, Quinny futterte wieder und besonders Lecketeien, die er eigentlich gar nicht fressen sollte. So zum Beispiel von den Kindern spendierte Pommes. Von kran keine Spur! Ich rief nochmals in der Praxis an:
„Sie hatten recht! Er ist putzmunter!“
Sie lachte.

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