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RADIO in den 60er Jahren

Von Jorgito56 Donnerstag 08.08.2024, 09:00

Aber ich konnte trotzdem einfach zuhören und träumen.Ich stellte mir vor, dass ich Schwedisch und Finnisch eines Tages lernen würde. Hatte ich nicht dem WDR ein Konzept geschickt, wie das Sprachlernprogramm auszusehen hätte?
Der WDR hat dem Schuljungen sogar geantwortet . Man teilte mir mit, dass es für Finnischunterricht und für Schwedischkurse kein Geld gäbe. Unter mir fuhr der Schienenbus vorbei Richtung Berleburg. Mich wegzuträumen,war mein wichtigstes Hobby. Um 17.30 Uhr begann der Sendeteil in deutscher Sprache.Ich hatte auf Kurzwelle auch andere Sender gesucht.
Da war noch Radio Tirana und Radio Peking auf Deutsch. Was wusste ich von Imperialismus und Marxismus-Leninismus?
Zu Hause hatte ich ein eigenes Dampfradio in meinem Zimmer Es hatte ein großes Chassis aus dunkelbraunem Holz,riesige Drehknöpfe und eine Senderskala mit seltsamen Namen wie Hilversum und Beromünster.
Am Abend hörte ich zuweilen “Stimme der DDR”.
Die Nachrichten brachten seltsame Dinge wie Ernterekorde und Solidaritätsadressen an die kämpfenden Völkern Afrikas und Asiens. Chile war Dauerthema, aber da war ich schon 16 oder 17. Für mich waren das Nachrichten aus einer Parallelwelt, die ich nicht verstand.In der Schule gab es Leute, die DKPler, die fanden das System DDR vorbildlich. Ich wusste alles über Victor Jara und Allende. Im Winter war ich hin und wieder krank, weil ich eine Grippe bekam. Dann hörte ich oft den HR II, weil es z.B. Literaturlesungen gab.Jemand las “ Die Kartause von Parma” vor. Ich hatte von dem historischen Hintergrund keine Ahnung… aber ich träumte mich halt weg. Auch gab es auch diesen endlosen Italienischkurs.
Ich erinnere mich nur noch an das PASSATO REMOTO , ein grammatisches Thema , dem ich in keiner Weise folgen konnte…
Aber ich träumte mich weg… und Italienisch klang wie Musik.Schwedisch auch... Manchmal gab es auch Hörspiele.
“Das SCHIFF Esperanza” zum Beispiel, das wir schon in der Schule gelesen hatten.Das Thema wurde da auf eine Weise behandelt, die ich nicht verstand. Flüchtlinge waren für mich Menschen aus Schlesien und Pommern und Ostpreußen.Die gab es in meiner Umgebung. Sie sprachen anders, aber für mich waren sie deshalb keine Fremden.Und die Lehrer , die aus der DDR kamen, das waren doch keine Flüchtlinge. Die hatten doch ein Land, während die Leute aus den Ostgebieten alles verlassen mussten. Nur ihr Dialekt war oft so stark.
Mein Deutschlehrer kam aus Dresden. Er sprach reines Hochdeutsch.Der Religionslehrer und der Lateinlehrer waren aus Thüringen gekommen, sie hatten wohl im Westen studiert und sprachen Standarddeutsch.
Sie wohnten in ihren Bungalows oder zur Miete in chicen Wohnungen.


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