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Rendezvous mit einer Spinne

Von tastifix Mittwoch 20.11.2024, 12:43 – geändert Donnerstag 21.11.2024, 05:53

Schon zu Bett, sehe ich ganz in Gedanken versunken zur Decke direkt über mir. Aufgeschreckt mustere ich einen winzigen schwarzen Punkt auf der weißen Wand, der dort absolut nicht hin gehört. Misstraurisch geworden, als was ich ihn einschätzen müsse, robbe ich mit Brille auf der Nase vorsichtig näher an das unbekannte Objekt heran. Prompt schaudert es mich.

Der Punkt ist nämlich kein Flecken, sondern hat bei genauerer Prüfung acht Striche ringsum und zählt demnach zur Gattung der Spinnentiere. Entsetzt wird mir bewusst, dass ich bereits eine ganze Weile in Lebensgefahr schwebe. Denn Spinnen sind Feischfrersser, die mittels kunstvoll gewebter Netze ihre Opfer rein legen und sie dann genüsslich verspeisen. Bei dem Gedanken, jenes wahrlich niedliehe Vieh könne plötzlich auf meine 2% Fleisch Appetit bekommen, schaudert es mich noch heftiger. Mein Blick für deren wirkliche Größe trübt sich mehr und mehr, in meiner Fantasie sie wächst sie zu einem Überbleibsel urzeitlicher Tierwelt. Am liebsten würde ich die Spinne hypnotisieren, damit sie sich dort oben ja nicht von der Stelle rühre.

Aber, mich heimlich von meiner Schlafstatt zu stehlen, auf Zehenspitzen aus dem Raum zu schleichen und dann zitternd in der Diele hockend darauf zu hoffen, dass sie derweil den Fensterausgang findet, traue ich mich nicht. Denn dies würde sie garantiert missbilligen, in irrem Tempo hinter mir her huschen oder sich eventuell am selber gesponnenden Faden blitzartig herunter- und in meinem Haar niederlassen. Es sei denn, ich würde es noch gerade rechtzeitig schaffen, den Kopf wegzudrehen. Meine Angst ufert aus in Panik. Wenigstens darf ich mich damit trösten, dass sie meinetwegen, einer Riesenportion, danach unter heftigen Magenschmerzen leiden würde. Die Spinne scheint wohl ähnlich intelligente Üerlegungen gestartet und sich gesagt zu haben, es sei eher förderlich für Gesundheit sowie Weiterleben, sich totzustellen. Außerdem: Würde ich denn doch das Licht löschen, könne sie sich ja fix hinter dem Schrank in einer gemütlichen Ecke verstecken.

Eigentlich liebe ich ja Tiere. Darum sage ich mir, wie zierlich und von graziler Schönheit sie sei. Ja, ich versuche tatsächlich, Sympathie für sie zu hegen. No Chance! Immer noch guten Willens suggeriere ich mir:
„Guck` mal, wie klein die ist! Also mach nicht solch einen Zirkus ihretwegen!!`
Es bringt zwar nicht viel, aber immerhin grübele ich jetzt, was zu tun sei.Töten will ich sie nicht, aber unbedingt os werden! Mich krampfhaft am Riemen reißend, trippele ich denn doch auf Zehenspitzen aus dem Zimmer, die Treppe hinunter in die Küche, hole eine Dose mit Deckel und eile zuürck nach oben. Das Ungetüm sitzt immer noch regungslos da. Mit einem dreifach gefalteten Küchentuch stupse ich die Spinne in den Behälter und presse hastig den Deckel auf, damit sie nicht im letzten Moment noch ausreißt und mir etwa über den Handrücken krabbelt.

Auf schlotternden Beinen trage ich sie nach draußen bis zur etwas weiter entfernten Spielwiese und entlasse sie in die Freiheit. Blitzschnell ist sie verschwunden und wird hoffentlich nie wiederkehren.
Hurra, ich lebe noch!!

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