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Reparatur aus Liebe

Von tastifix Freitag 27.09.2024, 17:02

Die Geschichte handelt von einem gerade mal den Kinderschuhen entwachsenen Liebespärchen. Manuela ist 16 jahre jung und ihr Jürgen gar noch ein Jahr jünger. Beide gingen noch zur Schule. Auf dem Klassenkommers lernten sie sich kennen.

Denkt Manuela viele Jahre später, ,als sie beide längst getrennte Lebenswege beschreiten, an den ersten an Blick in Jürgens grüne Augen, lächelt sie immer noch verschmitzt vor sich hin.
„Wie aufgeregt ich war und wie rot ich geworden bin, als er mich zum Tanzen zu der doch doll romantischen Schmalzmusik aufgefordert hat!", erinnert sie sich.

An Unterhaltung war überhaupt nicht zu denken. Beide bekamen kein einziges Wort raus. Nicht nur deshalb, weil sie sich auf Anhieb mochten, sondern sie waren konzentriert damit beschäftigt, ihre Füße zu sortieren:
„Ein Schritt vor, zwei zurück, dann ein Schritt nach links und wieder von vorne!"
Wehe, Manuela hatte sich verzählt, dann stolperte sie zuerst über ihre eigenen, dann über Jürgens Füße, der als Möchtegern-Kavalier verzweifelt seine Mimik unter Kontrolle hielt und sich den Spitze-Absätze-Schmerz heldenhaft verbiss. Gut, dass er sie festhielt, besser gesagt, sie sich aneinander festhielten, um nicht etwa der Länge in der Waagerechten zu landen und sich unsäglich vor den Anderen zu blamieren.

Nach gemeinsamem Durchstehen dieser für ihr Halberwachsenen-Image so gefährlichen Minuten mochten sie sich noch mehr. Sie mochten sich sogar so gern, dass sie sich ineinander verguckten. Das wiederum blieb nicht nur für die Dauer jenes Klassenfestes so, sondern hatte Bestand für mehrere Monate. Deshalb kam es dazu, dass Manuela voller Stolz Jürgen ihren Eltern vorstellte. Schließlich war ihr Freund ein sehr nett aussehender Junge, intelligent und charmant. Jurgen gab sich bei jenem Zusammentreffen so charmant wie noch nie, denn er wollte erstens Manuela und zweitens Manuelas Mutter imponieren (dem Vater klar auch!). Prompt war Manuelas Mutter von ihm begeistert und Töcherchen demzufolge im siebenten Himmel.

Leider gab es aber ein kleines Härchen in der Sympathiesuppe. Manuela selber sah schon jünger aus als sie war. Jürgen jedoch zählte ja erst fünfzehn Lenze und sah dummerweise nooch jünger aus. Manueles Eltern war das peinlich:
""hr seht zusammen aus wie zwei Zehnjährige! Was sollen bloß die Leute denken?"
Manuelas um fast 7 Jahre älterer Bruder lie´ß keine Gelegenheit aus, nach Kräften herum zu frotzeln. wieder und wieder. Seine kleine Schwester war deswegen sehr sauer und erzählte alles brühwarm ihrem Freund, der dann auch sauer wurde und wütend darüber grübelte, wie er sein Schon-fast-Erwachsensein beweisen und damit seine Ehre wieder herstellen könnte.

Das Schicksal meinte es gut mit ihm. Es war die Zeit der Schallplattenspieler. In fast jedem Haushalt dudelte ein solches Ding den habel Tag lang vor sich hin. Eines Tages bekam Jürgen mit, dass daheim in Manuelas Zuhause eben jener Plattenspieler kurz davor stand, seinen Geist aufzugeben. Dem Gerät war nur noch ein jämmerliches Jaulen zu entlocken.
´Meine Chance!`, sagte sich der technisch begeisterte, glühende Verehrer der Tochter des Hauses und bot seine fachkundige Hilfe an.Beeindruckt standen Manuelas Eltern wie auch seine Freundin um ihn herum, als er den Schallplattenkreisel aurf dessen Gesundheit untersuchte. Nach knapp einer halben Stunde erklärte er, sich in der Bewunderung der Umstehenden sonnend:
"So, der ist wieder in Ordnung!"

Nach dem, wie fachmännisch er gewerkelt hatte, zweifelten weder Manuelas Vater (die Mutter soundso nicht, weil sie von Technik keine Ahnung hatte!) noch aus ja nooch weitaus verständlicherem, weil rosaroten Grund Manuela sein Wissen an. Die Drei bedankten sich bei Jürgen, Manuela strahlte noch stolzer. Dieses Hochgefühl durfte sie immerhin fast zwei Stunden genießen. Dann allerdings war damit Schluß.

Die Ernüchterungspille nahte in Gestalt des besagten älteren Bruders. Der erfuhr sofort von dem wichtigen Ereignis, zeigte sich aber mitnichten tief beeindruckt, sondern marschierte, seinem inneren Reifegrad Achtung erweisend, langsam würdevollen Schrittes ins Wohnzimmer hinzu, legte eine Platte auf und stellte das Gerät an. Alles hielt den Atem an. Die Eltern starrten, ausnahmsweise wortlos, wie hypnotisierend auf das Gerät. Manuela ebenfalls, wobei ihr das Herz bis zum Hals klopfte. Gleich wäre ihr Triumpf vollkommen. Nicht etwa der hochnäsig drein schauende Bruder, sondern ihr Freund, ihr Jürgen hatte es geschafft, dieses Ding vor der Schrottpresse zu retten.

Die Vier spitzten die Ohren, forschten nach einem Ton, den man als Musik hätte bezeichnen können. Aber leider war da nichts, was der Bezeichnung `Melodie`gerecht wurde. Der einzige Laut war ein noch viel schrecklicheres Kreischen als der vor der Reparatur aus Liebe.
Ihr Bruder feixte:
"Sagt mal, wer hat den denn kaputt repariert ..?!"

Es brauchte mehrere Jahre, ehe Manuela ihrem Bruder diese Bemerkung verzieh.

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