Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

4 4

Toni und das Auto

Von tastifix 25.01.2026, 08:16 – geändert Montag 20.04.2026, 08:13

Mit meiner süßen Enkelin an der Hand bummelte ich an Feldern entlang. Es war Sommer, heiß und mir war deshalb so gar nicht nach dem Spielplatz zumute, denn der bot gegen Mittag kaum Schatten und ich vermied tunlich, ihm zu nahe zu kommen. Aber Toni, 21 Monate jung, sehr aufgeweckt und genauso gesprächig – je nach Belieben im Babykauderwelsch oder auch in 4-Wort-Sätzen, war selbst ohne Spielplatz begeistert. Ringsum blühten ja bunte Blumen, trillerten Vögel in der Luft oder hüpften sogar am Wegrand und vor allem kamen uns viele Hunde entgegen. Einer beschnupperte sogar ihre Hand. Toni war es anscheinend doch etwas mulmig zumute, denn der war sehr groß. Sie vergaß, wie gerne sie plapperte und schwieg tatsächlich. Um sie zu beruhigen, erklräte ich ihr, dass der Hund sich freue und es half, sie freeute sich dann auch. Insgeheim hoffte ich darum, dass wir noch viele Veirbeiner treffen würden, denn inzwischen waren wir ziemlich weit von daheim entfernt. Hunde haben wohl telepathische Fähigkeiten. Jedenfalls sahen wir dann vor Hunderudel die Hunde nicht mehr. Toni hatte ihre Scheu verloren:
„Wauwau!! – Upps, Wauwau wieder weg!! –Da, noch eine Wauwau!!!“
Das ´eine` verzieh ich ihr.
Wir hangelten uns also von Pieppiep, Miau und Wauwau zu nochmals eben den gleichen und näherten uns allmählich unserem Ziel. Toni, noch total fit, musterte aufmerksam alles, was entgegen kam oder auch nur im Weg herum stand. Noch ahnte ich nicht, dass dieser Spaziergang sehr bald die längste Zeit ein gemütlicher gewesen sein sollte.

Nach einer Weile bogen wir endlich in unsere Straße ein. Da geschah es: Toni entdeckte ein halb in der Luft baumelndes Auto, dem es eindeutig nicht gut ging, denn es fehlte ihm der rechte Hinterreifen. Davor hockte ein junger Mann und werkelte eifrig an dem herum.Toni wäre nicht Toni gewesen, wenn sie einfach so akzeptiert hätte, dass das arme Auto ihm so hilflos ausgeliefert war und fällte empört ihr Urteil:
„Auto einfach putt gemacht!“
Doch dabei beließ sie es nicht. Da bedurfte es ihrer Meinung nach mehr. Breitbeinig stellte sie sich vor ihn hin, blitzte den jungen Mann, der sich im Anblick des meckernden Ein-Käsehochs das Grinsen nicht verkneifen konnte, wütend an und spielte entsetzte Schallplatte mit Sprung:
„Auto kaputt gemacht!! ... "
Um die Schwere des Vergehens zu betonen, streckte sie die Arme zur Seite, Handinnenflächen nach oben, fast päpstlicher als der Papst beim Segenspenden, aber schüttelte so ganz anders als der dabei nur fassungslos den Kopf. Leider schaffte ich es nicht, die lädierte Schallplatte zu stoppen und so schimpfte sie mit zunehmender Lautstärke weiter:
„Auto putt gemacht!! Auto einfach puut gemacht!!“
´Die Schallplatte ist gleich auch hinüber!`, sagte ich mir.
Um noch zu retten, was vielleicht zu retten wäre, startete ich einen letzten Versuch, das Toni-Möchtegern-Oldtimerchen zu bremsen.
„Kleines, das Auto bekommt ein neues Rad. Dann ist es wieder ganz.“
Es beruhigte sie keinesfalls. Omi hatte ja keine Ahnung. Jenes Auto war kaputt, hatte sie ja gesehen und nun war sie es, die versuchte, mir, ihrer dummen Omi, dies klarzumachen.
„Auto putt gemacht! Auto putt gemacht!! Auto putt gemacht …“
Ich gab es auf.

Gerade in diesem Minuten kam ein weißes Fahrzeug um die Ecke. Das kannte Toni. Da saß ja der Opi drin.
„Eine Omi!“, rief sie.
„Toni, ist der Opi!!“
Brav verbesserte sie sich:
„Eine Opi!!“
Ich gab mich zum zweiten Male an diesem Tag geschlagen. Eine Opi ahnte ja noch nicht, was da auf ihn zukam, freute sich nur aufs Enkelkind und hielt an. So ein hoch gelegter Wagen war denn doch noch zu hoch für ein 21 Monate altes Etwas. Das Fenster fuhr also runter und Toni machte einen Klimmzug. Sie hatte ja einer Opi etwas Wichtiges mitzuteilen.
„Oomi, Auto putt gemacht!!“
„Opi!!“, versuchte ich flüsternd richtigzustellen.
Vergebens. Die kleine Schallplatte an meiner Seite stellte fest, dass sie ja noch längst nicht alle ihre Rillen abgespielt hatte und drehte auf. Den Redefluss zu stoppoen, scheiterte kläglich. Toni quasselte ohne Punkt und Komma, kam dabei erstaunlich gut zurecht, ohne zwischendurch nach Luft zu schnappen und hielt sich dran. Auch dann noch, als wir endlich unser Haus betraten.

Denn dort warteten ja ihre Tante Tina samt P. auf Toni und die wussten ja noch nichts davon.
„Huhuuh Toni!“
Die sparte sich die Begrüßung und legte prompt los.
„Pappack: Auto putt gemacht!!!“
Erst, als sich Toni dann des Kühlschrankes und der Weintrauben darin, für die sie sehr schwärmte, erinnerte, war ihr plötzlich das kaputte Auto völlig egal und sie futtere und futterte.
„Wie gut, dass dort ne ganze Schüssel mit denen steht. So ist sie endlich abgelenkt!!“

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Toni und das Auto