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Toni und Weihnachten

Von tastifix Mittwoch 25.12.2024, 10:04

Es würde das erste Weihnachtsfest sein, das T. (23 Monate alt) bewusst miterleben würde.
„Was das wohl geben wird …?“
Zunächst gab es nur den Anruf meiner Tochter, Toni sei schwer erkältet.
„Die Arme! Hoffentlich ist dann nicht alles zuviel für sie!“
„Ach, das klappt schon!“
„Hm! Solange die Kerzen brennen, sitzt sie aber entweder im Hochstuhl oder auf dem Schoß. Ist mir sonst viel zu gefährlich!“
„Kein Problem!“, war die Antwort.
Gegen 15 Uhr wollten sie eigentlich da sein … 
„Vielleicht ist irgendwo nen Stau!“
Endlich, fast zwanzig Minuten später als verabredet, standen sie vor der Tür. In ein schickes Trägerkleid gewandet, darüber eine dicke Winterjacke trippelte uns eine blasse Toni entgegen, die erst nach mehrmaliger Aufforderu, doch „Hallo“ zu sagen, dem nachkam. Sie sah sehr schlecht aus und tat mir in der Seele leid.
„Nachher ist sie abgelenkt!“, beruhigte ich mich.

Auf „Nachher“ brauchte ich gar nicht zu warten. Toni entdeckte die Kuchen und Plätzchen auf den Tisch und nahm zwischen Tante Drei und deren Verlobtem auf der Eckbank Platz. Von dann an durfte sie den Nachmittag rundherum genießen. Kammerzofe T. und Kammerdiener P. putzten auf Befehl ´Nase putzen` Näschen und ´da Krümel` den selbigen von der Kleinkindwange. Toni hatte sich die Beiden ja bereits bestens erzogen. 
So umsorgt zu werden, gibt frischen Lebensmut zurück, sie taute auf. Dort stand doch die Schale mit den von mir für sie gebackenen Plätzchen. Sie wollte es unbedingt würdigen und streckte die Hand danach aus.
„Nein! Wie heißt das?“
Doch Toni ließ ihr armes, vielleicht ebenfalls in Mitleidenschaft gezogene Gedächtnis in Ruhe. Es war ja vielleicht auch krank. Stattdessen zog sie eine Babyschuppe und schmollte.
„Du brauchst nur „bitte“ zu sagen, Toni. Dann bekommst Du eines!“
Sie war anscheinend der Meinung, dies sei wegen ihres maladen Zustandes eine Anmaßung ohnegleichen und schmollte weiter. Als aber die Plätzchen trotzdem nicht näher rückten, packte sie die Wut und sie langte rigoros hin - mit dem Arm quer über den Tisch. Prompt wanderte die Schale aufs entgegen gesetzte Ende des Tisches zu.
„Wenn Toni nicht bald … , dann klirrt es!“
Selbst ihr schien es mulmig zu werden: Was wäre, wenn die Plätzchen gleich gar verschwinden würden?
Es war ihr zu riskant und sie brachte etwas über die Lippen, was wir mit einiger Fantasie als „bitte“ deuteten. Sofort dmachte die Schle kehrt und stellte sich in Greifnähe vor ihr, die dann zufrieden vor sich hin mümmelte.

Als es dämmerte, stand die Bescherung an. Die Kleine musste abgelenkt werden. Ich schnappte mir meine Enkelin, stieg mit ihr an der Hand, von Tante T. gefolgt, in die Jugendetage und holte fix eine Puppe herbei. Toni hatte sie gerade freudig in Empfang genommen, da bimmelte bereits von unten das Glöckchen. Also Püppchen wieder ins Puppenbett und wir zurück nach unten. Toni und ich erneut Hand in Hand und Tante T. als zusätzliche Treppen-runterfall-Absicherung hinter, vor und neben der Kleinen her. Inzwischen war der klar, dass sie irgendwas Tolles erwartete und wenn Toni aufgeregt ist, bringt nichts sie mehr zum Schweigen, zumal ihre Tante ihr auch etwas zuflüsterte.  Prompt schmetterte sie:
"Wir k..kommen gleich. Wir sind gleich da!“
Deshalb also hatte meine Tochter dermaßen gegrinst … Im Wohnzimmer hinter der breiten Flügeltür wurds echt spannend. Der Opi hatte die Geschenke mit weißen Tüchern abgedeckt, die ihr vilel interesanter zu sein schienen als der Tannenbaum mit den Kerzen und Kugeln. Trotzdem ermahnte ich:
„Du weißt ja, Frühstückseier sind heiß. Du, die Kerzen hier, die sind ganz, ganz heiß. Nicht dran gehen!“
Ich hätte es mir sparen können. Sie widmete sich nämlich ausschließlich dem Vergnügen, immer haarscharf am Tuchrand entlang hin- und her zu trippeln.
„Ein falscher Schritt und ...“
Aber Toni hat ja einen sehr tüchtigen Schutzengel, der stets bemüht ist, Katastrophen zu verhindern. Ich muss ihn loben. Wie schaffte er es bloß, wie nur? Weder trampelte Toni auf den Tüchern herum noch irgendein Geschenk darunter platt. Alles blieb heil.
Zu Weihnachten ist es üblich zu singen. Tonis Papa stimmte also ´O Tannenbaum` an und hoffte auf inbrünstige Unterstützung durcn seine Tochter, die zwecks Sicherheitsverwahrung auf Opis Schoss gelandet war. 
„O Tan ... “, hub er an.
Es riss jene nicht vom Hocker. Sie schwieg sich aus und starrte nur auf die Tücher.
„Wenn nicht  ´O Tannenbaum`, dann eben soo … !`, sagte ich mir und nach kurzer Absprache wichen wir auf ´Häschen in der Grube` aus.
War auch ein Lied. Das gefiel Toni:
„Häääschen …Gruuabe ... sliieef … !“
Zusehens munterer sang sie mit. Darum wagten wir es erneut:
„O Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter!“
Blätter kannte Toni und weil sie inzwischen richtig guter Laune war, schmetterte sie mit:
„Blättaaaaar!! … Sommaaah!“
Nun durfte wir uns der Bescherung folgen. Der Opi lüftete also die Arktislandschaft. Es zeigten sich viele kleine und größere bunte Berge und dazwischen Minitäler. Die Berge waren die Geschenke und die Täler die recht schmalen Lücken dazwischen. Toni verteilte begeistert die Geschenke und riss noch begeisterter das Papier ab. Bis alles bestaunt worden war, dauerte es ziemlich lange und die Kleine wurde müde.
Aber am Weihnachtsabend wäre es eine unentschuldbare Grausamkeit gewesen, sie ins Bett zu verbannen und so etwas machen liebe Omi-, Tanten-Zofen und Opi- und Onkel-Kammerdiener nicht. Also aß sie dann im Hochstuhl diagonal ihrem Papa gegenüber. Es gab Sauerbraten mit Spätzle und viel Soße. T:, total überreizt, wurde ständig granntiger und kommandierte ihre Dienerschaft nach Kräften herum:
„Pädpack. Baby holen!“
Klar, dass Puppe Baby im Nu erschien. .
„Bööötchen!“
Sofort hielt sie ein Brötchen in die Hand, mit dem sie aber nur rum spielte. Danach:
„Keks!“
„Nudel!“
Doch die wollte sie dann doch nicht. Wir versuchten zuzureden, zu trösten usw. … Nichts half mehr, Toni steigerte sich mmer mehr hinein. Sie ließ den ganzen Frust an ihrem unschuldigen Baby aus. Erst hieblt sie es nur hoch in die Luft, dann holte sie aus und knallte Babys Kopf auf die Tischplatte, wieder und wieder und mit ständig größerem Schwung.
.A.!“, rügte ihr Papa vergeblich.
Toni reichte es nun und mit voller Wucht knallte sie Baby ihrem Papa auf dessen Teller in die Sauerbratensoße. Irgendwie hatte ich das Gefühl, Baby schien es sogar zu gefallen. Es unternahm es mindestens drei Tauchversuche ins bräunliche Vergnügen und seiner Mimik nach zu urteilen, wenn es wieder auftauchte, bedeutete dies so überhaupt keine  Qual. Anders für Tonis Papa: Der stierte entgeistert auf Baby, fischte das tropfende Etwas mit zwei Fingern aus der Tunke, schaute es zweifelnd an und starrte dann, noch fassungsloser, seine nun vor Vergnügen glucksende und strahlende Tochter an.
Dabei war Baby ja noch sehr rücksichtsvoll vorgegangen und die Soße hatte Papas Oberhemd verschont …


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