Vier Räder und ein rotes Herz
Von
tastifix
Dienstag 22.10.2024, 08:18 – geändert Montag 28.10.2024, 20:33
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
tastifix
Dienstag 22.10.2024, 08:18 – geändert Montag 28.10.2024, 20:33
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
ich heiße Knautschi und bin ein Auto. In den Augen der Menschen gelte ich als ziemlich klein geraten, aber die haben ja keine Ahnung.
Sagt selber: Die inneren Werte sich doch wohl viel wichtiger, oder? Von denen habe ich nämlich viele. Ich bin weder freßsüchtig noch langsam wie eine Schnecke. Im Gegenteil flitze ich mit bis zu 150 km/h über die Autobahn. Zeigt mir den Zweibeiner, der das schafft! Zudem halte ich meinem Frauchen eisern die Treue. Allein sie und die, denen sie meinen Schlüssel leiht, dürfen mich fahren. Niemand sonst, basta!
Frauchen ist sehr liebevoll zu mir, beachtet genauestens meine Fütterungszeiten und fährt mich bei Regen oder auch bei großer Hitze fürsorglich in die Garage. Zudem gönnt sie mir alle paar Tage einen tollen Waschanlagenbesuch. Das ist mir sehr wichtig, denn ich bin eitel und fühle mich nur im blitzenden Blechkleid autowohl.
Doch so ganz jung bin ich jetzt schon nicht mehr, ich schätze, immerhin schon fast ein Jahr. Bisher hat es mir nie viel ausgemacht, allein in der Garage zu schlafen oder am Straßenrand gelangweilt vor mich hin zu dösen. Aber seit ein paar Tagen ist alles anders. Weckt mich Frauchen morgens, werde ich recht zappelig und möchte am liebsten sofort losbrausen. Darüber wundert sie sich allerdings so gar nicht. Sie weiß Bescheid, ist ja meine engste Vertraute.
Meine Adoptivomi, Frauchens Mama, hat im Internet eine kleine Geschichte über mich geschrieben. Die hat das Frauchen eines anderen Autos gelesen und Grüße an mich aufgetragen.Tuut, bin ich stolz deswegen! Aber dabei allein ist es nicht gebliebn. Die Beiden tauschen immer wieder Nachrichten aus. Dann hält mein Frauchen diese Tage ein Foto in der Hand. Tja, und da ist`s passiert:
Auf dem Bild - was soll ich Euch sagen - blinkte mir eine flotte Biene entgegen. Nein, nicht solch ein Stechvieh, vor dem mein Frauchen sofort Reißaus genommen hätte, sondern das entzückendste kleine Automädchen der ganzen Welt im super flottem zitronengelben Outfit und mit einem schwarzen Dach. Mein Motor stockt mir fast vor lauter Stottern. Ich habe mich verliebt. Wie ich dann erfahre, lebt dieses coole Etwas nur zwei Stadtteile weit von mir entfernt und heisst doch tatsächlich ´Bienchen`. Irre, nicht? Frauchen ist so nett und liest mir alle Bienchen und mich betreffenden Kommentare vor. So weiß ich, dass auch Bienchen neugierig auf mich ist.
Stellt Euch vor: Sie fährt mehrmals in der Woche in meinen Stadtteil zum Einkaufen, immer so um die Mittagszeit. Klar, dass ich zuhause so lange meinem Frauchen etwas vor brumme, bis sie sich erweichen läßt und mir wegen meines selbstverständlich hervorragenden Benehmens die Freude macht und mit mir gen Parkplatz düst. Der ist zwar sehr groß, aber Bienchens Bild trage ich immer vor meinen inneren Scheinwerfern her. Ich würde sie niemals übersehen, zumal da garantiert nicht mehrere kleine Zitronen gleichzeitig herum stehen. Heute allerdings hatten wir Pech. Entweder war mein Schwarm schon wieder heim oder sie hatte das Einkaufen vergessen. Schaade, tuut!
Noch seufzte ich traurig, da erwartete mich eine Riesenüberraschung. Es war wieder eine neue Nachricht von Bienchen eingetroffen. Vor Aufregung machte ich unaufgefordert einen kleinen Hopser. Mein liebes Frauchen verzieh es mir.
„Du befindest Dich in einem Ausnahmezustand!", sagte sie.
„Danke, Frauchen!", kullerte ich selig mit den Scheinwerfern.
Was denn eigentlich los war ... ? Bienchen war auf dem Parkplatz gewesen und hatte mich doch wirklich gesucht! Das bedeutete Sie mochte mich und wollte mich kennenlernen. Wie auf Wolke Sieben schwebte ich beim nächsten Ausflug über den Asphalt.
Aach ... mein Bienchen!!