Weihnachtliche Vorbereitungen
Von
optik
Mittwoch 24.12.2025, 11:13
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Advent, so sagte mein Enkel, ist die schönste Jahreszeit. Wenn es draußen kälter wird und man beginnt sich mit den geheimnisvollen Dingen des ach entsetzlich langsam nahenden und mit Hochspannung erwarteten Weihnachtsfestes zu beschäftigen.
Aber vorher kriegen auch viele Menschen noch die Grippe, was nicht so schön sei, sinnierte im letzten Jahr unser Sechsjähriger und grinste. Hatte er doch in den Wochen zuvor in den Medien die Warnungen gehört und er amüsierte sich köstlich als er die Worte aufschnappte. "Oma, haste gehört? Es gibt nicht nur die mit dem Ringelschwänzchen, jetzt gibt es die auch von den Vögeln!" Das fand er spaßig.
Obwohl sein Schulbeginn noch etwas fern lag, erklärte er uns allen aber schon die Welt und hatte durch die fröhlichen Stunden im Kindergarten für alle Lebenslagen stets die logischen Schlussfolgerungen abrufbar parat. Mit einer ganz unfehlbaren Ernsthaftigkeit klärte er uns über die Dinge des täglichen Alltags auf.
So kam er zu der Feststellung, dass wir ohne Husten-Schnupfen-Heiserkeit auch eine "Grippe" haben. "Wie das?", fragte ich vollkommen ahnungslos. "Na, Oma, wir haben doch sogar eine mit Beleuchtung. Ja, weißt du das schon nicht mehr"? Er meinte unsere Weihnachtskrippe. Etwas lädiert war sie schon, hatte sie doch mittlerweile zwei Generationen überstanden. "Ist die wirklich schon so alt" fragte er mehrmals nach, um dann in einem obligaten, langgezogenen "cool" endlich den Wahrheitsgehalt zu akzeptieren.
Etwas sehr originell und beherrscht von kindlicher Naivität verlief der Aufbau im letzten Jahr. Wir brauchten mehrere Tage, weil eigenartigerweise wie von Geisterhand ein paar Figuren verschwanden. So fehlte plötzlich der wichtige Josef. Es hatte tags zuvor eine kräftige Gemüsesuppe gegeben und nun klebte ganz unvermutet etwas Verschmortes am Kochtopf. Es fiel erst auf als der Topf ins Spülwasser sollte. "Was ist denn das", fragte ich entgeistert, "Oma, Oma, jetzt ist der arme Josef hin! Oh je! Ich hatte ihn gebadet und zum Trocknen auf den Herd gestellt. Er sollte doch zu Weihnachten sauber sein...."
Der arme Josef bot keinen schönen Anblick, er war angeschmort und regelrecht verschandelt. Opa schüttelte den Kopf, schimpfte und meinte, dass nicht einmal die Heiligen vor dem kindlichen Blödsinn sicher seien. "Und wo ist nun das Baby?", fragte er ein paar Tage später. Der Futtertrog war nämlich leer. Es lagen nur noch die zu Streu zerschnippelten Strohhalme drin. Nun war Maria ohne Mann, also ganz aktuell eine alleinerziehende Mutter und dann auch noch ohne Kind. Das ging nun gar nicht.
Nackt wie es war, hatte unser Sechsjähriger auch das Christkind, einem Festtagsbad unterzogen und es zum Wohlfühlen auf die Heizung gelegt. Die ganze Familie suchte gründlich, das Christkind blieb verschwunden. "Wird wohl der Hund gefunden und gefressen haben".
Opa glaubte fest daran und stieß damit ein großes Bedauern, Jammern und Wehklagen los. Die Trauer wich dem Tatendrang, denn spontan wurde in der Spielkiste gekramt. So stand dann für ein paar Tage Donald Duck neben Maria und als Christkind lag ein etwas zu großer Asterix im Stroh. Unser Enkel meinte, es passe ja alles viel besser in den Stall und zur Familie, außerdem sei es nun nicht mehr so traurig, sondern fröhlicher und bunter. Opa meinte bei diesem Anblick, man könne nicht den Donald als Vater nehmen, dann sei ja der verkohlte und verschmorte Josef doch besser, er sei auch als ein farbiger Vater zeitgemäßer.
Außerdem passe ein kleineres Wesen wesentlich besser in den Futtertrog als der gallische Asterix. Unser Enkel tendierte erst zu einem kleinen blau-zipfelmützigem Schlupf, entschied sich aber dann für ein Mainzelmännchen, dem "schlauen Det" mit dem roten Mützchen. Und hinter dem Christkind standen dann noch ein Ochsen und ein Esel, weil ein Mainzelmännchen immer mit dem zweiten Auge sähe!
Ein Nilpferd und einen Dinosaurier hatte er auch noch dazu gestellt. Den Dino, damit sich das Nilpferd nicht so einsam, traurig und allein fühlen sollte, schließlich stamme es aus Afrika und das sei ganz weit weg.
Wie er es aus der Weihnachtsgeschichte kannte, gehörten neben den Stall noch die heiligen Könige. Ein König war beim letzten Putzen runtergefallen und hin. Es gab also nur noch zwei heilige Könige. Kein Problem, als Ersatzmann übernahm diese Rolle, nach einem Griff in die Spielzeugkiste der "heilige" Batman. Eigentlich hatte er erst den Spiderman dazu gestellt, doch dieser wirkte zu lang und zu groß. Er passte schlecht unter das Stalldach. Batman war wenigstens schon einem königähnlichen Umhang bekleidet. Er ließe sich auch vom Namen her besser integrieren, meinte Opa. Zuvor hatten die, einige Tage andauernden Streitgespräche nicht die rechte Klarheit darüber gebracht, wer denn jetzt Kaspar oder Balthasar sei? Nur bei Batman war es klar und eindeutig, er galt als der Melchior in der Truppe. Spiderman wurde nach all den Überlegungen anschließend dringlicher, schon wegen seiner Größe und der kräftigeren Statur hinter dem Stall gebraucht, weil er auf die Schafe aufpassen musste.
Normalerweise haben die Könige ja einen Haufen Geschenke und sonstiges Zeugs für das Christkind dabei, überlegten Enkel und Opa, nämlich Gold, Weihrauch und all so was.
Bei uns bekam der eine König einige golden verpackte Gebäckkugeln aus Omas Süßigkeitenfach. Sie wirkten wie ganz besonders wertvolle Geschenke, obwohl Opa und Enkel vorsorglich aber schon das Gebäck verspeist hatten, für das Christkind blieben die glänzenden Papierreste. Weil wir keinen Weihrauch hatten bekam der andere König eine uralte, aus Opas Fundus stammende Marlboro in die Hand.
Wir hätten ja im Herbst noch zum Chinesen essen gehen können, bedauerte der Knirps, aber dafür war es nun zu spät. Es fiel ihm ja auch erst kurz vor dem Fest auf. Beim Chinesen gibt es nämlich Räucherstäbchen, wusste er und für die Krippe hätten wir sie mitbringen können. Aber die Marlboro, wenn man sie denn angezündet hätte-, hätte sicher die gleiche Wirkung gebracht.
Eine kleine Pistole hatte der heilige Batman dabei. Sie war aber nur als Symbol, gar nicht als Geschenk für das Christkind gedacht. Mit dieser Ausstattung konnte er in jedem Fall die heilige Familie und die Könige vor dem Dinosaurier retten und beschützen.
Es fanden sich außerdem hinter den Heiligen noch ein paar Indianer als Zaungäste und ein kleiner, vollkommen blasser Engel. Dem armen kleinen himmlischen Boten war der Fuß abgebrochen und er konnte wegen eines fehlenden Flügels nicht mehr fliegen. Für ihn wurde ein Playmobil-Motorrad aus der Spielkiste gesucht und genutzt, er durfte nun wenigstens fahren. Ach ja und ein kleines Playmobil-Männchen in der gelben ADAC Kluft stand ihnen allen im gebührendem Abstand zur Sicherheit zur Seite.