Zwei sind einer zu viel/Teil 2
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Feierabend-Mitglied
Freitag 16.08.2024, 11:02
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Zwei sind einer zu viel / Teil 2
An ihrem verabredeten Abschiedsabend klingelte er an ihrer Wohnungstür in einem großen Wohnblock in Frankfurt-Bornheim. Sie hatte ein paar Häppchen vorbereitet und sich selbst schon ein Glas Weißwein eingegossen. Er gab ihr nicht die Hand und küsste sie auch nicht. Ihr war es gleich.
»Lass es uns kurz und schmerzlos machen«, sagte sie lächelnd zu ihm, als sie die Tür öffnete.
Schmerzlos? Wie kannst du nur dieses falsche Wort in den Mund nehmen, dachte er. Ihre unerhörte Leichtigkeit im Umgang mit seiner tiefen Liebe traf ihn ins Herz.
»Was willst du trinken? Ich habe Bier, oder willst du vielleicht lieber etwas Stärkeres, einen Whisky oder einen Schnaps?«
»Bring mir einen Whisky und gib ein paar Eisstückchen dazu.«
Während sie in der Küche mit dem Eis hantierte, stand er vom Sessel auf und goss mit zitternden Händen die ihm genannte Menge des Medikaments in ihr Weißweinglas und setzte sich wieder hin.
Es kam so, wie es ihm der Typ beschrieben hatte. Nachdem sie das Glas geleert hatte, war sie nach wenigen Minuten bewusstlos zusammengesackt. Er streifte sich die mitgebrachten Latexhandschuhe über, zog ihr die Schuhe aus, legte den reglosen Körper ins Bett, drückte ihr ein Kissen auf Mund und Nase und schloss seine Augen fest zu. Nur ein leichtes Aufbäumen hob ein einziges Mal ihren Körper ein paar Zentimeter vom Bett hoch, sonst kam kein Widerstand von ihr. Er presste das Kissen so lange auf ihr Gesicht, bis sie nicht mehr atmete. Er musste ihr keine Gewalt antun, sagte er sich. Als er das Kissen von ihrem Gesicht entfernte, schaute er sie aufmerksam und voller Liebe an. Sie lag da, als ob sie fest und friedlich schliefe. Jetzt war sie für immer sein, er musste sie mit keinem mehr teilen. Kräftig schüttelte er das Kissen aus, das er von einem Sessel im Wohnzimmer genommen hatte, und legte es wieder an seinem Platz.
Dann wischte er alles ab, was er in der Hand gehabt hatte, sodass man keine Fingerabdrücke von ihm finden konnte. Dass man seine Spuren sonst überall in der Wohnung finden würde, das wusste er und nahm es in Kauf.
Die Tropfen würden in ein paar Stunden nicht mehr nachweisbar sein. Jetzt war Freitagabend. Am Samstag war die Praxis ihres Arbeitgebers geschlossen. Niemand würde sie auf der Arbeit vermissen. Es würde dauern, bis man ihre Leiche fände.
Die Ärzte würden rätseln, an welcher Krankheit sie gestorben war. Es gäbe keine Wunden, keine blauen Flecke, keine Würgemale, überhaupt keine Hinweise auf ein Verbrechen.
Noch einmal schaute er sie mit stiller Wehmut an, als er bemerkte, wie sich ihr rechtes Auge wie in Zeitlupe öffnete und ihn direkt ansah. Gleich darauf öffnete sich auch das linke Auge und starrte ihn, ebenso wie das rechte, vorwurfsvoll an. Mit einem Schrei des Entsetzens sprang er drei Schritte zurück und beobachtete geschockt das wiederbelebte Gesicht. Gleich würde sie aufstehen und ihn zur Rechenschaft für sein mörderisches Tun ziehen. Doch sie blieb liegen. Es war nur eine Reaktion des toten Körpers. Nach einigen Minuten überwand er sein Grauen und versuchte ihre Lider über die Augäpfel zu ziehen. Das linke Auge blieb schließlich geschlossen, aber das rechte Auge wollte sich selbst nach mehrfachen Versuchen nicht schließen lassen und schaute ihm still und anklagend bei seinen verzweifelten Bemühungen zu.
Nach einer halben Stunde verließ er erschöpft die Wohnung, verschloss sorgfältig die Tür, zog die Latexhandschuhe aus und verschwand aus dem Haus. Das Auto hatte er weit weg vom Hochhaus geparkt, in dem sie wohnte. Auf dem Weg dorthin taumelte eine graue Wolke auf ihn zu und legte sich wie ein erstickender Mantel um seinen Körper. Er hatte das Gefühl, durch schweres Wasser zu waten. Trotz des Beruhigungsmittels schlug sein Herz so schnell und laut, dass jeder Schlag in seinen Ohren dröhnte. Im Wagen ergriff ihn ein starkes Zittern. Es war ihm nicht möglich, die Pedale zu bedienen. Nach ein paar Minuten stieg er aus, ging langsam in Richtung des nahe gelegenen Parks und drehte dort ein paar Runden. Danach fühlte er sich besser.