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Zwei sind einer zu viel

Von Feierabend-Mitglied Freitag 16.08.2024, 11:00

Zwei sind einer zu viel/ Teil 1
Wie anmutig sie im Bett lag. Ihr langes blondes Haar flutete das nachtblaue Kissen wie flüssiges Gold. Die Hände hatte sie artig auf der Bettdecke wie zu einem Gebet gefaltet. Ihre Augen waren geschlossen, als würde sie schlafen. Sie sah so unschuldig aus. Ein Engel konnte nicht schöner sein. Mit brennendem Verlangen schaute er sie an. Er liebte sie, er liebte sie so sehr, dass er seine Augen nicht von ihr abwenden konnte. Von all den Frauen, in die er sich jemals verliebt hatte, war nur sie seine wahre Liebe gewesen. Und sie, ja, sie hatte ihn auch bis zum Wahnsinn geliebt. Das jedenfalls hatte sie ihm immer versichert. Sie liebte seinen makellosen, durchtrainierten Körper, an dem nicht ein überflüssiges Gramm Fett war, seine kurzgeschnittenen, vollen dunkelbraunen Haare, in denen sie sich festkrallte, wenn sie sich liebten. Sie mochte seine Art, sie zu lieben, wenn er seinen harten Körper an ihren presste und sie in die rauschhaften Höhen der Leidenschaft führte. Nicht dass sie ihm das sagte, aber er wusste es, wenn sie wie ein zufrieden schnurrendes Kätzchen, dem alle Wünsche erfüllt worden waren, an seiner Seite lag.
Ihre Liaison dauerte schon an die zwei Jahre. Er war zu feige, fürchtete sie zu verlieren, wenn er seine wahren Wünsche geäußert hätte. Als er ihr einmal sagte, er würde sie gerne heiraten, reagierte sie seltsam zurückhaltend, sodass er sie nicht weiter bedrängen wollte. Er hätte sie gerne mit allen Konsequenzen geehelicht und ihr seine Liebe zu Füßen gelegt. Aber das war es nicht, was sie wollte.
Bedauerlicherweise waren seine finanziellen Möglichkeiten als einfacher Angestellter in einem Warenhaus beschränkt und konnten ihre Wünsche nach ein bisschen mehr Luxus nur unzulänglich erfüllen. Nicht, dass sie ihm das vorwarf. Es boten sich ja andere Möglichkeiten, ihre Sehnsucht nach all diesen schönen Dingen zu erfüllen, die einer Frau ihres Aussehens zustanden, wie sie meinte. Er wusste von dem Verhältnis zu ihrem ehemaligen Arbeitgeber, dem wohlhabenden Arzt, in dessen Praxis sie viele Jahre als Arzthelferin ihren Dienst verrichtet hatte. Dessen eifersüchtige Ehefrau hatte vor einem halben Jahr Wind von dem außerehelichen Verhältnis bekommen und ihren Mann gezwungen, ihr umgehend zu kündigen. Natürlich hatte sie sofort einen neuen Job in einer anderen Praxis gefunden und die Beziehung zu dem Arzt weitergeführt. Sie ließ sich doch von einer missgünstigen Ehefrau nicht die Butter vom Brot nehmen.
Er wusste auch, dass sie den Arzt nicht wirklich liebte, sondern nur von seiner großzügigen Art, sie zu verwöhnen, geschmeichelt war. Er tolerierte ihr doppeltes Spiel mit zusammengebissenen Zähnen, fühlte sich ohnmächtig und erniedrigt, wagte aber nicht, es ihr zu verbieten. Er wollte sie nicht verlieren.
Jetzt aber hatte sie ihm erzählt, dass ihr ehemaliger Arbeitgeber sich von seiner Frau scheiden lassen wolle, um sie heiraten zu können. Daher könnten sie ihr Verhältnis nicht weiterführen, und sosehr sie es bedauere, ihre Wege müssten sich für immer trennen. Während ihr diese tödlichen Worte mit einer verstörenden Gleichgültigkeit aus dem Mund strömten, glaubte er, der Boden tue sich auf, um ihn zu verschlingen. Sein Herz fing an zu rasen, er bekam keine Luft. Eine Panikattacke ergriff ihn, in seinem Kopf drehte sich ein dumpfer Schwindel. Er musste das Fenster öffnen und frische Luft schöpfen. Ein Leben ohne sie? Unvorstellbar! Nein, das konnte er nicht zulassen. Nur weil ein reicher, in die Jahre gekommener Mann ihr mehr vom Leben bieten konnte als er, sollte er auf sie verzichten müssen? Nein, unmöglich! Ohne sie hatte sein Leben keinen Sinn. Wenn es denn sein müsste, hätte er sie zähneknirschend weiterhin mit dem Arzt geteilt, aber sie überhaupt nicht mehr sehen und lieben zu können, das war zu viel von ihm verlangt.
Sie aber bestand auf ihrer neuen Lebensplanung und bat ihn, ihren Wunsch zu respektieren und sie ab sofort nicht mehr zu besuchen oder zu treffen.

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