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Das Volk der Dichter und Denker?

Von ehemaliges Mitglied Dienstag 28.07.2020, 13:14

Sterben die Leser und Literaturfreunde langsam aus?

Vor über 50 Jahren verblüffte mich mein Deutschlehrer mit der Aussage: Goethe's Werther würde kaum noch gelesen, es sei ungeniessbar und süsslich. Ich bin dem Lehrer immer noch etwas böse dafür, denn den Werther und seine Sprache habe ich Zeit meines Lebens geliebt und mehrmals genossen und werde ihn mit Liebe immer wieder lesen.

Kürzlich las ich in einem Band Voltaire im Vorwort, 'die Dramen von Voltaire würde heutzutage niemand mehr lesen, ausser von Leuten, die es müssen'. Hä, dachte ich mir, bin ich niemand? Und die Dramen von Voltaire genoss ich sehr, nicht nur den berühmteren Candide oder den Zadik.

Ich las im Netz, die Stuttgarter Spendensammelstellen nehmen keine Buchspenden an, weil die Lager mit Büchern voll sind, die keiner haben will.

Kürzlich schloss bei mir in der Nähe ein evangelisches Antiquariat mangels Umsatz. Es durfte sich jeder, der wollte, soviel UMSONST mitnehmen, wie er wollte... aber keiner wollte die Klassiker. All die kompletten gesammelten Werke von Heinrich Heine bis hin zu Marcel Proust wollte niemand umsonst. Ich fragte den Händler, was damit gemacht wird. Er antwortete: Es kommt alles auf den Papiermüll.

Dieses Wochenende ersteigerte ich im Ebay 8 chinesische Literaturklassiker in bestem Zustand für sage und schreibe 1 Euro. Ich war der einzige Bieter und fand es fast peinlich, 1 Euro nur für 8 geniale Meisterwerke der Weltliteratur zu überweisen. Auf dem Buchpaket stand: An Prof. X... muss man nun schon Professor sein, um Literatur zu lieben?

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