Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

3 3

Der schwarze Schwan von Nassim Taleb

Von tastifix Mittwoch 30.06.2021, 07:42

Richard David Prechts ´Wer bin ich und wenn ja, wie viele?` fesselt die an Philosophie Interessierten bereits seit geraumer Zeit und ist eine dementsprechend oft diskutierte Lektüre. Jedoch ist es nicht das einzige Buch dieses Genres, das ich für lesenswert halte.
In einer Buchhandlung stach mir ein Band ins Auge, dessen Cover ein rosa Schwan zierte. In der Annahme, dass es sich eventuell um einen sehr ungewöhnlich aufgemachten Roman handelte, nahm ich ihn zur Hand, überflog die Themenbeschreibung und war perplex. Es war nämlich dagegen eine philosophische Abhandlung.

Der Autor Nassim Taleb (Dean`s Professor für die Wissenschaft der Unsicherheit an der University of Massachusetts in Amherst) gilt als Hauptdissident der Wallstreet und stellt uns den schwarzen Schwan als Symbol für alles vor, das für unmöglich gehalten wird, dann doch zur Realität wird und ständig geschieht.

Im ersten Teil behandelt er in mehreren Kapiteln Umberto Eccos Antibibliothek. (Die Sucht nach Bestätigung, die Hoffnung). Im darauf folgenden erörtert er die Möglichkeit beziehungsweise Unmöglichkeit, Vorhersagen machen zu können. Im dritten Teil behandelt er das Phänomen der grauen Schwäne. Den Schluss bildet ein Kapitel über die Chancen, den schwarzen Schwänen entgegen wirken zu können.

Das Buch erfordert hohe Konzentration, weil es den Leser mit Dichtern, Denkern sowie deren Ideen und deren Bedeutung für die Philosophie bekannt macht und dabei oftmals sehr ins Detail geht. Die Beispiele, die Taleb als Erklärung für seine Gedanken anbringt, sind nicht vom eigentlichen Thema losgelöst, sondern meines Erachtens selber weiterführende Teile des roten Fadens, der die Lektüre dermaßen interessant macht. Ich meine, dass ´Der schwarze Schwan` innerhalb der einzelnen Kapitel sehr viele Widersprüche aufzeigt, die zahlreichen Diskussionen anregen. Wegen dieser Diskussionspalette fasziniert das Buch den Leser, denn Taleb versteht es, den eigentlich trockenen Text mit feinem Humor zu würzen.

Bis dato habe ich den ersten Teil gelesen. Abgesehen von den textbezogenen Überlegungen bewegen mich noch andere, grundsätzliche Gedanken:
1. Will ich mir diese Lektüre wirklich weiterhin antun?
Ich habe ja beim Kauf des Buches gewusst, was mich in etwa erwarten könnte. Also will ich!
2. Kann ich es mir tatsächlich zumuten?
Wenn ich bereit bin, Umständlichkeiten wie das zusätzliche Nachschlagen im Duden und in diversen Lexika auf mich zu nehmen, brauche ich keine philosophische Vorbildung zu
besitzen, damit ich Gewinn aus der Lektüre ziehen kann. Im besten Falle könnte ich vielleicht zu einem Philosophen avancieren.
3. Was bringt mir dieses Buch? Werde ich die Welt und das Geschehen um mich her bewusster sehen und erleben?
Diese Frage muss jeder für sich selber beantworten. Die Gedanken Talebs werden in meinem Gedächtnis gespeichert sein und in bestimmten Situationen werde ich mich der Aussagen des Textes erinnern. Zustimmung und Widerspruch werden sich abwechseln.

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Lesen > Forum > Der schwarze Schwan von Nassim Taleb