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Ein französischer Klassiker

Von Feierabend-Mitglied Dienstag 01.02.2022, 18:23 – geändert Mittwoch 02.02.2022, 16:52

Was in Frankreich Rang und Namen hat, ruht im Pariser Pantheon neben Voltaire, Victor Hugo, Emile Zola bis hin zu Josephine Baker.

Neben Voltaire gilt der Autor und Komponist als einer der wichtigsten Wegbereiter der Französischen Revolution. Da durfte er im Pantheon seit 1794 nicht fehlen. Selbst Robespierre, der apokalyptische Vorreiter der jakobinischen Schreckensherrschaft, war ein großer Verehrer dieses Schriftstellers.

Er komponierte unter anderem eine Oper, die am Hofe Ludwig XV. aufgeführt wurde, in einer der Rollen trat Madame de Pompadour auf und er schrieb diverse Abhandlungen über Musik.

Den Titel seiner schonungslosen Autobiographie benannte er wie Augustinus 'Bekenntnisse'.

Bereits seine Jugenderinnerungen lesen sich nicht sehr amüsant. Des öfteren war ich versucht, es an die Wand zu klatschen und in den Papierkorb zu werfen.

Seiner Erzieherin pinkelte er als Kind gerne in den Kochtopf.

Als Jugendlicher stahl er unbedeutende Kleindigkeiten und denunzierte deswegen eine unschuldige Magd, die dafür entlassen wurde.

Als junger Mann war er Exhibitionist in Parks und konnte sich nur mit Müh und Not herausreden, als er mal von der Bevölkerung deswegen aufgegriffen wurde.

Als angestellter Sekretär kaufte er sich mit einem Freund ein 11-jähriges junges Mädchen, um es zur Lustsklavin zu erziehen. Eine Buchseite weiter hat er die Stadt bereits verlassen und spricht von väterlichen Gefühlen, so dass er daher das Kind angeblich nie missbraucht hätte. Was aus dem Kind wurde, erfährt man aber nicht.

Er hatte fünf Kinder mit seiner Lebensgefährtin, die sofort nach der Geburt ins Waisenhaus gegeben wurden. Er begründete dies mit der faulen Ausrede, auch vor seinen Freunden, dass er sowieso kein Geld hatte und dass Platon im Buch 'Der Staat' schrieb, es sei besser, Kinder würden ihre Väter gar nicht erst kennenlernen. Da mutet es etwas seltsam an, dass eines seiner Roman-Hauptwerke ('Emile oder über die Erziehung') von der Erziehung eines fiktiven Jungen handelt.

Seinen Erzfeind Voltaire nannte er einen Volksverderber, weil dieser in Genf ein Theater bauen liess.

Er musste mal unter Lebensgefahr aus seinem Wohlort flüchten, weil Bürger sein Haus mit Steinen bewarfen. Die Bürger waren von Priestern auf der Kanzel gegen ihn aufgehetzt worden wegen seinen politischen Schriften.

Seine politischen Schriften wirkten auf Verfassungsrechtlern, Politologie bis hin zur Soziologie und haben Philosophen wie Kant und auch Pädagogen beeinflusst.

'Die Träumereien des einsamen Spaziergängers', 'Julie oder Die neue Heloise' gehören zu den Klassikern der Weltliteratur.

Rousseau zeigte, auch in einem miesen Leben lässt sich etwas positives leisten.

Der Psychoanalytiker Sigmund Freud hätte an dieser zwiespältigen Person seine Freude gehabt.

So bleibt es für den Leser ein faszinierender Einblick in das Leben kurz vor der französischen Revolution.

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