Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

0 1

Ich bin Rambo Teil 6

Von comanchemoon 29.10.2023, 11:11

Ich erinnere mich, dass ich mich mit hechelnder Intelligenz für alles und jedes interessierte. Das Leben unter meinen wachsamen Blicken war ständig wunderbar und anbetungswürdig. Meine Rute konnte nie Ruhe geben. Darauf hatte ich gar keinen Einfluss.

  Nachdem ich ausgewachsen war, näherten sich männliche Besucher, die sich bei uns hereintrauten, jetzt vorsichtig, seitlich heranschleichend und seltsam gebückt, um ihr empfindlichstes Teil mit beiden Händen zu schützen. Ja, die Freunde hatten leidvoll erfahren, dass ich sie garantiert mit einem temperamentvollen Streich meines Schwanzes wie mit einem Peitschenhieb erwischte. Hinterher bekam meine Familie dann immer Ärger mit den Partnerinnen. Deshalb wurden vor jeder größeren Feier bereits am Tor Suspensorien verteilt, auf die es Rabatt gab.

  Saßen meine Leute in einem Sessel im Wohnzimmer und ich stolzierte mit hoch erhobener und rechts und links ausschlagender Rute vorbei, bekamen sie – natürlich unabsichtlich – eine saftige Ohrfeige. Sie jammerten dann manchmal, weil sie rote, gelbe, grüne und blaue Sterne im Reigen munter herumwirbeln sahen. Oder sie verspürten angeblich wie ein Orkan der Stärke zwölf brausend vorbeitobte. Zur heißen Jahreszeit empfanden sie das manchmal als angenehm. Aber dann wedelte ich etwas matter und lag meistens platt wie ein Steinbutt auf den kühlen Fliesen. Ich konnte zum Gotterbarmen über die Hitze seufzen. Scheinbar war mein Fell hauptsächlich für Eis und Schnee ausgestattet.

  Überhaupt – dieses Schwanzwedeln. Bei einer Schulterhöhe von achtzig Zentimetern war es kein Wunder, dass ich schon so manchmal schwungvoll mit einem einzigen Rutenstreich Tische abgeräumt hatte. Über den Abwasch brauchte sich Mona Marie dann keine Gedanken mehr zu machen. Zum Trost bekam sie aber Rabatt auf Küchengeschirr.

  Aber ich teilte auch gern mit meiner Familie. Besonders Nässe und Dreck. So manchen Morgen, wenn Heinrich zur Arbeit wollte, tatzte ich ihn mit schlammigen Pfoten schnell noch einmal an oder rieb meine Schnauze, die vorher im Wassernapf oder Schlimmerem gesteckt hatte, zärtlich an ihm. Nicht nur einmal musste er sich vor der Arbeit noch einmal umziehen. Dabei meinte ich es gar nicht böse.

  Verständnislos waren die Pelzlosen auch, wenn ich mich tropfnass vom Regen oder von was auch immer in allernächster Nähe meiner Lieben schüttelte. Warum sollte ich das denn in angemessener Entfernung tun? Nach dem Schütteln hatte ich dann immer ein außergewöhnliches Schmusebedürfnis. Das mindeste war, dass ich mich an einem gut gekleideten Zweibeiner abrieb. Hach, ich erinnere mich, dass ich dabei immer die Augen schloss und wohlig grunzte. Erwischte ich einen Fremden, schloss dieser auch die Augen. Aber nur, weil er dachte, wenn er sie öffnet, wäre der Albtraum vorbei.

  Dabei konnten die noch vom Glück sprechen, wenn ich nur nass vom Regen oder dreckig von Gartenerde war. Richtig ab ging es, wenn ich Sauerblatt fand. Diesen himmlischen Duft musste ich doch unbedingt mit meiner Familie oder anderen Pelzlosen teilen!

  Ich gebe zu, Heinrich bekam dann auch in der Reinigung Rabatt und seine Hundehaftpflichtversicherung drohte ernsthafte Konsequenzen an.

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Menschen Mit Hund > Forum > Ich bin Rambo Teil 6